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Generalstreik legt Griechenland lahm

Nach viertägigen Unruhen hat am Mittwoch ein Generalstreik Griechenland lahmgelegt. Rund 10.000 Demonstranten zogen am Vormittag an ausgebrannten Geschäften in der Athener Innenstadt vorbei zum Parlament und protestierten gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung. Ausschreitungen

Bei der Kundgebung kam es erneut zu Straßenschlachten zwischen jugendlichen Demonstranten und der Polizei. Die Randalierer warfen mit Molotow-Cocktails und Steinen, die Sicherheitskräfte antworteten mit Tränengas. Auch in Thessaloniki gab es Ausschreitungen.

Die beiden größten Gewerkschaften hatten zuvor einen Appell von Ministerpräsident Kostas Karamanlis zurückgewiesen, angesichts der angespannten Lage den Protest abzusagen. Der Generalstreik legte das Land weitgehend lahm: Der Internationale Flughafen von Athen wurde geschlossen, auch der öffentliche Nahverkehr in Athen und andere Einrichtungen waren betroffen. Die Schulen und die Ministerien öffneten am Mittwoch ebenfalls nicht ihre Pforten. Hotels und Taxis wurden dagegen nicht bestreikt.

Die Opposition fordert inzwischen den Rücktritt von Karamanlis, dessen Regierung im Parlament nur die hauchdünne Mehrheit von einer Stimme hat. “Die Regierung kann die Krise nicht bewältigen, und sie hat das Vertrauen des griechischen Volkes verloren”, erklärte der sozialistische Parteichef Giorgios Papandreou. Er machte politische Fehlentscheidungen und Versäumnisse für die Unruhen verantwortlich.

Der Generalstreik war als Protest gegen die Wirtschaftspolitik der konservativen Regierung bereits vor den Krawallen angesetzt worden, die nach dem Tod eines Jugendlichen durch die Schüsse eines Polizisten am vergangenen Samstag begannen. Die Demonstranten in Athen forderten außer besseren Löhnen auch die Bestrafung der Verantwortlichen für den Tod des 15-Jährigen. “Wir wollen keine Polizeigewalt. Die Verantwortlichen müssen hart bestraft werden”, skandierten die Teilnehmer der Kundgebung.

Der 15-jährige Alexandros (Alexis) Grigoropoulos soll allerdings nicht durch einen gezielten Schuss, sondern von einem Querschläger tödlich getroffen worden sein. Das teilte ein Anwalt der beiden betroffenen Polizisten, Alexis Cougias, am Mittwoch in Athen mit. Ein ballistisches Gutachten stütze die Angaben der Beamten, dass sie Warnschüsse abgegeben und nicht direkt auf den Jugendlichen gezielt hätten. Das Gutachten wurde zunächst nicht von den Behörden veröffentlicht. Ein 37-jähriger Beamter wird des Mordes, sein 31-jähriger Kollege der Mittäterschaft beschuldigt. Am Mittwochnachmittag sollten die beiden Polizisten, die sich in Untersuchungshaft befinden, dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden, berichtete das Staatsradio.

Am Dienstagabend war es in Athen und anderen griechischen Städten erneut zu schweren Zusammenstößen zwischen Linksradikalen und der Polizei gekommen. Vermummte Jugendliche zogen die vierte Nacht in Folge durch die Innenstädte und zündeten Barrikaden an, plünderten Geschäfte und warfen Scheiben ein. In der westgriechischen Stadt Patras griffen Randalierer am Abend Polizeiwachen mit Molotow-Cocktails und Steinen an.

Zuvor war es bereits bei der Trauerfeier für den getöteten 15-Jährigen in Athen zu heftigen Zusammenstößen zwischen Jugendlichen und der Polizei gekommen. Insgesamt seien am Dienstag in Athen mehr als 40 Personen festgenommen worden, teilten die Behörden mit. Sieben Polizisten wurden demnach verletzt. Über verletzte Zivilisten lagen keine Zahlen vor.

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