Günter Lampert im "VN"-Interview

Krise bietet auch der Politik Chance zur Neubesinnung, betont Lampert.

VN: Herr Lampert, Sie gelten als einer jener Politiker, der unermüdlich großes Engagement für sozial Schwächere an den Tag legt. Woher nehmen Sie die Kraft dafür?

Lampert: In hohem Ausmaß von meiner Familie sowie aus der Geborgenheit in meinem sozialen und freundschaftlichen Umfeld. Mein Lebensthema Jugend- und Sozialpolitik hat mich nie losgelassen. Ich sehe es daher als persönliche Verpflichtung, Erfahrungen, die ich in 30 Jahren im gemeinnützigen Wohnbau, im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, in der Jugend- und in der Sozialpolitik machen durfte, so lange wie möglich weiterzugeben und aktiv für die Gemeinschaft einzubringen. Unterm Strich hält persönliches soziales Engagement einem lebendig.

VN: Ihr Wille zum Konsens ist seit jeher ausgeprägt. War es dieser Wille, der Ihnen beispielsweise dabei half, 24 Gemeinden des Bezirkes Feldkirch unter einen Hut zu bringen und die Arbeitsinitiative Feldkirch zu gründen?

Lampert: Grundlage für diesen bisher in Österreich einzigartigen Zusammenschluss aller Gemeinden eines Bezirkes von A (Alt­ach) bis Z (Zwischenwasser) war in erster Linie die positiven Erfahrungen des von der Stadt Feldkirch 1983 initiierten Projektes „Arbeit während der Arbeitssuche“. Zweifelsohne hat die gute Gesprächsbasis zu den Mandataren in den Gemeinden die Idee entscheidend unterstützt. Regionale Verantwortung, regionale Solidarität wurde die Grundlage im Kampf gegen die Langzeitarbeitslosigkeit.

VN: Sie hatten teilweise mit massiver Kritik aus den Reihen der eigenen Partei zu kämpfen. Vor allem als es darum ging, die Drogenberatungsstelle H.I.O.B. aus der Taufe zu heben. Wie kamen Sie damit zurecht?

Lampert: Feldkirch hatte am Beginn der Neunziger enorme Probleme mit der offenen Drogenszene. Fast jede Woche starb ein junger Mensch an Drogenmissbrauch. In dieser Situation gab es für mich nur eines: diese Anlaufstelle zu realisieren oder die politischen Konsequenzen zu ziehen.

VN: Welche politische Fehlentscheidung hat Sie in Ihrer politischen Laufbahn am meisten persönlich betroffen gemacht?

Lampert: Die ununterbrochenen Anstrengungen des Bundes, die Länder in ihrer Eigenständigkeit einzugrenzen und Aufgaben zentral aus Wien wahrzunehmen. Als besonders negatives Beispiel möchte ich die Zerschlagung einer eigenen Behörde im Land für eine bestens funktionierende Finanz- und Zollverwaltung nennen, die Finanzlandesdirektion in Feldkirch.

VN: Welche Wegbegleiter haben sie während ihrer Tätigkeit im ehrenamtlichen Bereich geprägt oder sind ihre Vorbilder?

Lampert: Die Arbeit, die Maria Summer bis an ihr Lebensende für sprachgestörte Kinder geleistet hat und das Engagement des Feldkircher Jesuitenpaters Georg Sporschill, der sich für Straßenkinder und verwahrloste Jugendliche in Osteuropa stark macht. Das sind für mich besonders große Vorbilder. Grundsätzlich möchte ich aber festhalten: In unserem Land gibt es unzählige Vorbilder.

VN: Gibt es rückblickend ein Erlebnis während Ihres Eintretens für die Schwächeren das ganz besonders bewegt hat?

Lampert: Während meiner langjährigen Arbeit gab es viele besondere, tiefgehende und bleibende Erlebnisse. Ein ganz besonderes war jedoch die Eröffnung der Drogenberatungs- und Hilfe­stelle H.I.O.B. in Feldkirch.

VN: Wie kann Ihrer Meinung nach der Politik(er)verdrossenheit gegengesteuert werden?

Lampert: An erster Stelle möchte ich an junge Menschen appellieren, sich für aktive Mitarbeit in den Gemeinden zu interessieren. Es ist eine begeisternde und großartige Aufgabe im eigenen Lebensraum mitgestalten zu können. Die Politik hat im Werben um Stimmen leider immer mehr versprochen, als finanziell zu leisten war. Das hat sicher auch zu dieser Entwicklung beigetragen. In der aktuellen Krise sehe ich jedoch eine Chance zur Neubesinnung in Fragen der Politik.

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