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Geschworene können sich nicht einigen: Prozess im Fall Freddie Gray geplatzt

Der Tod von Freddie Grey löste massive Ausschreitungen in Baltimore aus.
Der Tod von Freddie Grey löste massive Ausschreitungen in Baltimore aus. ©EPA
Im Fall des in Polizeigewahrsam gestorbenen Afroamerikaners Freddie Gray ist der Prozess gegen den ersten von sechs angeklagten Polizisten geplatzt. Richter Barry Williams erklärte das Verfahren am Mittwoch in der US-Ostküstenstadt Baltimore für beendet, weil sich die Geschworenen nicht auf ein Urteil einigen konnten.
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Die Staatsanwaltschaft könnte nun einen neuen Prozess gegen den Angeklagten William Porter anstreben. Die Geschworenen, fünf Männer und sieben Frauen, erreichten in mehr als 16-stündigen Beratungen über drei Tage hinweg keine Einigung.

Gespannte Lage vor dem Gericht

Dass ein Prozess auf diese Weise platzt, ist in den USA selten. Wann die Staatsanwaltschaft über ihr weiteres Vorgehen entscheidet, ist unklar. Die Rechtsprofessorin Amy Dillard aus Baltimore zeigte sich aber überzeugt, “dass es ein neues Verfahren geben wird”.

Vor dem Gerichtsgebäude löste die Entscheidung Handgemenge aus. Über dem Ort des Geschehens kreisten Polizeihubschrauber. Die Lage blieb aber trotz Protesten letztlich ruhig. Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake rief auch weiterhin zur Besonnenheit auf. Sie forderte Respekt vor der Justiz ein und warnte zugleich, dass die Behörden Ausschreitungen nicht dulden würden. “Wir sind zur Reaktion bereit”, sagte sie.

Auch Polizeikommissar Kevin Davis warnte vor Gewalt. “Protestierende, die sich friedlich versammeln, werden geduldet”, sagte er. Wer allerdings “Straftaten verüben, Menschen verletzen und Gegenstände zerstören” wolle, gehöre nicht zur Gruppe der Demonstranten. Davis wies in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass die Polizei Onlinenetzwerke im Auge behalte, um Aufrufe zur Gewalt frühzeitig zu erkennen.

Freddie Gray starb im Polizeigewahrsam

Der 25-jährige Schwarze Freddie Gray hatte bei seiner Festnahme am 12. April so schwere Rückenmarksverletzungen erlitten, dass er ins Koma fiel und eine Woche später starb. Die Beamten sollen den an Händen und Füßen gefesselten Afroamerikaner im Polizeitransporter bäuchlings mit dem Kopf nach vorn auf den Boden gelegt und nicht angeschnallt haben.

Ende Mai wurden sechs Beamte angeklagt, unter anderem wegen fahrlässiger Tötung. Die Polizisten – drei Weiße und drei Schwarze – erklärten sich alle für unschuldig und müssen sich in getrennten Verfahren verantworten. Porter, für den der erste Prozess angesetzt worden war, ist Afroamerikaner.

Staatsanwältin Janice Bledsoe hatte in ihrem Schlussplädoyer am Montag erklärt, dass Porter und seine Kollegen den Polizeitransporter in einen “Sarg auf Rädern” verwandelt hätten. Verteidiger Joseph Murtha sprach dagegen von einer “schrecklichen Tragödie”, für die sein Mandant keine Verantwortung trage.

Gray’s Tod löste heftige Krawalle aus

Grays Tod wurde von vielen in den USA als neuer Fall tödlicher Polizeigewalt gegen unbewaffnete Schwarze kritisiert und löste in Baltimore heftige Proteste aus. Bei den Unruhen im Frühjahr gingen Autos und Gebäude in Flammen auf, Geschäfte wurden geplündert. Hunderte Menschen wurden festgenommen.

Zwischenzeitlich galt in Baltimore wegen der heftigen gewaltsamen Ausschreitungen eine nächtliche Ausgangssperre, die Nationalgarde wurde in die Stadt geschickt. Die Stadt Baltimore einigte sich mit Grays Familie bereits auf die Zahlung einer Entschädigung von 6,4 Millionen Dollar (5,85 Mio. Euro). (red/APA)

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