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Genf wurde im Jahr 563 von Tsunami überschwemmt

Archivbild: Genfersee bei Lausanne im Dezember 2011 während Sturmtief Joachim.
Archivbild: Genfersee bei Lausanne im Dezember 2011 während Sturmtief Joachim. ©AP
Auch die Schweiz ist nicht vor Tsunamis gefeit. Im Jahr 563 fegte eine katastrophale Flutwelle über den Genfersee. Forscher haben nun die Ereigniskette des Unglücks gelüftet, wie sie in einem Fachartikel in "Nature Geoscience" schreiben.
Archiv: Sturm Joachim über Genfersee

Tsunamis stellen vor allem für die Meeresküsten eine Gefahr dar, wie die Katastrophen in Indonesien 2004 und Japan 2011 dramatisch gezeigt haben. Aber auch in der Schweiz mit ihren zahlreichen Seen kann es zu zerstörerischen Flutwellen kommen – ganz ohne Erdbeben.

Tsunami auf dem Genfersee

Für den Fachartikel führte ein Team der Universität Genf neue seismische und Sedimentanalysen für einen Steinschlag durch, der im Jahr 563 einen großen Tsunami auf dem Genfersee ausgelöst hatte. Die Autoren warnen, dass die dicht besiedelte Region auch in Zukunft in Gefahr sein könnte.

Der Steinschlag ereignete sich demnach in den Walliser Bergen nahe des Rhonedeltas, 70 Kilometer von Genf entfernt. Laut den Untersuchungen des Teams um Katrina Kremer kollabierte ein Teil des Deltas und löste eine etwa acht Meter hohe Flutwelle aus, die nach etwa 70 Minuten Genf erreichte.

Dörfer und Viehherden weggespült

Die Flut ist als Katastrophe von Tauredunum bekannt. Gemäss historischen Berichten spülte sie Dörfer und Viehherden davon, zerstörte die Brücke und Mühle in Genf und drang in die Stadt ein, wo mehrere Menschen umkamen.

“Der genaue Ablauf der Ereignisse ist bisher unklar”, schreiben die Genfer Limnogeologen, Spezialisten für Seesedimente. Sie untersuchten die seismischen Eigenschaften an den tiefsten Stellen des Genfersees, dem größten natürlichen See Westeuropas, und entnahmen Bohrkerne des Seebodens.

Chaotisches Gestein am Seeboden

Sie fanden eine große Zone chaotischen Gesteins am Seeboden, zehn Kilometer lang und fünf Kilometer breit, die sie als Steinschlag interpretieren. Die Forscher vermuten, dass dieser das Rhonedelta destabilisierte, sodaß es kollabierte und eine Welle auslöste.

Computersimulationen der Ereignisse deuten darauf hin, dass eine 13 Meter hohe Welle nach nur 15 Minuten Lausanne erreichte, die nach 70 Minuten mit acht Meter Höhe in Genf ankam. Diese könnte leicht über die Stadtmauer geschwappt sein, die Brücke und Mühle getroffen haben, wie die Zeitzeugen Gregoire de Tours und Marius d’Avenches berichtet haben.

Stadt Genf besonders gefährdet

“Der Auslöser dieses Tsunamis ist keineswegs einzigartig”, schreiben die Forschenden. Noch immer würden Flusssedimente das Rhonedelta füllen. Somit könnten Tsunamis von bis zu 13 Metern Höhe im Genfersee, an dessen Gestaden eine Million Menschen leben, auch in Zukunft vorkommen.

Die Stadt Genf mit 200.000 Einwohnern sei besonders gefährdet, und zwar durch ihre Lage nur wenige Meter über dem Seespiegel und am Ende des trichterförmigen See-Endes – eine Konstellation, durch die sich die Wellenhöhe deutlich erhöht.

(APA)

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