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Gerüchte über Teilung des Kosovos

Vor dem Besuch der Weltsicherheitsratsdelegation intensivieren sich in Belgrad und Pristina die Gerüchte, wonach in Serbien eine Teilung des Kosovo erwogen wird. Vertriebene Serben

Pristina fürchtet andererseits Provokationen, welche die Aussichten auf eine baldige Unabhängigkeit des Kosovo mindern könnten. Offizielle Bestätigungen für die Gerüchte fehlen.

Politiker in Belgrad beteuern nach wie vor, dass sie sich der Unabhängigkeit, wie sie vom UN-Vermittler Martti Ahtisaari vorgeschlagen wurde, widersetzen und sich um die Wahrung der serbischen Gebietseinheit bemühen würden. Pristina hofft andererseits, dass die Unabhängigkeit des Kosovo durch eine entsprechende Resolution des Weltsicherheitsrates noch vor Sommer gesichert werden könnte. Belgrad setzt auf die Unterstützung Moskaus, Pristina vor allem auf Washington.

„Wir werden den gescheiterten Vorschlag Ahtisaaris hinter uns lassen. Die russische Initiative, worauf die Mission des Weltsicherheitsrates die Umsetzung der demokratischen Standards im Kosovo umfassend bewerten soll, bietet eine reale Grundlage für einen neuen Verhandlungsprozess“, ist Premier Vojislav Kostunica überzeugt. Nicht unbemerkt blieb in Belgrad allerdings der Standpunkt des einstigen russischen Premiers und Außenministers, Jewgeni Primakow, der im Juni 1999 zusammen mit Ahtisaari den damaligen jugoslawischen Staatschef Slobodan Milosevic zum Einlenken im Kosovo bewegt hatte. „Würde man mich fragen, so würde ich auch die Möglichkeit einer Teilung des Kosovo nicht ausschließen. Mag sie vielen unangenehm vorkommen, ist sie die einzige reale Perspektive“, sagte Primakow letzte Woche für das Belgrader Boulevardblatt „Vecernje novosti“. Der russische Botschafter in Belgrad, Alexander Alexejew, bezeichnete diese Aussage als „sehr, sehr gefährlich“.

„Eine Unabhängigkeit des Kosovo wäre ein Schritt hin zur Teilung“, versicherte Nebojsa Radulovic,Vize-Bürgermeister von Leposavic, einer Serben-Gemeinde im Nordkosovo, kürzlich in einem Gespräch für die APA. Dies wäre seiner Meinung nach der einzige Weg, um Konflikte zu vermeiden. Im Nordkosovo scheinen zahlreiche Serben Radulovics Ansicht zu teilen. Für sie liegt die Grenze zwischen Serbien und dem Kosovo am Ibar, dem Fluss, der den Nordteil von Kosovska Mitrovica von seinen von Albanern bewohnten Stadtkern trennt. Der Nordteil des Kosovo unterhält sehr enge Kontakte zu Belgrad, das seit dem Kriegsende offiziell keine Befugnisse in der Provinz hat.

Die Teilungsidee wird von Oliver Ivanovic, dem Chef der Serbischen Liste für den Kosovo und Metohija (Metochien), allerdings nicht geteilt. Er glaubt auch nicht, dass irgendein Politiker in Belgrad wirklich wagen würde, zur Teilung des Kosovo aufzufordern. Dies würde unvermeidlich zur Vertreibung der Serben aus den Regionen südlich des Ibar führen, ist Ivanovic überzeugt . „Kein einziger Belgrader Politiker wird rund 67.000 Serben (die südlich von Mitrovica leben) am Gewissen haben wollen“, so der Politiker.

In Pristina wachsen die Befürchtungen, dass serbische Extremisten – man spricht von etwa 30 Polizisten, die sich angeblich bereits im Kosovo aufhalten – den Besuch der UN-Delegation zu „Provokationen“ nutzen dürften, um somit den Behauptungen der serbischen Behörden Nachdruck zu verleihen, dass im Kosovo die grundlegenden Menschenrechte bedroht seien. Als Krisengebiet gilt der Westen der Provinz, wo es unweit von Pec einige kleinere Serben-Enklaven gibt. Weder die lokale Polizei noch die internationale Schutztruppe KFOR wollte die Spekulationen kommentieren.

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