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Geplante Studieneingangsphase stößt auf breite Ablehnung

Noch vor dem Sommer will Wissenschaftsminister Johannes Hahn (V) eine Studieneingangsphase für alle Studien ohne Zugangsbeschränkungen im Parlament beschließen lassen.

Obwohl derzeit lediglich die Eckpunkte feststehen (mehrere Prüfungen in den ersten zwei Semestern als Voraussetzung zur Weiterführung des Studiums), hat sich bereits eine breite Front der Ablehnung gebildet. Bei einem Runden Tisch an der Uni Wien sprachen sich am Freitag alle Fraktionen der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) gegen “versteckte Zugangsbeschränkungen” aus. Die Rektorenkonferenz steht der Studieneingangsphase grundsätzlich positiv gegenüber, warnte aber dringend davor, die als Orientierungsphase angekündigte Regelung “mit dem Kapazitätenproblem der Unis zu verknüpfen”.

 

Man sei bei den Gesprächen zur Novelle des Universitätsgesetzes noch nicht bis zur Studieneingangsphase vorgedrungen, sagte SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl. Sie habe jedenfalls nicht die Intention, die Studieneingangsphase zum Aussieben von Studenten zu nutzen, “im Gegenteil”. Derzeit werde an den Unis zunehmend nach “intransparenten, teils unfairen” Kriterien Selektion betrieben, die Orientierungsphase sei daher “eine gute Alternative”.

Fixe Eckpunkte laut Kuntzl: In den ersten beiden Semestern sollen Studenten einen Überblick über das Studium und Einblick in das wissenschaftliche Arbeiten bekommen, dazu wünscht sich Kuntzl bessere “Betreuung und Begleitung”. Die Studenten müssen in dieser Orientierungsphase mehrere Prüfungen positiv absolvieren, um weiter studieren zu können. “Der harte Teil der Verhandlungen” werde darum gehen, ob – wie von der SPÖ gewünscht – alle, die es so weit geschafft haben, das Studium weiterführen können – oder nur eine beschränkte Anzahl.

Beatrix Karl, Wissenschaftssprecherin der ÖVP, äußerte sich dazu nicht; sie betonte aber, dass noch kein abschließender Entwurf vorliege. Ihr Ziel sei es jedenfalls, “die Drop-Out-Zahlen zu senken und nicht, die Zahl der Akademiker niedrig zu halten.” Sie könne sich in manchen Bereichen ein ähnliches Modell wie an der Montanuniversität in Leoben vorstellen, wo es in den ersten zwei Semestern ein für alle identes Hauptstudium gebe und erst danach die Fachrichtung gewählt werde.

Die ÖH-Fraktionen bewerteten das geplante Modell allesamt schlecht: Markus Langthaler von der VP-nahen Aktionsgemeinschaft sah “kein Konzept dahinter”. Sigrid Maurer (Grüne und Alternative StudentInnen; GRAS) glaubt, dass nur eine “Elite” von Studenten das Prüfungspensum in zwei Semestern bewältigen kann; Studieneingangsphasen seien außerdem kein Argument für Qualitätssicherung, diese passiere ohnehin bereits über Noten. Aus Sicht von Manfred Menhart von den Fachschaftslisten (FLÖ) ist es noch schwieriger, alle vorgesehenen Prüfungen zu schaffen als eine Knock-Out-Prüfung vor Studienbeginn.

Auch die Vertreter der Oppositionsparteien stehen der Studieneingangsphase skeptisch gegenüber. FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz betonte, dass die Matura weiterhin einzige Zugangsvoraussetzung für ein Studium bleiben soll, vor allem, wo doch deren Niveau durch die geplante teilzentralisierte Matura verbessert werden soll. Grünen-Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald warnte, dass “die Entscheidung über ein ganzes Menschenleben nicht in zwei Semestern” fallen könne.

Für Heribert Wulz, Generalsekretär der Universitätenkonferenz (uniko), muss Hahn eine Grundsatzentscheidung treffen: Er müsse sich sagen, ob er – wie von der Uniko seit vielen Jahren gefordert – eine Finanzierung nach Studienplätzen gewährt, oder den Unis Zugangsbeschränkungen erlaubt. “Das ist eine politische Entscheidung, die man treffen muss und vor der man sich nicht drücken sollte”, so Wulz.

Einigkeit gab es darin, dass künftig schon vor dem Beginn des Studiums besser über Studien informiert werden muss. Philipp Schrangl (Ring Freiheitlicher Studierender; RFS) schlug etwa eine Ausweitung von Projekten vor, bei denen Uni-Mitarbeiter in die Schulen kommen und vom Studium berichten. Alegra-Isabel Raising vom Liberalen Studenten Forum (LSF) will Schüler mehrere Wochen lang in den Uni-Alltag “hineinschnuppern” lassen.

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