Emotioneller Abschied von George Floyd

Der Sarg mit dem Leichnam Floyds
Der Sarg mit dem Leichnam Floyds ©APA (Getty)
In einer emotionellen Trauerfeier haben Angehörige, Freunde, Bürgerrechtler und Politiker Abschied von dem durch Polizeigewalt getöteten Afroamerikaner George Floyd genommen.

An der Zeremonie zu Floyds Bestattung nahmen in der Kirche "Fountain of Praise" in der texanischen Metropole Houston Hunderte Gäste teil.

"Er hat die Welt verändert", sagte der demokratische Abgeordnete Al Green während der Zeremonie über Floyd, der am 25. Mai bei einem brutalen Polizeieinsatz getötet worden war. "Und wir werden die Welt wissen lassen, dass er einen Unterschied ausgemacht hat." Seit Floyds Tod finden in den USA und vielen anderen Ländern Demonstrationen gegen Rassismus und exzessive Polizeigewalt statt.

Der designierte Präsidentschaftskandidat der oppositionellen Demokraten, Joe Biden, forderte in einer Videobotschaft einen verstärkten Kampf gegen den Rassismus in den USA. Die USA dürften dem Problem des Rassismus nicht länger den Rücken zuwenden, verlangte Biden in seiner während des Trauergottesdienstes gezeigten Videobotschaft. "Jetzt ist die Zeit für Gerechtigkeit für alle Rassen", sagte der Ex-Vizepräsident.

Biden ging nicht explizit auf die Haltung von US-Präsident Donald Trump zu den Protesten und Rassismus ein, während andere Redner den Präsidenten offen attackierten. "Jemand hat gesagt: 'Macht Amerika wieder großartig'", sagte Floyds Nichte Brooke Williams unter Bezug auf Trumps Wahlkampfslogan 2016. "Aber Amerika war nie großartig." Es dürfe keine "Hassverbrechen" mehr geben.

Biden war am Tag vor der Beisetzung nach Houston gereist, um Familienangehörige von Floyd zu treffen, darunter dessen sechs Jahre alte Tochter Gianna. Für seine Videobotschaft bekam er von der Trauergemeinde viel Applaus. Afroamerikanische Wähler gelten für die Wahl im November als Bidens größter Rückhalt.

Der bekannte Bürgerrechtler Al Sharpton warf Trump vor, einen Militäreinsatz gegen gewaltbereite Demonstranten angedroht, aber kein Wort über den "Polizistenmord" an Floyd gesagt zu haben. Er habe damit das Signal gesetzt, dass Polizisten bei einem Fehlverhalten keine strafrechtlichen Konsequenzen fürchten müssten. Sharpton bezeichnete Floyd als "Eckpfeiler einer Bewegung, die die ganze Welt verändern wird". Der Pastor William Lawson sagte, im Kampf gegen Rassismus müsse als erstes das Weiße Haus "gesäubert" werden.

In einer emotionalen Ansprache vor dem Justizausschuss des US-Repräsentantenhauses forderte ein Bruder George Floyds Gerechtigkeit gefordert. "Es liegt an Ihnen, sicherzustellen, dass sein Tod nicht umsonst ist", sagte Philonise Floyd zu den Abgeordneten am Mittwoch in Washington.

Er berichtete von großer Trauer. "Ich kann Ihnen nicht sagen, welche Art von Schmerz man fühlt, wenn man so etwas sieht. Wenn man seinen großen Bruder beobachtet, zu dem man sein ganzes Leben lang aufgeschaut hast, wie er stirbt. Stirbt und dabei nach seiner Mutter ruft."

George Floyd sei ein freundlicher, milder Mann gewesen. Auch in dem mittlerweile weltbekannten Video seiner Tötung sei zu sehen, dass er respektvoll zu den Polizisten war und sich nicht gewehrt habe. "Der Mann, der ihm das Leben nahm, der ihn acht Minuten und 46 Sekunden erstickte - er (Floyd) hat ihn noch immer "Sir" genannt, als er ihn um sein Leben anflehte."

Floyds Tod bei dem Polizeieinsatz am 25. Mai hat Massenproteste gegen Rassismus und Polizeigewalt weltweit ausgelöst. Die Proteste dauern an. Ein weißer Polizeibeamter hatte sein Knie in den Nacken des am Boden liegenden Mannes gedrückt - trotz dessen wiederholter Bitten, ihn atmen zu lassen. Der Polizist und drei an dem Einsatz beteiligte Kollegen wurden entlassen, festgenommen und angeklagt. Floyd war wegen des Verdachts, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben, festgenommen worden.

George hätte an diesem Tag niemandem etwas zuleide getan, sagte sein Bruder weiter. "Er hatte es nicht verdient, wegen zwanzig Dollar zu sterben. Ich frage Sie, ist es das, was ein Schwarzer wert ist? Zwanzig Dollar?" Zum Ende seiner Ansprache wandte Philonise Floyd sich direkt an seinen Bruder und sagte ihm, dass er die Welt verändert habe. "Ich hoffe, Du findest Mama und du kannst in Frieden und Kraft ruhen."

Floyds Tod bei dem Polizeieinsatz vor mehr als zwei Wochen am 25. Mai hat Massenproteste gegen systematischen Rassismus und Polizeigewalt im ganzen Land und auch weltweit ausgelöst. Die Proteste dauern an. Ein weißer Polizeibeamter hatte sein Knie fast neun Minuten lang in den Nacken des am Boden liegenden Mannes gedrückt - trotz dessen wiederholter Bitten, ihn atmen zu lassen. Der Polizist und drei an dem Einsatz beteiligte Kollegen wurden entlassen, festgenommen und angeklagt. Floyd war wegen des Verdachts, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben, festgenommen worden.

Nach der Trauerfeier in Houston wurde Floyd am Dienstagabend (Ortszeit) in der Nachbarstadt Pearland unter Ausschluss der Öffentlichkeit neben dem Grab seiner Mutter beigesetzt. Der Sarg wurde auf der letzten Meile in einer weißen Pferdekutsche transportiert. Das Eintreffen des Trauerzugs am Friedhof verfolgten zahlreiche Menschen am Straßenrand.

Der Tod Floyds hat nicht nur Großdemonstrationen ausgelöst, sondern auch eine Debatte über Polizeireformen in den USA. Die Forderung, der Polizei finanzielle Mittel zu entziehen und diese in soziale und andere Projekte zu stecken, findet unter Demonstranten viel Zuspruch. US-Präsident Donald Trump ist strikter Gegner dieser Idee und preist die Polizei bei jeder Gelegenheit.

Auch führende Demokraten wollen die Finanzierung nicht einschränken. "Die bessere Antwort besteht darin, den Polizeibehörden die Ressourcen zur Verfügung zu stellen, die sie für die Umsetzung sinnvoller Reformen benötigen" und weitere Finanzierung von der Umsetzung der Reformen abhängig zu machen, schrieb Biden in einem Meinungsartikel für die Zeitung "USA Today". Zu den Forderungen gehören unter anderem das Verbot von Würgegriffen, die konsequente Verfolgung von Verbrechen durch Polizisten und verbessertes Training der Beamten in Bezug auf ethnische und religiöse Vorurteile.

Zahlreiche Beschwerden von Reportern über Behinderungen und Angriffe durch Sicherheitskräfte bei der Berichterstattung über die Proteste in den USA riefen unterdessen Menschenrechtler auf den Plan. Die Berichterstatter zum Thema Presse- und Meinungsfreiheit des UN-Menschenrechtsrats und der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) kritisierten US-Präsident Donald Trump am Mittwoch namentlich.

Unterdessen sorgte Trump mit Äußerungen zu einem Demonstranten, der von Polizisten schwer verletzt worden war, für Empörung. Trump schrieb ohne jeden Beleg im Kurzbotschaftendienst Twitter, bei dem 75-Jährigen könnte es sich um einen "Antifa-Provokateur" handeln. "Ich habe es mir angeschaut, er ist härter gefallen, als er gestoßen wurde." Der 75-Jährige war bei einer Anti-Rassismus-Demonstration in Buffalo im US-Staat New York von zwei Polizisten niedergestoßen worden. Er zog sich eine blutende Kopfverletzung zu.

(APA/dpa/ag.)

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