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Goldener Löwe für David Lynch

David Lynch, der an diesem Mittwoch beim Filmfestival in Venedig den Goldenen Löwen für sein Gesamtwerk erhält, gilt als "Spezialist für das Abseitige".

Sex, Gewalt und die bizarren Abgründe hinter idyllischer Kleinbürgerfassade – das sind seine großen Themen. „Ich verstehe nicht, warum die Leute erwarten, dass ein Kunstwerk einen Sinn hat“, sagte der heute 60-Jährige einmal. „Schließlich akzeptieren sie, dass das Leben keinen Sinn macht.“

Schon mit seinem Debütfilm „Eraserhead“ (1977) schockierte der Filmstudent mit Horrorszenen und surrealen Bildern. Eigentlich war der Ekel-Streifen als „Underground“-Film geplant, für die kleine, aber feine Kunstgemeinde. Doch dann geriet der Horror in viele normale Kinos – und wurde zum Erfolg. Drei Jahre später kam der internationale Durchbruch: „The Elephant Man“©über einen fürchterlich verunstalteten Mann, der im viktorianischen England als Jahrmarkts- Attraktion vermarktet wird. Um den Gruseleffekt zu erhöhen, wurde in schwarz-weiß gedreht. Es gab acht Oscar-Nominierungen.

„Mich interessieren Leute, die in Gefahr, in der Dunkelheit und in Verwirrung sind“, sagt Lynch über seine Figuren, die vor einem Szenario von Gewalt, Voyeurismus, Perversion und Obszönität agieren. Etwa in „Blue Velvet“ (1986) oder „Wild at Heart“ (1990). „Blue Velvet“ mit Isabella Rossellini als missbrauchte Nachtclub-Sängerin, wurde schnell zum Kultklassiker. Eine langsame Kamerafahrt in ein abgeschnittenes Ohr auf einer Wiese galt damals als cineastisches Highlight – gab aber nur den Vorgeschmack für Lynchs noch folgende Gewaltvisionen. „Off Mainstream-Cinema“ nannte man das damals.

Für das brutale Road-Movie „Wild at Heart“ bekam der Amerikaner 1990 die „Goldene Palme“ beim Festival in Cannes. Kritiker sprachen von einer Mischung aus Rock’n’Roll-Epos, Sex and Crime, aber das Echo war geteilt. Einige lobten die „neue Ästhetik“, andere sahen das Werk als „widerwärtige Melange von Brutalität und Sentimentalität“. Ein Erfolg war der Streifen allemal.

Seinen folgenden Thriller „Lost Highway“ über einen schizophrenen Killer unterlegte Lynch mit zwei Songs der deutschen Hard-Rock-Band Rammstein, die er zu seinen Lieblingsmusikern zählt. Mit „The Straight Story“ (1999) schuf Lynch seinen vermutlich „normalsten“ Film, der eine einfache, klare Geschichte erzählt. Ein alter Mann fährt auf einem Rasenmäher-Trecker wochenlang durch den Mittleren Westen, um seinen Bruder zu besuchen.

2001 brillierte Lynch noch einmal mit „Mulholland Drive“, holte sich ein weiteres Mal den Regie-Preis bei den Filmfestspielen in Cannes. In dem Horrorthriller scheinen Realität und Traum zu verschwimmen, für den Zuschauer bleibt die Story undurchschaubar, rätselhaft, beklemmend.

Normale Filme wollte der Mann, der privat nach indischer Lehre meditiert und eine Stiftung für „Bewusstseins-basierende Lehre und Weltfrieden“ gründete, eben niemals drehen. „Ich möchte Filme machen, die nicht im Flugzeug gezeigt werden können“, sagte er unlängst.“ Das ist ihm bisher gelungen. In Venedig zeigt er seinen neuen Streifen „Inland Empire“ mit Laura Dern und Jeremy Irons. „Eine mysteriöse Geschichte“, heißt es.

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