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Gewalttätern auf der Spur

Schwarzach - Der kleine Luca hätte nicht sterben müssen. Wenn ein Kind geschüttelt und gequält wird, sieht man das. Und die Bregenzerin Kathrin Yen setzt alles daran, künftig auch verborgene Verletzungen sichtbar zu machen.

Mit 39 Jahren leitet die Universitätsprofessorin die Rechtsmedizin der Universität Graz. Seit Wochen sammelt sie nun 14 neue Mitarbeiter. Sie werden Österreichs jüngstes „Ludwig Boltzmann Institut“ betreiben. Mit einem Budget von 6,3 Millionen über sieben Jahre. Denn es geht um viel.

Ist die Patientin nun gestürzt oder geschlagen worden? Ist das Baby vom Wickeltisch gefallen oder geschüttelt worden? Dass die Antworten Ärzte oft überfordern, wundert sie nicht. Umso mehr ärgert Yen, dass „wir Gerichtsmediziner oft so spät hinzugezogen werden“. Denn Gerichtsmediziner „erkennen als Einzige, wie Verletzungen entstanden sind. Wir kennen ja die Befunde der sezierten Leichen.“ Gerichtsmediziner wissen, wie sie Verletzungen fotografieren müssen. Und „wir übersetzen Befunde so, dass sie auch die Richter verstehen“.

Innenansichten

Im neuen Grazer Institut wird Yen eine Ambulanz für Täter und Opfer einrichten. „Für die äußere Besichtigung des Körpers.“ Vor allem aber, um mit Mitteln der Radiologie inneren Verletzungen auf die Spur zu kommen. Postmortale Radiologie wird bereits in Bern betrieben. Die Anwendung von Computertomographie und Magnetresonanztomographie am Lebenden zur Verbrechensaufklärung ist weltweit einzigartig. Sie könnte unzählige Vorteile bringen.

„Verfahren würden abgekürzt“, sagt Yen, „dadurch ersparte man Opfern peinliche Verhöre.“ Aber auch Verbrechen, die nur vorgetäuscht wurden, klärten sich leichter. Denn Dr. Yen weiß auch, dass jemand, zu Unrecht des Missbrauchs bezichtigt, „den sozialen Tod stirbt“. Was treibt eigentlich eine junge Ärztin in die Gerichtsmedizin? Ihr Vater hat die Landesbibliothek geleitet. Dort fand sie eines Tages eine Fachzeitschrift mit „echten Tatortfotos“. Da warÑs um sie geschehen. So, jetzt muss sie aber. Die Kinderschutzgruppe des Grazer Spitals tagt. Damit stehen neue Fälle an.

ZUR PERSON

  • Beruf: Gerichtsmedizinerin
  • Geboren: 29. Juni 1968 in Bregenz
  • Familie: verheiratet, eine Tochter
  • Ausbildung: Medizinstudium in Innsbruck, Notarztausbildung
  • Laufbahn: Turnus in Vorarlberg, dann Zentrum für Rechtsmedizin in Frankfurt am Main, Institut für Rechtsmedizin in Bern, ab 2006 Uni Graz, seit Oktober Institutsvorstand.
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