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Geschichte der Sommerspiele 1984 - 2008

LOS ANGELES 1984: Die sowjetische Antwort und “King Carl”
In Los Angeles folgt die sowjetische Antwort auf Moskau in Form eines Gegenboykotts, dem sich mit Ausnahme von China, Rumänien und Jugoslawien sämtliche kommunistischen Länder anschließen. Dem Spektakel der Amerikaner tut dies jedoch keinen Abbruch. Sportlich wird Los Angeles zu den Spielen von Carl Lewis, der über 100 m, 200 m, mit der 4 x 100-m-Staffel und im Weitsprung vier Mal Gold gewinnt und damit zum Nachfolger von Jesse Owens ernannt wird. Es sind die ersten frei finanzierten Spiele, die einen Bruchteil der Moskauer Spiele kosten und 225 Millionen Dollar Gewinn abwerfen.

Der Österreicher Peter Seisenbacher gewinnt erstmals Gold im Judo. Josef Reiter holt mit Bronze eine weitere Judo-Medaille. Andreas Kronthaler gewinnt Silber mit dem Luftgewehr.

SEOUL 1988: Ein Höhepunkt als Tiefschlag
Der Höhepunkt der Spiele wird zum Tiefschlag für den Sport. Nachdem Ben Johnson über 100 m in fantastischen 9,79 gewonnen hat, wird der Kanadier des Dopingmissbrauchs überführt und mit Schimpf und Schande aus der olympischen Familie geworfen. Die Tennisspieler kehren in die Olympische Familie zurück, womit die Berufssportler endgültig hoffähig werden.

Peter Seisenbacher verteidigt als erster Judoka der Geschichte seinen Titel erfolgreich. Der Rest der österreichischen Equipe kehrt ohne Edelmetall zurück.

BARCELONA 1992: 3,5 Milliarden TV-Zuschauer
Es sind die Spiele des spanischen IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch, der die Großveranstaltung in seine Heimat geholt hat. 3,5 Milliarden Menschen sind via Fernsehen dabei, als die Kommerzialisierung Olympias ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht und dem IOC einen satten Gewinn von knapp 1,4 Milliarden Schilling (101,7 Mio. Euro) beschert. Erstmals sind auch die Basketball-Profis der NBA dabei und zeigen als “Dream Team” eine sensationelle Show, mit der sie mühelos zu Gold für die USA spazieren.

Zwei Silberne für Österreich durch den Ruder-Doppelzweier (Arnold Jonke/Christoph Zerbst) und die Springreiter-Mannschaft (Hugo Simon/Thomas Frühmann/Jörg Münzner/Boris Boor). Boor schaut jedoch bei der Medaillenvergabe durch die Finger, weil er in beiden Umläufen das Streichresultat geliefert hat. Segler Hubert Raudaschl wird bei seiner neunten Olympia-Teilnahme mit Xaver Gruber im Star-Boot 20.

ATLANTA 1996: Rekordbesuch bei “Coca-Cola-Spielen”
Mehr Zuschauer als in Los Angeles und Barcelona zusammen pilgern zu den Wettkampfstätten und sehen bei den von Hauptsponsor Coca Cola perfekt inszenierten Spielen eine wahre Medaillen-Flut der Athleten aus dem Gastgeberland. Negativer Höhepunkt ist die Explosion einer Rohrbombe im Centennials Park, bei der zwei Menschen ums Leben kommen und 111 verletzt werden.

Österreich holt erstmals seit 1984 wieder drei Medaillen bei Olympischen Sommerspielen. Wolfram Waibel jun. gewinnt Silber im Luftgewehr und Bronze im Dreistellungs-Match, Theresia Kiesl sichert sich Bronze über 1.500 m.

SYDNEY 2000: EPO-Tests und Zuschauermassen
Die Fahne der Aborigines weht auf den Wettkampfstätten, die Aborigine Cathy Freeman, Spitzenläuferin über 400 m, entzündet das Olympische Feuer. Erstmals finden Tests auf das Hormon-Präparat Erythropoietin (EPO) bei Spielen statt. Der Wettlauf zwischen Sündern und Fahndern wurde in Sydney zur 29. “Sportart” (neun Dopingfälle), die ersten Spiele des 21. Jahrhunderts gehen als die bisher am besten kontrollierten in die Annalen ein. Insgesamt 42 Weltrekorde werden aufgestellt; zwar fällt keiner in der Leichtathletik, mit 1,5 Millionen Zuschauern erreichte die olympische Kernsportart aber eine neue Rekordzahl.

Stars der Spiele sind Schwimmer Ian Thorpe (3 x Gold, 1 x Silber) und Leichtathletin Marion Jones (3 x Gold, 2 x Bronze). Aber auch Österreich hat großen Grund zum Jubeln. Mit zwei Goldmedaillen durch die Segler Roman Hagara/Hans Peter Steinacher (Tornado) und Christoph Sieber (Mistral) sowie Silber durch die Leichtathletin Stephanie Graf (800 m) sind die Spiele die dritterfolgreichsten für Rot-Weiß-Rot nach Berlin 1936 (4/6/3 – ohne Kunstmedaillen) und St. Louis 1904 (2/1/1).

ATHEN 2004: Doping-Schatten und der überragende Phelps
Schon vor Beginn der Spiele gibt es alles überschattende Aufregung um das griechische Sprinter-Duo Ekaterini Thanou und Konstantinos Kenteris, das möglicherweise einen Motorradunfall nur vortäuscht und deshalb Dopingtests verpasst. Beide dürfen nicht starten. Fünf Goldmedaillengewinnern wird der Titel wegen Dopingvergehen aberkannt. Es sind dies die ungarischen Leichtathleten Adrian Annus (Hammer) und Robert Fazekas (Diskus), die russische Kugelstoßerin Irina Korschanenko, der irische Springreiter Cian O’Connor und die deutsche Springreiter-Mannschaft.

Entgegen aller Befürchtungen sind alle Wettkampfstätten fristgerecht fertig geworden und erstrahlen in Glanz und Pracht, die Euphorie des Publikums lässt teilweise aber zu wünschen übrig. Das große Duell USA gegen China geht mit 36:32 Gold an die Vereinigten Staaten, bei ihren Heimspielen wollen die Athleten aus dem Reich der Mitte die Kehrtwende einleiten.

Alles überragender Athlet ist der US-Amerikaner Michael Phelps, der sechs Goldmedaillen und zwei Bronzene erschwimmt. Für Österreich werden es mit zwei Goldmedaillen durch Roman Hagara/Hans Peter Steinacher (Segeln/Tornado) und Kate Allen (Triathlon), vier Silbermedaillen durch Claudia Heill (Judo), Andreas Geritzer (Segeln/Laser) und Markus Rogan (Schwimmen/100 und 200 m Rücken) sowie einer Bronzenen durch Christian Planer (Schießen/Dreistellungs-Match) die zweitbesten Olympischen Sommerspiele nach Berlin 1936 (4/6/3 ohne Kunstbewerbe).

Peking 2008: Bolt und Phelps dominieren Peking

Die westliche Welt sieht Gigantismus und ein Bild vom Reich der Mitte, das wohl nur im Fernsehen existiert. Modernste Stadien, perfekte Organisation, effiziente Sicherheitschecks und freundliche Menschen – sofern man sich in der abgeschirmten Olympischen Blase befindet. Demonstrationen sind erlaubt, finden aber nicht statt, die Tibet-Problematik ist gefühlt am anderen Ende der Welt angesiedelt. Die Supermacht China feiert Olympia als glorreichen Erfolg, die Medaillenwertung wird mit 100 mal Edelmetall, darunter 51 Mal Gold, vor den USA (110/36), Russland (72/23) und Großbritannien (47/19) gewonnen.

Sprinter Usain Bolt steigt mit drei Goldmedaillen (100 m, 200 m, 4×100-m-Sprint-Staffel) und Fabelrekorden im Vogelnest zu neuen Sphären auf, Michael Phelps realisiert im Wasserwürfel sein Ziel von acht Schwimm-Goldmedaillen, sieben davon mit Weltrekord. Insgesamt 45 Weltrekorde werden in den 28 Sportarten aufgestellt, 4.770 Dopingtests durchgeführt. Während der Spiele werden sechs Dopingfälle bekannt, in Nachkontrollen wird sechs weiteren Sportlern Doping nachgewiesen, u..a. dem italienischen Radprofi Davide Rebellin und dem für Bahrain startenden Leichtathleten Rashid Ramzi.

Drei Medaillen gehen nach Österreich. Ludwig Paischer gewinnt Judo-Silber, Schwimmerin Mirna Jukic und Kanutin Violetta Oblinger-Peters (Wildwasser-Slalom) holen jeweils Bronze. Eine emotionale Geschichte schreibt der für Deutschland startende Gewichtheber Matthias Steiner. Der gebürtige Niederösterreicher triumphiert im Superschwergewicht und hält bei der Siegerehrung ein Foto seiner 2007 bei einem Autounfall tödlich verunglückten Ehefrau hoch. Mittlerweile ist er wieder verheiratet und Vater eines Sohnes.

 

 

 

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