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Gitarrengott Hendrix wäre 65 Jahre alt

Das Bild ist legendär: Auf dem Pop-Festival im kalifornischen Monterey lässt Jimi Hendrix seine Gitarre vor Zehntausenden von Fans in Flammen aufgehen.

Sein furioser Auftritt macht den farbigen Musiker auf einen Schlag zum Idol der amerikanischen Hippie-Bewegung: Die überwiegend weißen Blumenkinder sehen ihn als Inbegriff für Auflehnung, Protest und Kriegskritik. Doch in Wirklichkeit ist Jimi Hendrix vor allem ein genialer Gitarrenspieler – vielleicht der größte aller Zeiten. Er starb am 18. September 1970 mit nur 27 Jahren. Am 27. November wäre er 65 Jahre alt geworden. Um den Tod des Ausnahmekünstlers ranken sich bis heute Gerüchte. Seine deutsche Freundin Monika Dannemann, die 1996 den Freitod wählte, geriet in Verdacht, damals zu spät Hilfe geholt zu haben. Sogar Mordthesen waren in Umlauf und natürlich Spekulationen über einen „Goldenen Schuss“. Allen Anzeichen zufolge aber ist der Mann, der als wilder Hurrican über die Bühnen der Welt fegte, einen kleinen, elenden und zufälligen Tod gestorben. Nach einer Flasche Wein und neun möglicherweise versehentlich zu hoch dosierten Schlaftabletten erstickte er an seinem eigenen Erbrochenen. Für seinen kometenhaften Aufstieg blieben Jimi Hendrix damit gerade vier Jahre Zeit. 1966 hatte der frühere Bassist Charles „Chaz“ Chandler den nach einigen mühsamen Tingle-Jahren in Amerika noch weitgehend unbekannten US-Musiker James Marshal Hendrix ins „Swinging London“ verfrachtet – er sollte unter dem im Flugzeug neu erfundenen Namen Jimi in Großbritannien etablierten Stars wie den Rolling Stones und The Who Paroli bieten.

Zusammen mit dem Bassisten Noel Redding und dem Schlagzeuger Mitch Mitchell entsteht das Trio The Jimi Hendrix Experience. Schon das Debütalbum „Are You Experienced?“ (1967) bringt den Durchbruch. Die Virtuosität des genialen Linkshänders auf seiner Gitarre, seine Vielseitigkeit und musikalische Kreativität machen ihn aus dem Stand zum Superstar. Es ist eine rasante Mischung aus Soul, Blues und Rock – und doch etwas ganz Neues.

Das Publikum liebt besonders die Auftritte auf der Bühne. Wie Hendrix da, fetzig durchgestylt, die toupierten Haare kunstvoll von einem Stirnband gehalten, mit Fingern, Lippen und Zähnen sein Instrument bearbeitet, es reitet, zum Liebesobjekt macht und am Schluss oft zerstört – das hat noch kein Künstler vor ihm gemacht. Der 100-Watt-Vollröhrenverstärker an seiner Stratocaster bleibt fast immer aufgedreht. „Der Glaube kommt zu den Leuten durch Elektrizität“, sagt er. „Darum spielen wir so laut. Wir wollen, dass unser Sound direkt die Seele der Menschen trifft.“

Hendrix absolviert erst in Europa, nach seinem Durchbruch bei dem Monterey-Festival auch in den USA©ein atemberaubendes Tourneeprogramm, einmal sind es 60 Auftritte in zwei Monaten. Daneben entstehen in schier endloser Feinarbeit seine beiden anderen Studio-Alben „Axis: Bold As Love“ (1967) und „Electric Ladyland“ (1968). Aber der Ruhm fordert seinen Tribut. Als Kind in Seattle (US- Bundesstaat Washington) in einer zerrütteten Ehe aufgewachsen und immer wieder abgeschoben, hält Hendrix dem Druck des Erfolgs nur schwer stand. Immer wieder greift er zu Rauschmitteln, trinkt und nimmt Medikamente.

Vor allem aber wird ihm sein eigenes Image zum Korsett. Während er selbst in seiner Musik weitergehen will, den Blues „vom Mississippi zur Venus“ treiben, fordert sein Publikum immer wieder die Neuauflage der wilden Show, mit der sein Ruf einst gezielt vermarktet wurde. Hendrix überwirft sich mit seinem Manager und den Bandkollegen. Beim Woodstock-Festival im August 1969 tritt er mit einer neuen Formation an, landet aber gleichwohl nochmals einen Sensationserfolg. Seine legendäre Interpretation der US-Nationalhymne „Star Spangled Banner“ zementiert seinen Ruf als Anti-Kriegsheld, auch wenn er den Vietnamkrieg gar nicht so kritisch sieht.

Spätestens seit Anfang 1970 stellt sich eine Entfremdung zwischen dem Meister der Gitarre und seinen Fans ein. Der Künstler wirkt bei seinen Auftritten zunehmend lustlos, kommt zu spät oder sagt Termine ab. Eine Europatournee wird zum Desaster. Sein Bandkollege Billy Cox erleidet einen Zusammenbruch. Bei einem Konzert auf der Ostsee-Insel Fehmarn am 6. September 1970 wird Jimi Hendrix ausgepfiffen, weil er sich um einen Tag verspätet hat. Er spielt nur ein Stück und verlässt die Bühne. Es sollte sein letztes Konzert sein.

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