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Guatemala: 1.400 Tote durch Schlammlawine

Eine durch die Regengüsse des Wirbelsturms "Stan" ausgelöste Schlammlawine hat in Guatemala vermutlich 1.400 Menschen lebendig unter sich begraben. „Wir glauben nicht, dass es Überlebende gibt“, so ein Feuerwehrsprecher.

Seit dem Abgang der Lawine am Mittwoch in den beiden Dörfern Panajab und Tzanchaj westlich von Guatemala-Stadt habe es von den 1.400 dort vermissten Menschen kein Lebenszeichen mehr gegeben. Die Zahl der offiziell bestätigten Todesopfer durch die Naturkatastrophe stieg in Guatemala, El Salvador, Mexiko und Nicaragua auf insgesamt 618. Hunderttausende wurden obdachlos.

Die heftigen Regenfälle lösten die Lawine aus Schlamm und Steinen aus, welche die Dörfer Panajab und Tzanchaj am Fuße des Vulkans San Lucas rund 180 Kilometer westlich von Guatemala-Stadt zerstörte. Praktisch kein Haus sei stehen geblieben, sagte Feuerwehrsprecher Mario Cruz. Es sei wenig wahrscheinlich, 36 Stunden danach noch Überlebende zu finden. Die Zufahrtsstraßen seien verschüttet; deshalb könne kein schweres Hilfsgerät geschickt werden. Hunderte Freiwillige suchten mit Hacken und Schaufeln in den Schlammmassen nach Überlebenden. Bis Samstagmittag fanden sie 71 Leichen, zumeist Kinder. Sie wurden ohne Gottesdienst in einem Massengrab beigesetzt.

Wegen des anhaltenden Regens kamen die Rettungsarbeiten in Guatemala nur langsam voran. Die meisten Straßen waren nicht passierbar. Die USA stellten dem verarmten Land sechs Rettungshubschrauber zur Verfügung, das Nachbarland Mexiko zwei, ein weiterer Helikopter kam aus Honduras. Nach einem Hilfsaufruf von Präsident Oscar Berger sagten die USA, Japan, Mexiko, Spanien, Kuba und Kanada ihre Unterstützung zu. Berger sagte seine Teilnahme an einem ibero-amerikanischen Gipfeltreffen ab, das für die kommenden Tage im spanischen Salamanca angesetzt war.

„Ganze Dörfer sind verschwunden“, sagte eine 25-jährige US-Bürgerin, die aus dem Katastrophengebiet westlich der Hauptstadt Guatemala-Stadt gerettet wurde. Sie habe sich in der Ortschaft Santa Catarina aus einer Schlammlawine befreien können, aber mitansehen müssen, wie ein Mann und eine Frau weggeschwemmt wurden. Die dicht bevölkerte Küstenregion war zu weiten Teilen überschwemmt. Telefonnetz und Stromversorgung brachen zusammen.

Insgesamt waren in Guatemala, Nicaragua, El Salvador und Mexiko zwei Millionen Menschen von den Folgen von „Stan“ betroffen. 508 Tote wurden in Guatemala bis Samstag offiziell bestätigt, 71 Menschen starben in El Salvador, 28 in Mexiko und elf in Nicaragua. Nach dem Ausbruch von Dengue-Fieber in Mexiko starteten die Behörden eine Impfaktion. Die Stadt Huejutla im Bundesstaat Hidalgo wurde unter Quarantäne gestellt. Dort erkrankten 180 Menschen.

Nachdem rund 5.000 Menschen in Huixtlan nahe der Grenze zu Guatemala obdachlos wurden und in Panik gerieten, rief der mexikanische Präsident Vicente Fox zu Ruhe auf. „Wir werden diese Tragödie überwinden.“ Im Bundesstaat Chiapas beklagten Menschen, Hilfskräfte hätten sie vergessen. „Die Polizei will sich ihre Schuhe nicht nass machen; jetzt müssen wir uns selber helfen“, sagte ein Mann. Hunderte Bewohner von Dörfern brachen auf der Suche nach Essen und Trinkwasser in Richtung der nächstgelegenen Stadt auf.

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