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Gespaltene Persönlichkeit gibt es nicht

Wolfurt - Primar Univ.-Prof. Dr. Peter König vom LKH Rankweil befasste sich im Rahmen des Mini-Med-Abends im Wolfurter Cubus mit den Therapiemöglichkeiten bei Schizophrenie.

Und er räumte zuerst mit einem Irrglauben auf: „Schizophrenie bringt bizarres Verhalten mit sich, aber keine gespaltenen Persönlichkeiten. Das ist ein Märchen und Unsinn.” Wenn jemand Dinge tut, die sonst nicht zu seinem Charakter passen, dann kann man demnach keineswegs von einem schizophrenen Verhalten sprechen.

Viele Forschungen

Der Primar begann mit der historischen Entwicklung der Erforschung dieser Erkrankung. Er stellte die verschiedenen Arten der Schizophrenie vor, die vermutlich eine Gruppe von Krankheiten des Gehirns und der Gehirnentwicklung sind. Die Symptome betreffen das Denken, die Wahrnehmung und die Affekte, etwa unangebrachte oder fehlende Gemütsverfassungen. „Schizophrene Menschen spüren, die Herrschaft über ihre innersten Gedanken, Gefühle und Handlungen verloren zu haben.”

Symptomenkatalog

Primar König betonte dabei: „Es ist bei weitem nicht so, dass jede Krankheit dem Symptomenkatalog der WHO hundertprozentig entspricht. Deshalb ist es wichtig, dass ein guter Arzt die Krankheiten in verschiedenen Formen kennenlernt und die Schattierungen einordnen kann.” Ein großes Problem bei der Krankheit ist, dass sie sehr früh – schon in der Jugend – beginnt. Primar König erklärte einige Symptome, die das Umfeld der Betroffenen veranlassen sollten, umgehend einen Arzt zu konsultieren. Die Schwierigkeit: „Einige dieser Symptome können, vor allem in der Pubertät, durchaus auch bei gesunden Menschen auftreten, was die Diagnose der Erkrankung erschwert.”

Frühe Behandlung

Die Schwierigkeit, die praktisch für jede Erkrankung gilt: Je früher man die Krankheit ordentlich in den Griff kriegt, desto besser sind die Chancen auf Heilung oder zumindest eine erfolgreiche Therapie. Auch Cannabis, das Haschisch, ist für den Primar ein wichtiges Thema: „Die heutigen Pflanzen enthalten 15 bis 20 Mal mehr Cannabinoide als noch vor einigen Jahren, was bei Jugendlichen zu schizophrenieähnlichen Symptomen – und in der Folge sogar zu Arbeitsunfähigkeit – führen kann. Probleme bei der Behandlung bringt schon die unterschiedliche Krankheitsentstehung mit sich. 30 Prozent der Patienten sprechen auf die Behandlung schlecht an. König: „Eine erste Episode muss mindestens ein Jahr lang behandelt werden, sonst ist die Rückfallswahrscheinlichkeit sehr hoch. Die zweite Phase muss schon fünf Jahre lang ununterbrochen behandelt werden.”

Passende Therapien

Die Behandlung erfolgt durch Einzel- oder Gruppentherapien, psychosoziale Betreuung und Medikamente, bei denen immer das passende gefunden werden muss. „Die modernen Medikamente sind wesentlich wirksamer und haben weniger Nebenwirkungen als noch vor einigen Jahren”, so Primar König.

 

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PUBLIKUMSFRAGEN

Publikumsfrage: Kann Schizophrenie auch durch einen Schicksalsschlag ausgelöst werden? Dr. König: Nein, allein dadurch nicht. Ausgelöst werden aber schon, wenn bereits eine anlagebedingte Neigung da ist.

Publikumsfrage: Die Ursache liegt in den Anlagen – zur Entwicklung der Krankheit führen dann die Lebensumstände? Dr. König: Nein. Damit habe ich gemeint, ob jemand Cannabis konsumiert oder nicht – nicht, ob jemand einen Unfall hat. Lebensumstände sind sehr vielfältig, einschneidende Ereignisse spielen aber eher beim Ausbruch von Depressionen eine Rolle, nicht bei der Schizophrenie.

Publikumsfrage: Wie wirken sich die neuen bildgebenden Verfahren auf die Medikamentation der Zukunft aus? Dr. König: Die Entwicklung der zweiten Generation der antipsychotischen Medikamente hat schon stattgefunden und war genau ein Schritt in diese Richtung. Man versucht weiter, Pyschopharmaka zu entwickeln, die sich nur in bestimmten Gehirnregionen bemerkbar machen und demnach auch dort wirken können.

Publikumsfrage: Kann eine bei einem Unfall verursachte Kopfverletzung Schizophrenie auslösen? Dr. König: Nein. Es kann schizophrenieähnliche Symptome auslösen, wir sprechen dann aber von einer hirnorganisch begründbaren Erkrankung.

Publikumsfrage: Wenn eine schizophrene Patientin medikamentös gut eingestellt ist und schwanger wird, muss dann irgendetwas verändert werden? Dr. König: Man kann grundsätzlich sagen, dass das Risiko sehr niedrig ist. Grundsätzlich ist es sicher sinnvoll, nachzuschauen, ob man die Medikamente nicht ein wenig reduzieren oder sogar aussetzen kann.

Publikumsfrage: Früher hat man Leute geschockt – gibt es das immer noch? Dr. König: Wir verwenden die Elektro-Therapie, die sehr hilfreich ist, aber lange nicht so dramatisch durchgeführt wird, wie es klingt. Die Behandlung ist völlig schmerzlos, sie wird unter Narkose und Aufsicht eines Narkosearztes durchgeführt.

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