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"Großer Traum"

Am Samstag hat für Patrick Friesacher der große Traum begonnen. Mittags enterte er die Malaysian zu seinem ersten Flug nach Australien, wo er am Sonntag das erste Formel-1-Rennen seines Lebens bestreiten wird.

Im Gepäck hatte der 24-jährige Neo-Minardi-Pilot die Superlizenz, eine neue Startnummer (20), viel Zuversicht und einen nagelneuen Helm mit silbernen Flammen auf blauem Grund und einem geheimnisvollen chinesischen Schriftzeichen. Sein Motto für Melbourne: „Durchfahren und Erfahrung sammeln. Und mit dem Team am Ende des Jahres vor Jordan sein!“

Das ist freilich eine hohe Latte. Nur 95 Test-Runden hat Friesacher im F1 absolviert. Minardi tritt im Melbourne-Park zudem mit einem vier Jahre alten Auto (in diesem machte Mark Webber vor drei Jahren auf Anhieb WM-Punkte) sowie dem um 60 PS schwächeren Vorjahres-Cosworth-Motor an und wird erst in Imola mit einem aktualisierten Boliden fahren können. Für Australien fehlt noch immer die Zustimmung von Ferrari, damit Minardi die alte Version überhaupt einsetzen kann. Der australische Teamchef Paul Stoddart hat aber angekündigt, notfalls unter Protest anzutreten. „Dass Stoddart beim Heimrennen nicht am Start ist, wäre nicht gut. Irgendwas wird passieren. Was, das sehen wir am Freitag im Qualifying“, so Friesacher.

Der Wolfsberger hat noch immer nicht ganz realisiert, dass er nun ein richtiger Formel-1-Pilot ist. Ins Cockpit gehievt hat ihn sein Talent und die – großteils österreichischen – Sponsoren. Thomas Frank, früher Manager des Ungarn Zsolt Baumgartner: „Ich bin froh, dass Patrick es geschafft hat. Von Geld spricht man in der Formel 1 zwar nicht, aber die Teams müssen beim Engagement eines Fahrers immer abwägen zwischen Geld und Talent. Und Patrick hat so viel Talent, dass er sicher weniger Mitgift bringen musste als Andere.“

Friesacher hat einen Einjahresvertrag mit Minardi inklusive Option auf drei weitere Jahre. Laut Manager Frank hat Stoddart aber mündlich zugesagt, einem eventuellen Aufstieg des Österreichers nicht im Weg stehen zu wollen. Friesacher: „Minardi ist das ideale Team, um in die Formel 1 einzusteigen. Die Atmosphäre ist familiär, ich wurde mit offenen Armen empfangen.“

In Australien trifft Friesacher auch auf Red-Bull-Pilot Christian Klien und damit seinen Ex-Kollegen im Junior-Team. Wenn Träume wahr geworden sind, ist Eifersucht aber fehl am Platz. „Wir hatten bei Red Bull eine coole Zeit. Wir verstehen uns nach wie vor gut, auch wenn wir uns zuletzt wenig gesehen haben.“

Friesacher wird nicht mit der Nummer 21, sondern mit der 20 in die längste Formel-1-WM aller Zeiten (19 Rennen) gehen. Der niederländische Teamkollege Christijan Albers, den Friesacher beim Test auf Anhieb im Griff hatte, wollte unbedingt die 21. „Das passt mir gut, ich wollte ohnehin nicht als Letzter starten“, so Friesacher.

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