Globe-Theater feiert Shakespeares 400. Todestag

Globe Theater als Shakerpeare-Tempel
Globe Theater als Shakerpeare-Tempel
London-Touristen betrachten das Globe Theater mitunter als eine Art Shakespeare-Tempel. Holzbänke, plus Stehplätze direkt vor der Bühne, das Gebäude nur teilweise überdacht - alles wie vor 400 Jahren, als Shakespeare am 23. April verstorben ist. Alles auch ein bisschen Nostalgie-Ecke, Heiligtum für Shakespeare-Pilgerer. Funktioniert so Theater?


Dabei versteht sich die Truppe als Welttheater im wahrsten Sinne des Wortes. “Globe to globe”, heißt ihr Unternehmen. “Eine Zwei-Jahres-Tour in jedes Land der Welt.” Die Truppe spielte am Ende der Welt, in einer Schule in Hargeisa etwa, einer Stadt in Somaliland, im Norden Somalias. Oder in Bhutan oder in Khartum. Gespielt wird immer wieder “Hamlet”, dieses Meisterwerk über Intrigen, Macht und Tod.  

Gab es jemals eine ähnliche Mammut-Tour einer Theatertruppe? Aber schließlich vertritt das Globe die Weltmarke Shakespeare, es geht um Weltliteratur im besten Sinne. Bald ist die Tour um den Globus zu Ende, der Schlussakkord ist in London – am 23. April, dem 400. Todestag des Dichters.  

Der Führer, der die Touristen durchs Theater lotst, blickt natürlich gerne zurück. Der Mann könnte selbst einem Shakespeare-Drama entsprungen sein, so spannend macht er seine Rede. Ob das 1997 wieder errichtete Globe wirklich genau so aussieht wie vor 400 Jahren? “Well”, beginnt der Touristenguide, holt tief Luft, entschließt sich zur Ehrlichkeit. “Wir wissen es nicht, es gibt einfach keine Dokumente.” Doch fest stehe, 3.000 Leute passten damals ins Theater, allein 1.000 standen vor der Bühne im Freien, das kostete damals einen Penny, für die bessere Gesellschaft gab es Logen, “damit sie gesehen werden konnten”.  

Es ging hoch her im Theater damals, das war kein Hochamt für Bildungsbürger, es ging um Geschäft und Unterhaltung, nicht zufällig war Shakespeare Teilhaber im Globe – Autor, Schauspieler und Geschäftsmann in einer Person. Seine Stücke mussten gefallen, erschrecken, berauschen. Ob “Hamlet”, “Macbeth” oder “Romeo und Julia”, das waren saftige und schockierende Dramen aus dem prallen Leben. Standardthema: Liebe, Macht und Machtmissbrauch. Eines der ersten Stücke im Globe soll “Julius Cäsar” gewesen sein.

Überhaupt, London war damals geradezu Theater-verrückt. Die Stadt hatte seinerzeit 200.000 Einwohner, “es ist wahrscheinlich, dass über ein Drittel der erwachsenen Einwohner Londons im Durchschnitt ein Theaterstück im Monat gesehen haben”, schreibt der Shakespeare-Autor James Shapiro.

Die Stücke wurden täglich gewechselt, gespielt wurde am Nachmittag. Manche Historiker fragen sich, wie die Leute den Theaterbesuch mit ihrer Arbeit verbinden konnten. “Irgendwie haben sie es geschafft”, schreibt Shakespeare-Experte Bill Bryson.

Noch heute – das Globe ist einzigartig. “Der Dialog zwischen der Bühne und dem Publikum ist das, was mich an dem Job gereizt hat”, verrät Emma Rice, die neue Globe Direktorin, dem “Guardian”. Von allzu viel Nostalgie will sie nichts wissen, auch von einer reinen Tourismus-Falle hält sie nichts. Sie wolle eine junges, abenteuerlustiges Publikum, das ins Theater geht, “um einen gelungenen Abend zu haben”. Samt “Geheimnissen und Zauberei”, versteht sich. So etwa wie vor 400 Jahren.

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