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Geschichte(n) bewahren

Geschichte(n) bewahren
Geschichte(n) bewahren ©Angela Lamprecht
Bauernhaussanierung mit Respekt
Geschichte(n) bewahren

Viele Spaziergänger und Ortsansässige kennen das alte, malerische Bauernhaus in der Fronhoferstraße. Den meisten ist der ehemalige Hausherr Lorenz Schwärzler aber besonders in Erinnerung. In seinen letzten Jahren saß er oft auf der Bank vor seinem Haus, rauchte gemütlich eine Zigarette und hielt gern ein „Schwätzchen“ über den Zaun.

Nach seinem Tod wurde das ehrwürdige Bauernhaus grundbücherlich in Wohn- und Wirtschaftstrakt geteilt und ging in den Besitz seiner Nachkommen über. Im September 2020 begannen das Ehepaar Veronika und Erich Loretz die Sanierung des Wohntraktes. Die Geschichte des Hörbranzer Gebäudes reicht über 200 Jahre zurück und wurde 1791 durch Plazidus Rhomberg III. erbaut. Nach Verkauf durch die Rhombergs ging das Haus über mehrere Besitzer schließlich in das Eigentum von Hehle über, der Urgroßmutter der heutigen Besitzer und ist in Hörbranz als das „Schwärzlerhaus“ bekannt.

Das imposante Gebäude besticht bereits von außen durch seine Größe sowie die charakterisierende Fachwerkfassade und historische Malereien. So sind etwa an der Untersicht der westseitigen Klebdächer des Hauses die vier Jahreszeiten aufgemalt und die rote Farbe des Holzfachwerks ist weit sichtbar. Das Bauernhaus diente viele Jahrzehnte als Familienwohnhaus und könnte sicher unzählige Geschichten seiner Bewohner erzählen.

Mit dem Architekt Andreas Lehner aus Hard wurde 2020 der Umbau und die Revitalisierung gestartet. Der Wunsch der Bauherrin war zwei Wohnungen mit getrennten Zugängen zu schaffen und so Wohnraum zu erhalten und in den leerstehenden Dachraum zu erweitern. Oberste Prämisse für Besitzerin und Architekt war die Charakteristik und Besonderheit des Elternhauses von Veronika Loretz, die darin ihre Kindheit verbrachte, zu bewahren.

Das Gebäude wurde respektvoll und umsichtig auf die erhaltenswürdige Substanz zurückgebaut. Dadurch wurde der Blick auf die historisch wertvolle Substanz geschärft und ihr Erhalt für die Zukunft gesichert. Wände wurden freigelegt, Decken geöffnet sowie der Dachboden neu erschlossen und zum Wohnraum ertüchtigt.

Unter Beiziehung erfahrener Experten reiften unter der Federführung von Architekt Lehner die einzelnen Renovierungspunkte und nahmen konkrete Formen an. Die Gebäudehülle wurde unter Erhaltung des äußeren Erscheinungsbildes thermisch saniert sowie die Haustechnik auf einen zeitgemäßen Standard gebracht. Aufgrund der für das Baujahr untypisch hohen Räume, konnten moderne Bauauflagen und Vorschriften weitestgehend erfüllt werden.

Die Renovierung sowie Restaurierung der Stein-, Putz- und Holzoberflächen erfolgte in liebevoller Handarbeit und unter Verwendung naturbelassener Materialien wie Kalkputz, unbehandeltem Holz sowie Kalk- und Naturölfarben. Besonders dadurch konnte atmosphärisch hochwertiger Wohnraum erhalten und geschaffen werden. An vielen Stellen wurde die lose Farbe behutsam abgetragen und der ursprüngliche Farbzustand wieder hergestellt. Sichtbalken wurden händisch gebürstet und gereinigt. Aus Brettern des alten Dachbodens entstanden Möbel und Türen, selbst die Steine aus Mauerausbrüchen wurden zum Verschließen nicht benötigter Durchgänge wiederverwertet.

Viel Baumaterial konnte aufgrund des persönlichen Engagements der Bauherrschaft eingespart oder nachhaltig wiederverwendet werden. Am erhaltenen Altbestand und an den renovierten Elementen haben die ehemaligen und jetzigen Handwerker ihre Spuren und Charaktere hinterlassen. Die Fertigung von Hand stand im Mittelpunkt und auf Maschineneinsatz wie Schleifmaschinen oder ähnliches wurde weitgehend verzichtet. Diese Textur der Handarbeit ist an den Oberflächen ablesbar und erzeugt eine authentische Raumwirkung.

Auch der Unterschied zwischen Alt und Neu wurde klar erkennbar gemacht. Alte Türen wurden in ihren Größen, Formen, Farben und Beschlägen erhalten und stehen den neuen Türen mit modernen Durchgangsdimensionen kontrastierend gegenüber. In unzähligen Stunden und mit tatkräftiger Unterstützung von Freunden konnte Vieles in Eigenleistung der Bauherrschaft liebevoll renoviert und so das Schmuckstück in der Fronhoferstraße erhalten werden.

Das heutige Resultat ist dem ambitionierten Engagement der Bauherrschaft im Zusammenspiel mit einfühlsamen Professionisten, die sich persönlich mit dem Projekt identifizieren konnten, zu verdanken. Dadurch oder gerade deshalb bleibt die Geschichte des Hauses, das von seinen vielen einzelnen und beeindruckenden Akzenten lebt, bewahrt.

Fotos: Angela Lamprecht

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