Geiselnahme Klosterneuburg: Täter tot, Geisel unverletzt

Eine Geiselnahme in der Bezirkshauptmannschaft Wien-Umgebung in Klosterneuburg hat die Polizei am Dienstag sechs Stunden lang in Atem gehalten. Der Täter, der zuvor einen Mitarbeiter durch Schüsse lebensgefährlich verletzt und eine Frau als Geisel genommen hatte, richtete nach deren Befreiung die Waffe gegen sich selbst. Er starb während des Transports ins Krankenhaus.
Schüsse in der Bezirkshauptmannschaft

Gegen 13.30 Uhr hatte der 55-Jährige aus Wolfsgraben den Leiter der Abteilung für Forst, Jagd und Landwirtschaft mit mehreren Schüssen niedergestreckt. In der Folge verschanzte er sich mit einer Mitarbeiterin (52) in einem Raum. Nachdem die Schüsse gefallen waren – laut Landeskriminalamt (LKA) waren es mehr als zehn -, wurden Polizei und Rettung verständigt. Der Verletzte wurde ins Spital gebracht, das Gebäude evakuiert und der Bereich großräumig abgesperrt.

Der Einsatzstab alarmierte insgesamt 130 Kräfte von Cobra, Wega, LKA und Polizei. Diese drangen gegen 17.00 Uhr in das Gebäude ein und nahmen Verhandlungen mit dem Mann auf – mit dem Ziel, die Geisel freizubekommen, erläuterte Cobra-Einsatzleiter Hannes Gulnbrein. Die Gelegenheit ergab sich, als der Geiselnehmer Zigaretten verlangte. Als die Frau das Päckchen holen sollte, griffen die Beamten ein und konnten die 52-Jährige unverletzt in Sicherheit bringen. Innerhalb der folgenden 30 Sekunden, in denen der Täter allein im Raum war, fiel ein Schuss – er hatte sich selbst gerichtet.

Zum Motiv führte Bezirkshauptmann Wolfgang Straub bei einer Pressekonferenz nach Abschluss der Aktion aus, dass der 55-Jährige, der ein Gestüt hatte und seine Koppel erweitern wollte, seit langem im Zwist mit der Behörde lag. Dabei ging es sowohl um Umwelt- als auch Tierschutzbelange. Nachdem er dem Auftrag, illegale Ablagerungen zu entfernen, nicht nachgekommen war, sollten im Zuge des Vollstreckungsverfahrens seine Pferde gepfändet werden, was das Fass offenbar zum Überlaufen brachte. Nach Betreten der Abteilung soll er ohne vorangegangene Diskussion geschossen haben.

LKA-Chef Franz Polzer merkte an, dass der Mann als Einzelgänger galt, seine Familie sei bereits vor Jahren zerbrochen. Er hatte zwei – illegale – halbautomatische Faustfeuerwaffen bei sich, die aus dem amerikanischen Raum stammten.

Der angeschossene Abteilungsleiter wurde ins AKH Wien überstellt und notmedizinisch versorgt. “Ihm geht es leider nicht sehr gut. Er ist lebensgefährlich verletzt und wird zur Stunde noch operiert”, so Straub am Abend. Die Mitarbeiterin wurde nach ihrer Befreiung vom Akutteam betreut. “Sie hat zuerst gelacht, ist mir um den Hals gefallen und dann in Tränen ausgebrochen”, sagte der Bezirkshauptmann.

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