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Geiselnahme in Mazedonien beendet

Eine Geiselnahme albanischer Extremisten in Mazedonien ist am Samstag nach drei Tagen ohne Blutvergießen zu Ende gegangen. Die Geiselnehmer konnten entkommen.

Wie ein Sprecher des Innenministeriums, Vojislav Zafirovski, in Skopje mitteilte, ließen die albanischen Entführer fünf slawische Mazedonier frei, die sie in der Nähe von Gostivar am Donnerstag bei der Kaperung eines Linienbusses in ihre Gewalt gebracht hatten. Drei weitere Geiseln hatten sie vorher bereits freigelassen. Die Entführer hatten die Freilassung von drei Albanern verlangt, die unter dem Vorwurf verhaftet worden waren, zwei Polizisten getötet zu haben.

Der Sprecher des Innenministeriums sagte, die freigelassenen Geiseln seien bei guter Gesundheit, „bis auf eine, die wiederholt geschlagen wurde“. Er fügte hinzu, dass es keinen Polizeieinsatz gegeben habe, „und es den Geiselnehmern gelungen ist, zu entkommen“. Nach der Geiselnahme und einem Aufmarsch von Panzereinheiten in dem überwiegend von Albanern bewohnten Gebiet zwischen den Städten Tetovo und Gostivar im Westen des Balkanlandes haben sich die Spannungen wieder gefährlich verschärft.

Die Entführer stehen nach Behördenangaben dem früheren albanischen Rebellen-Anführer Ali Ahmeti nahe. Slawische nationalistische Kräfte in der mazedonischen Regierung hatten damit gedroht, die Verhaftung Ahmetis zu erwirken, obwohl diesem im Rahmen eines Friedensabkommens vom Vorjahr Straffreiheit gewährt wurde. Ein Sprecher Ahmetis wies eine Verbindung zu den Entführern zurück. Ahmeti kandidiert bei den Parlamentswahlen, die am 15. September stattfinden sollen. Seine Festnahme könnte zu einem neuen Gewaltausbruch führen. Zwei slawo-mazedonischen Polizisten wurden am vergangenen Montag unweit von Gostivar erschossen. Zu dem Mordanschlag hatte sich die „Albanische Nationalarmee“ (AKSh) bekannt.

Mazedonien war im vergangenen Jahr nach Kämpfen zwischen albanischen Rebellen und Regierungstruppen an den Rand eines Bürgerkriegs geraten. Mit internationaler Vermittlung haben sich die Politiker beider Bevölkerungsteile auf einen in Ohrid unterzeichneten Friedensplan geeinigt, der Verfassungsänderungen und der albanischen Volksgruppe mehr Rechte brachte. Als Konsequenz des Ohrid-Abkommens hatten sich einige hundert Kämpfer der albanischen UCK-Rebellen in das benachbarte Kosovo zurückgezogen, während der Großteil in den von der UCK kontrollierten Ortschaften verblieben ist und lediglich die Uniform ausgezogen hat. Bei den kommenden Wahlen wird allgemein mit einer Niederlage der regierenden slawisch-nationalistischen VMRO-DPMNE („Innere Mazedonische Revolutionäre Organisation – Demokratische Partei für die Nationale Einheit“) des Ministerpräsidenten Ljubco Georgievski gerechnet.

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