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Grüne wollen in Wiener Kunsthalle mitregieren

Die Kunsthalle Wien wird eine GmbH. Schon vor der temporären Dienstfreistellung von Direktor Gerald Matt war klar, dass die Wiener Grünen konkrete Vorstellungen davon haben, wer in den Vorstand kommt.
Die Kunsthalle Wien wird eine GmbH. Schon vor der temporären Dienstfreistellung von Direktor Gerald Matt war klar, dass die Wiener Grünen konkrete Vorstellungen davon haben, wer in den Vorstand kommt. ©APA
Wien, Bregenz - Freistellung von Matt hat auch heiklen Grund: Politische Einflussnahme in die Kunsthalle.

Bei der Ausstellungseröffnung am Donnerstagabend mit Arbeiten des bekannten, in New York lebenden Schweizer Künstlers Urs Fischer (geb. 1973) betont die Kunsthalle Wien ihre internationale Ausrichtung, mit der sie in den letzten Jahren überaus erfolgreich war. Organisiert als Verein, also mit durchaus tauglichen Strukturen. Wie man weiß, sind diese bald Geschichte, seit vergangenem Herbst sind Umstrukturierungsmaßnahmen im Gange, die Institution im Museumsquartier mit ihrem Trabanten am Karlsplatz soll eine GmbH werden.

Druck der Grünen

Die rotgrüne Stadtregierung bekundete diesbezüglich Einigkeit, und auch eine Kunsthallen-GmbH kann – aus wirtschaftlicher Sicht – dem Weiterbestand der Häuser Vorteile bieten. Was die Ausrichtung betrifft, besteht nun aber berechtigte Sorge, dass die Internationalität eine Einschränkung zugunsten einer kommunalpolitisch entsprechend verwertbaren Regionalisierung erfährt.

Nachdem, wie auch der Vereinsvorstand Ende letzten Jahres betonte, fest steht, dass Direktor Gerald Matt nur auf Druck der Grünen, die ansonsten im Wiener Gemeinderat die Zustimmung zur Subventionierung des Hauses verweigert hätten, temporär dienstfrei gestellt wurde, ist ein weiterer, durchaus heikler Grund für die Umstrukturierung des Instituts und das Abschieben des Direktors bekannt geworden.

Grün-interne Kandidatenlisten

Den Vorarlberger Nachrichten liegen Schriftstücke vor, aus denen hervorgeht, dass die Wiener Grünen zukünftig direkten Einfluss in die Ausrichtung, Programmierung und Besetzung der Kunsthalle nehmen wollen. Der Kultursprecher der Grünen, Klaus Werner Lobo, listet beispielsweise Personen auf, die für „Vorstands- oder Aufsichtsratsfunktionen“ tauglich sind. Darunter sind mit Hildegund Amanshauser die Direktorin der Internationalen Sommerakademie in Salzburg, mit Veronica Kaup-Hasler die Intendantin des Festivals „steirischer herbst“, mit Kathrin Rhomberg die bekannte Kuratorin und ehemalige Leiterin der Berlin Berlinale, mit Georg Schöllhammer der Herausgeber der Kunsthefte „springerin“ oder mit Stephan Schmidt-Wulffen der Rektor der Design-Universität in St. Pölten. Auch was die Organisation betrifft, wollen die Grünen konkret mitreden und ihre „Vorstellungen für den Statutenentwurf“ einbringen oder durchsetzen.

Die Gründung einer gemeinnützigen Kunsthallen-GmbH im Eigentum der Stadt Wien wurde nun vor rund zwei Wochen in die Wege geleitet.

Prüfungen im Gange

Seit Längerem schon läuft die Überprüfung der Vorwürfe, die unter anderem auch vom Grün-Abgeordneten Wolfgang Zinggl gegen den bis
31. März dienstfrei gestellten Direktor Gerald Matt erhoben wurden. Vorangegangene und zeitlich vergleichsweise eng beieinanderliegende Prüfungen hatten wirtschaftliche Vergehen an der Kunsthalle Wien nicht bestätigt. Ein weiterer, brandneuer Prüfbericht soll in den nächsten Tagen vorliegen.

Mitarbeiter vernommen

Fest steht zudem, dass bereits mehrere Mitarbeiter und ehemalige Mitarbeiter der Kunsthalle vor allem in Sachen Spesen- oder Honorarabrechnungen einvernommen wurden. Skurril in diesem Zusammenhang ist, dass es schriftliche Unterlagen der Staatsanwaltschaft gibt, in denen die Mitarbeiter der Kunsthalle von Seiten einer klagenden Partei, also der Grünen, hinsichtlich ihrer freiwilligen oder nicht freiwilligen Aussagebereitschaft eingestuft werden.
Die Staatsanwaltschaft beschäftigt sich bekanntermaßen auch in anderer Richtung mit der Kunsthalle Wien. Diese hat, wie berichtet, bereits vor einigen Monaten Anzeige gegen den Grün-Abgeordneten Wolfgang Zinggl erstattet. Im Zuge der Ermittlungen wegen Datenklau und anderer Punkte wurde vor Kurzem die Aufhebung seiner Immunität beantragt. Diese Angelegenheit wird der Immunitätsausschuss Ende Februar behandeln.

Stichwort: Kunsthalle Wien

Die Kunsthalle Wien im Museumsquartier und am Karlsplatz ist ein Ort der internationalen zeitgenössischen Kunst und als Verein geführt. Präsident ist Thomas Häusle. Direktor Gerald Matt wurde vom 1. Jänner bis 31. März 2012 dienstfrei gestellt. Die interimistische Geschäftsführung wurde von Franz Patay, Geschäftsführer im Kunsthaus Wien, übernommen. Im Vorjahr wurden über 40 Ausstellungsprojekte realisiert und rund 170.000 Besucher gezählt, was einem Rekordwert gleichkommt. Die Subventionen betragen knapp 4 Millionen Euro.

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