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Größter Autobauer ist nach 101 Jahren pleite

Der einst größte Autobauer der Welt, General Motors, ist 101 Jahre nach seiner Firmengründung pleite. Das Unternehmen beantragte am Montag Gläubigerschutz nach Chapter 11. Es ist der größte Bankrott in der Geschichte der US-Industrie.

Jetzt übernimmt der Staat die Mehrheit an dem taumelnden Industriegiganten. Dem Vernehmen nach sollen der Umstrukturierung rund 21.000 Arbeitsplätze bei GM zum Opfer fallen, das ist rund ein Drittel der Belegschaft.

US-Präsident Barack Obama will GM mit weiteren 30 Milliarden Dollar (21,1 Mrd. Euro) schnell wieder auf die Beine helfen. Die US-Regierung soll 60 Prozent der Anteile von GM übernehmen, wie Obama bekanntgab. GM hat bisher bereits fast 20 Milliarden Dollar Staatshilfe von Washington erhalten. Kanada will 9,5 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen. Obama dankte den Regierungen in Kanada und Deutschland für ihre Mitwirkung an der Entwicklung des Plans für die Reorganisation von GM.

Obama sicherte zu, dass sich seine Regierung aus den geschäftlichen Entscheidungen bei GM weitestgehend heraushalten werde. Ein Kollaps von GeneralMotors wäre “verheerend” gewesen, sagte der Präsident. Der vorgelegte Restrukturierungsplan sei aber brauchbar und realisierbar und werde GM auf dem Weg zu neuer Rentabilität helfen.

GM-Chef Fritz Henderson richtet nach dem schwärzesten Tag in der Firmengeschichte den Blick nach vorn. Das Abkommen mit dem US-Finanzministerium und der kanadischen Regierung werde GM “schlanker, schneller, kunden- und produktorientierter”, sagte er. “Dieses neue GM wird aus den stärksten Bereichen unseres Geschäfts aufgebaut, mit unseren besten Marken und Produkten.”

GM erwartet, dass das Insolvenzverfahren 60 bis 90 Tage dauern wird. Nach erfolgreichem Abschluss wird der Konzern weniger Mitarbeiter, weniger Werke und ein zurechtgestutztes Händlernetz haben. Wie das Unternehmen bekanntgab, sollen neun weitere Produktionsstätten geschlossen und drei weitere fürs erste stillgelegt werden. 1979 hatte GeneralMotors 618.000 Amerikaner beschäftigt, mehr als jedes andere Unternehmen in den USA.

Wie aus informierten Kreisen zu erfahren war, übernimmt die kanadische Regierung 12,5 Prozent von GM. 17,5 Prozent sollen an eine Gewerkschafts-Treuhandgesellschaft für Gesundheitskosten gehen; die bisherigen Gläubiger sollen zunächst 10 Prozent erhalten mit der Option, ihren Anteil auf bis zu 25 Prozent zu erhöhen. Die Regierung rechnet den Kreisen zufolge mit einer Dauer von 60 bis 90 Tagen, bis der juristische Prozess für die Restrukturierung von GM abgeschlossen ist. GM hat nach eigenen Angaben Schulden von 172,81 Milliarden Dollar, dem stehen Vermögenswerte von 82,29 Milliarden Dollar gegenüber.

Die Federführung für die Umstrukturierung soll Al Koch übernehmen, wie es weiter hieß. Koch, ein leitender Direktor der Beraterfirma AlixPartners LLP, gilt als erfahrener Krisenmanager, der bereits die amerikanische Handelskette Kmart nach ihrer Insolvenz erfolgreich reorganisierte.

Am Sonntag hatte der GM-Konzern eine Einigung mit der Mehrheit seiner Gläubiger zur Annahme eines Beteiligungsangebots erzielt. Mindestens 54 Prozent nähmen das Angebot an, 27 Milliarden Dollar Schulden gegen einen Anteil von 10 Prozent an einem neu strukturierten Unternehmen umzutauschen, hieß es.

Dazu wird die Option auf weitere 15 Prozent garantiert, was in einem früheren und von den Gläubigern abgelehnten Angebot der US-Regierung nicht der Fall war. Das Finanzministerium begrüßte die Entscheidung. Die Mehrheit reiche aus, um die Restrukturierung des Unternehmens voranzutreiben.

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