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Große Feier - "100 Jahre ÖFB"

"Herbert, Du bist’s!" Diese Worte rief Laudator Franz Beckenbauer am Dienstagabend Herbert Prohaska zu, als er das Kuvert öffnete und den Namen von Österreichs "Fußballer des Jahreshunderts" bekannt gab.

Die Ehrung von „Schneckerl“, der die Telefon-Stichwahl während der ORF-Live-Übertragung vor Hans Krankl gewann, war Höhepunkt und Abschluss von „Sound of Football“, der von vielen Prominenten besuchten Geburtstagsparty anlässlich des 100 Jahr-Jubiläums des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) in der Wiener Staatsoper.

Krankl gab sich als fairer Verlierer und applaudierte ebenso wie die über 1.200 Festgäste. „Jetzt brauchst du dir 100 Jahre keine Gedanken zu machen, wer dein Nachfolger wird“, meinte Kollege Beckenbauer, der in Deutschland „Spieler des Jahrhunderts“ ist. Prohaska, der vorher zugegeben hatte, sehr nervös gewesen zu sein, freute sich über diese persönliche Auszeichnung, die für ihn als Fußballer das Größte sei. „Ich habe immer davon geträumt, Weltmeister oder mit der Austria Europacup-Sieger zu werden. Aber davon habe ich nie geträumt“, sagte der Ex-Internationale, der am 8. August 49 Jahre alt geworden war und in 83 Länderspielen zehn Tore für Österreich erzielt hatte.

Zum „Trainer des Jahrhunderts“ wurde der unvergessliche Ernst Happel posthum geehrt. Die Trophäe überreichte UEFA-Präsident Lennart Johansson an die Enkel des am 14. November 1992 verstorbenen „Wödmasta“, Christina und Philip. Johansson, der dem österreichischen Fußball für die Zukunft viel Erfolg wünschte, über Happel: „Er hat nicht viel geredet, aber er war ein großer Spieler und großer Trainer.“ FIFA-Chef Joseph S. Blatter zeichnete Andreas Ivanschitz als „herausragendes Talent und Gewinner des Römer 2003/04“ aus. Der Burgenländer bedankte sich mit den Worten: „Es ist eine große Ehre von so einem großen Mann geehrt zu werden.“

Und dann fügte der aktuelle und jüngste Team-Kapitän aller ÖFB-Zeiten noch hinzu, dass der Award für ihn auch Ansporn sei, an seinen Schwächen zu arbeiten und seine Stärken zu verbessern. Blatter, der Ivanschitz bei der Überreichung als Shooting-Star des deutschen Fußballs tituliert und damit für Heiterkeit gesorgt hatte, gefiel dieser Satz und replizierte: „Fußball ist eine Schule fürs Leben.“ Im Hinblick auf die gemeinsame EM 2008 meinte der Schweizer: „Mein Herz schlägt auch für Österreich, ich werde euren Fußball jetzt noch aufmerksamer verfolgen.“

Die Laudatio für Rekord-Teamtorschützen Anton Polster (44 Treffer in 95 Länderspielen) hielt der Franzose Michel Platini („Der Toni war 15 Jahre der rot-weiß-rote Fahnenträger schlechthin“), jene für den Rekord-Teamspieler Andreas Herzog (103 Länderspiele/26 Tore) ÖFB-Präsident Friedrich Stickler. „Golster“, der im weißen Anzug erschienen war, nahm die Ehrung „stellvertretend für seine Mitspieler, ohne die ich nichts hätte erreichen können“, entgegeben. Und er hoffte am Mittwoch im Happel-Stadion gegen Deutschland „wieder ganz stolz auf seine Heimat“ zu sein.

Für den in Los Angeles weilenden Herzog nahm dessen Vater Anton, der vom Moderator als Vater Anton Polster auf die Bühne gerufen worden war, die Trophäe in Empfang. Herzog Senior über Herzog Junior: „Andi hat nie den Boden unter den Füßen verloren.“ Der Galaxy-Legionär meldete sich mit einer Grußbotschaft via ORF-Video und sagte: „Ich hätte mir nie zugetraut, dass ich einmal der erster Österreicher mit über 100 Länderspielen werde.“ Etwas traurig war er nur, dass er nicht zum Abschluss seiner Karriere gegen Deutschland, wo er neuneinhalb Jahre gekickt hatte, kommen konnte. Der Klub ging in diesem Fall vor.

Bundespräsident Heinz Fischer, der mit seinem deutschen Amtskollegen Horst Köhler gekommen war, bekannte sich in seiner Festrede zum Fußball, mahnte aber auch, dass der Patriotismus nie zum Chauvinismus werden dürfe. „Früher habe ich die Aufstellungen von Rapid und Austria besser gewusst als die Latein-Vokabeln. Das kein Spiel dem anderen gleicht, das ist stets faszinierend“, sagte der Politiker, der hie und da selbst noch gegen den Ball tritt. Stickler, Chef des größten Sportverbandes Österreichs, appelliert in Hinblick auf die EM 2008: „Wir, die Bundesliga, die Vereine, müssen zusammenhalten, um wieder an die Spitze zu kommen.“

Nach dem dritten WM-Platz 1954 und insgesamt sieben WM-Teilnahmen (Siebenter 1978) wünschte sich der ÖFB-Chef, dass aus den Nachwuchsprojekten junge Teamspieler hervortreten, dass Fußball-Begeisterung entsteht und dass man in vier Jahren eine Veranstaltung der Superlative auf die Beine stellt. Und das alles unter dem Motto des Happel-Zitats: „Jeder Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag.“ Für den musikalischen Rahmen in der Oper mit einer Reise in die Vergangenheit und in die Zukunft sorgten die Wiener Sängerknaben, der russische Star-Tenor Sergej Najda, der belgische Schlager- und Operetten-Star Helmut Lotti und der italienische Blues- und Rock-Meister Zucchero.

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