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Gezähmter Widerspenstiger wieder einmal da

Jörg Haider ist zwar wieder einmal da, aber irgendwie anders. Das Rabaukentum scheint dem ehemaligen Widerspenstigen der österreichischen Politik weitgehend abhandengekommen zu sein.

Waren seine Reden zu Glanzzeiten als FPÖ-Chef noch gespickt mit Attacken und Untergriffen gegen Großparteien, Europapolitik, Ausländer und Ostküste, gibt sich der Jurist nun fast kuschelweich. Kein Wunder: Der BZÖ-Spitzenkandidat muss, wie auch die politische Konkurrenz, bei Themen wie Teuerung mit Lösungen punkten um im Nationalratswahlkampf zu bestehen.

Den Polit-Rebellen muss Haider gar nicht mehr geben. Viele Jahre als Kärntner Landeshauptmann sind an ihm nicht spurlos vorübergegangen. Nun, ganz Elder Statesman, preist er lieber die angeblichen Vorzüge seines Bundeslandes an. Ob ganz Österreich von Neid ergriffen gen Süden schielt bleibt dahingestellt, ebenso, wie die wirtschaftliche Lage tatsächlich aussieht. Die dortigen politischen Herausforderer haben es Haider zumindest nicht schwer gemacht, mit satter Mehrheit zu bestehen.

Den Job als BZÖ-Parteichef hat Haider von seinem ehemaligen Pressesprecher Peter Westenthaler Ende August übernommen. Dessen Image als Law-and-Order-Mann war aufgrund seiner Verurteilung wegen Falschaussage in der “Prügelaffäre” arg angekratzt. Und Haider ließ sich dementsprechend lange bitte. Erst als Westenthaler selbst den Wunsch nach einem Führungswechsel äußerte, erbarmte er sich Haider. Beim Bundeskonvent in Graz wurde er mit hundert Prozent zum neuen Parteichef gewählt. In den Umfragen geht es seitdem bergauf, und sogar die scheinbar heillos zerstrittene Wiener Landesgruppe einte sich im Licht des neuen alten Chefs.

1986 hatte der junge Charismatiker Haider auf dem Parteitag in Innsbruck FPÖ-Obmann Norbert Steger abgelöst. In den folgenden Jahren bescherte der einstige Chef des Ringes Freiheitlicher Jugend (RFJ) der FPÖ einen enormen Aufstieg, der der bis zur Wahl im Herbst 1999 – die FPÖ wurde zweitstärkste Partei – und dem 2000 folgenden Eintritt in die Koalition mit der ÖVP anhielt. Als sich aber die damalige Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer mitsamt Finanzminister Karl-Heinz Grasser und dem damaligen Klubobmann Westenthaler immer mehr von Haider abnabelten, kam es zum Krach. Dem Wirbel in Knittelfeld folgte der Polit-Abschied der Vizekanzlerin, des Finanzministers und des Klubchefs, danach gab es Kontroversen mit dem aufmüpfigen Heinz-Christian Strache und seinen Getreuen. Haider gründete in der Folge das BZÖ.

Mit dieser Entscheidung hatte sich Haider allerdings gründlich verrechnet. Die überwiegende Mehrzahl der eingefleischten Freiheitlichen wusste mit der – spöttisch “Bienenzüchterverein” genannten – neuen Partei nichts anzufangen. Man identifizierte sich zu sehr mit der “Alt-FPÖ”. Nur in Kärnten konnte Haider dank seiner Persönlichkeit die große Mehrheit der Freiheitlichen und ihrer Sympathisanten weiter für sich einnehmen.

Geboren am 26. Jänner 1950 in Bad Goisern, wandte sich Haider schon als 20-Jähriger der Politik zu. 1970 wurde er RFJ-Bundesobmann, bis zu seiner Übersiedlung nach Kärnten 1976 arbeitete er am Institut für Staats- und Verwaltungsrecht an der Universität Wien. 1979 zog Haider erstmals in den Nationalrat ein, 1983 wurde er Kärntner Landesobmann, 1976 Bundesparteichef. 1989 avancierte Haider dank der Hilfe der ÖVP zum Kärntner Landeshauptmann, verlor dieses Amt aber 1991 nach seinem Ausspruch über die “ordentliche Beschäftigungspolitik im Dritten Reich”. 1999 wurde die FPÖ in Kärnten stärkste Partei und Haider kehrte an die Spitze des Landes zurück.

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