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"Gigantische Leistung"

Noch ehe am Samstag der alpine Herren-Slalom bzw. am Sonntag der 50-km-Langlauf der Herren mit Michail Botwinow in Szene ging, hat Dr. Leo Wallner am vorletzten Tag der XX. Olympischen Winterspiele in Turin und Umgebung Bilanz gezogen.

Der besten rot-weiß-roten Olympia-Bilanz aller Zeiten stand freilich die weltweit Aufsehen erregende Doping-Affäre als „großer Schatten“ gegenüber.

„Wir hatten noch nie so erfolgreiche Spiele wie diese, insbesondere mit den acht Goldmedaillen. Wir sind sehr glücklich darüber, dass unsere Sportlerinnen und Sportler derartige Erfolge erzielt haben“, freute sich Wallner und hob vor allem die drei Doppel-Olympiasieger Michaela Dorfmeister, Thomas Morgenstern und Felix Gottwald hervor. „Felix Gottwald ist überhaupt der große Held dieser Spiele und er hat schon sechs Medaillen.“ Gefreut hat sich der ÖOC-Präsident auch über das beste Abschneiden der alpinen Damen der Geschichte, die erste Goldmedaille überhaupt in der Nordischen Kombination (am Ende sogar zwei/Anm.), das erste Team-Gold der Skispringer und die erste Herren-Medaille im Snowboard.

Außerdem gäbe es auch sechs vierte Plätze, die zum Teil sehr knapp die Medaillenränge verpasst hätten. „Wir liegen zur Zeit auf dem dritten Platz hinter Deutschland und den USA und haben gleich viel Gold wie die USA. Wir werden wahrscheinlich auf jeden Fall um den vierten Platz herum bilanzieren, und das ist eine gigantische Leistung, die wir erzielt haben.“

Auch gesellschaftlich seien diese Spiele sehr erfolgreich, das Österreich-Haus ein voller Erfolg gewesen. Schon jetzt gibt es mit „Holz Austria“ eine Vereinbarung, dass es auch bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver wieder ein solches Haus geben wird. Die Lage in Sestriere sei „fast so schön“ wie jene in Athen gewesen, als das Haus mit Blick auf die Akropolis angemietet worden war.

Lobend zeigte sich IOC-Mitglied Wallner auch teilweise zur Organisation: „Die Pistenverhältnisse waren hier ganz exzellent. Die Italiener haben sich sehr bemüht, dass ist von der sportlichen Seite sehr gut gelungen. Über andere Momente möchte ich mich hier nicht äußern, es waren natürlich auch Schwächen dabei.“

Der große Minuspunkt dieser Spiele aus österreichischer Sicht waren freilich die Vorfälle, Razzien, Dopingverdächtigungen und verfrühten Abreisen rund um das Biathlon- und Langlauf-Lager der Österreicher. „Wir haben natürlich, leider Gottes, auch einen großen Schatten spüren müssen. Es ist durch einen Vorfall, der uns eigentlich nicht hätte berühren müssen, ein Fall eingetreten, dass eine Untersuchung begonnen wurde vom IOC bzw. den italienischen Behörden, die hier ein anderes Rechtsdenken haben.“ Man habe einen Fall gehabt, der auf die Spiele in Salt Lake City zurückreiche.

„Wir sind bei der Akkreditierung sehr vorsichtig vorgegangen und haben nur die akkreditiert, die hier zugelassen sind. Es sind sehr strenge Dopingkontrollen bei den Langläufern und den Biathleten durchgeführt worden. Glücklicherweise waren sie sehr streng, weil wir heute mit Fug und Recht behaupten können seit Freitagabend, dass kein wie immer gearteter Dopingfall bei uns gewesen ist. Darüber bin ich sehr glücklich, ich bedanke mich bei den Sportlerinnen und Sportler.“

Es sei ja auch Aufgabe des ÖOC diejenigen zu schützen, die die Medaillen gemacht haben, die aber nie im Verdacht gestanden seien. Der Schatten, den man zu tragen hatte, und über den man sicher nicht sehr glücklich gewesen sei, könne mittelfristig vielleicht sogar gewisse Vorteile haben, glaubt Wallner, der aber davon sprach, dass noch nicht alles ausgestanden ist. „Es sind noch die Untersuchungen der Carabinieri abzuwarten, was sie hier gefunden haben, wir kennen das Ergebnis noch nicht. Darum haben wir eine Kommission eingesetzt, die völlig unabhängig agiert.“

Man werde mit Augenmaß vorgehen, keine Hüftschüsse durchführen. Grundsätzlich gelte, dass man in Italien zu Gast war und sich sowohl an die Gesetze als auch an das IOC-Reglement halten müsse.

Zum Konflikt mit dem ÖSV blieb Wallner zurückhaltend diplomatisch: „Ich bin nicht verantwortlich, was der ÖSV tut. Ich bin sehr froh, dass der ÖSV eine derartig gute Organisation ist, dass wir so viele Medaillen machen können. Aber ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn irgendwo ein Keil hineingetragen wird, nicht vom ÖSV, sondern von Dritten. Wir machen es nicht, und es ist nicht meine Aufgabe, über den ÖSV zu urteilen. Unsere Aufgabe ist es, dass wir trachten, dass das IOC auch in Zukunft keine Beanstandungen hat. Wir sind für uns verantwortlich, aber nicht für die Verbände, die sehr wichtig sind.“

In Sachen „Krisenmanagement“ gab aber selbst Wallner zu, dass es Verbesserungsmöglichkeiten gibt: „Wir werden lernen müssen. Es ist etwas passiert, was wir nicht goutieren.“

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