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"Gruber geht", und zwar steil bergauf

Frankfurt, Schwarzach -  Die Vorarlberger Schriftstellerin und Kolumnistin Doris Knecht ist für den Deutschen Buchpreis nominiert.

„Ich habe nicht gedacht, dass man mit dem allerersten Roman überhaupt nominiert werden kann“, zeigte sich Doris Knecht gestern im Gespräch mit den VN „sehr überrascht“ über die Aufnahme ihres Buches „Gruber geht“ in die „Longlist“ für den Deutschen Buchpreis. Im Klartext heißt das, dass das erste rein belletristische Werk der aus Vorarlberg stammenden Schriftstellerin, Journalistin und Kolumnistin eines der zwanzig besten Bücher des Jahres ist.

Die Jury habe sich bemüht, die große Bandbreite der deutschen Gegenwartsliteratur zu zeigen, erklärte Sprecherin Maike Albath die Platzierungen. 173 Titel wurden von 106 Verlagen eingereicht, die Jury selbst hat die Zahl dann noch auf knapp 200 erhöht und schließlich durch zehn geteilt. Wer auf der „Longlist“ vertreten ist, kann bereits mit erhöhter Aufmerksamkeit rechnen. Bis Mitte September steht die sechs Titel umfassende „Shortlist“, das beste deutschsprachige Werk des vergangenen Verlagsjahres wird zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse am 10. Oktober gekürt.

Drei Österreicher

Drei Österreicher haben eine Chance. „Gruber geht“, die Geschichte über den Mann, der sich selbst und einigen Frauen genügt, bis die Diagnose Krebs gestellt wird, wurde mit der Migrationsgeschichte „Verfahren“ des Oberösterreichers Ludwig Laherund „Die Schmerzmacherin“, einem brandneuen Roman der bekannten Wienerin Marlene Streeruwitz, in dem die Angestellte einer privaten Sicherheitsfirma im Mittelpunkt steht, ins Rennen geschickt. „Vom nüchternen Protokoll über einen farbenfrohen Realismus bis zu impressionistischen Momentaufnahmen ist alles vertreten. Die Wirklichkeitsausschnitte reichen von der Frankfurter Innenstadt bis nach Schweden und in den Iran“, rühmt sich die Jury.

 Etliche bekannte Namen der Bestellerlisten-Szene sind leicht herauszufiltern. So stehen u. a. „Léon und Louise“ von Alex Capus, „Wenn wir Tiere wären“ von Wilhelm Genazinound „Dein Name“ von Navid Kermani ebenso zur Auswahl wie „Blumenberg“ von Sibylle Lewitscharoff, Klaus Modicks „Sunset“ oder „Sturz der Tage in die Nacht“ von Antje RávicStrubel. Es dürfte spannend werden. Für Doris Knecht steht nun absolut fest, was ihr eine Reihe von Kritikern bereits attestiert hat – die Kolumnistin hat den Einzug in den Bereich der Literatur geschafft. (Ein Aspekt übrigens, der für sie selbst von besonderer Bedeutung ist, schreibt sie doch bereits am zweiten Roman.) Wobei Vorarlberg in Sachen Deutscher Buchpreis bestens abschneidet: Als er vor sechs Jahren zum ersten Mal ausgelobt wurde, war Arno Geiger bereits ein bekannter Schriftsteller, und nachdem er mit „Es geht uns gut“ zum ersten Träger dieser Auszeichnung gekürt worden war, ging die Post ab.

Es folgten Lesereisen, zahlreiche Übersetzungen in andere Sprachen und die Bearbeitung des Romans für die Bühne am Wiener Schauspielhaus. Nach „Alles über Sally“, dem Werk nach „Es geht uns gut“, ist Arno Geiger nun seit Monaten mit „Der alte König in seinem Exil“ in den Bestsellerlisten. Zwei Jahre nach Geiger kam Michael Köhlmeier mit dem Jahrhundertroman „Abendland“ bis ins Finale, also auf die „Shortlist“, später schaffte es sein Buch „Madalyn“ in die „Longlist“.

Zur Person

Doris Knecht Geboren: 1966 in Rankweil

Beruf: Journalistin und Schriftstellerin

Laufbahn: u. a. stellvertretende Chefredakteurin des Stadtmagazins Falter, schreibt u. a. Kolumnen für den Schweizer Tages-Anzeiger, für den Kurier in Wien und in den VN

Bücher: „Gruber geht“ (rowohlt), „Gut, ihr habt gewonnen: Neue Geschichten vom Leben unter Kindern“, „Darf‘s sonst noch was sein?“, „So geht das! – Wie man fidel verspießert“, (Czernin)

Wohnort: u. a. Wien

VN

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