"Götzi": Stecknadel im Heuhaufen

Der älteste menschliche Skelettteil, der auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Vorarlberg gefunden wurde, ist rund 9500 Jahre alt.

Der Überrest eines Kindes aus der Mittelsteinzeit lagerte nach bereits vor Jahrzehnten vorgenommenen Ausgrabungen im Landesmuseum. Nach einer Untersuchung an der Universität Innsbruck konnte das Alter fixiert werden – die Sensation war perfekt.

Naturgegeben kümmert es Gerhard Grabher wenig, dass ein eigentlich auf dem Gemeindegebiet von Koblach ausgegrabenes menschliches Fossil nun „Götzi“ heißt (nach dem berühmten Similaun-Mann und einer weiteren Kummenberggemeinde), ihn fasziniert die Sache an sich. Jahrelang herumzubuddeln und dabei nur kleine, manchmal unscheinbar wirkende Dinge zu finden, sei das eine, daraus ein Geschichtsbild zu formen, das andere.

Dass es bereits in der Mittelsteinzeit menschliche Ansiedlungen am Kummenberg gab, war auf Grund von Werkzeugfunden bekannt, die Knochenfunde liefern eine konkrete Bestätigung und sind hinsichtlich der Erforschung von Bestattungsriten interessant. Dass Knochenfunde noch weiter zurückdatiert werden können, schließt Grabher mehr oder weniger aus. Es sei ohnehin oft eine Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Untersucht sind noch viele nicht. Da spiele aber auch der Kostenfaktor eine Rolle.

Göttin Artemis

Grabher, der seit knapp 20 Jahren als Archäologe am Landesmuseum tätig ist, weiß dass es auch noch Tonnen von Römermaterial gibt. Dass im Montafon schon in der Bronzezeit, also etwa 800 v. Chr., Menschen wohnten, haben Funde ergeben, die erst vor wenigen Jahren gesichert wurden. Das Geschichtsbild von Vorarlberg ist also stets in Bewegung. Grabher: „Die absolute Wahrheit gibt es nicht, oft wird aber durch einen Zufall das Bild entscheidend korrigiert.“

Neugierde hat Gerhard Grabhers Berufsentscheidung gefestigt. Und schließlich war da noch Göttin Artemis. Als Student durfte er nämlich an Ausgrabungen in Ephesos teilnehmen. Einer der frühesten griechischen Tempel wurde entdeckt. Göttin Artemis hütete wahre Schätze.

Das Vorarlberger Landesmuseum und die „Vorarlberger Nachrichten“ laden am Montag, 1. Mai, 9 bis 17 Uhr, zu einem Tag der offenen Tür ins Landesmuseum in Bregenz. Bei freiem Eintritt sind die Knochenfunde in der Kummenbergregion (und damit der Skelettrest des ältesten, nämlich rund 9500 Jahre alten Vorarlbergers) erstmals zu sehen. Mag. Gerhard Grabher steht für Auskünfte zur Verfügung.

ZUR PERSON

Gerhard Grabher

  • Beruf: Archäologe
  • Geboren: 15. September 1961
  • Familie: verheiratet
  • Ausbildung: Studium Archäologie und Altertumskunde in Innsbruck
  • Laufbahn: zuständig für die Abteilung Archäologie im VLM
  • Wohnort: Lustenau
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