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Gegner oder Verbündeter des IS? - Hartnäckige Vorwürfe gegen Ankara

Aus westlichen Diplomatenkreisen heißt es: "Wir wissen nicht, in welchen Mengen oder über welche Firmen, aber es ist klar, dass der IS einen Teil seines Öls an die Türkei verkauft."
Aus westlichen Diplomatenkreisen heißt es: "Wir wissen nicht, in welchen Mengen oder über welche Firmen, aber es ist klar, dass der IS einen Teil seines Öls an die Türkei verkauft." ©AP
Die Türkei listet die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) offiziell als Terrororganisation, die eine unmittelbare Bedrohung für das Land bedeute. Kritiker halten Ankara dagegen vor, den Aufstieg der Gruppe im Nachbarland direkt befördert und sogar von deren Erfolg profitiert zu haben.

Wortführer der Kritiker ist derzeit Russlands Staatschef Wladimir Putin, der nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe wiederholt auf Ankaras vermeintliche Zusammenarbeit mit dem IS anspielte. Was ist an den Vorwürfen dran?

HAT DIE TÜRKEI DEN IS JEMALS UNTERSTÜTZT?

Kritiker werfen Ankara vor, den IS zu tolerieren und die Jihadisten sogar als nützliche Verbündete gegen den syrischen Machthaber Bashar al-Assad zu unterstützen. Die Türkei weist diese Vorwürfe zurück und verweist darauf, dass Ankara die Gruppe als Terrororganisation einstufe.

In diesem Jahr wurde die Türkei von mehreren Anschlägen erschüttert, für die der IS verantwortlich gemacht wird. Allerdings soll es Medienberichten zufolge, die nie dementiert wurden, geheime Gespräche zwischen dem IS und Ankara gegeben haben, die zur Freilassung von 49 im Jahr 2014 vom IS entführten Mitarbeitern des türkischen Konsulats in Mossul geführt haben sollen.

Im Oktober 2014 zog sich US-Vizepräsident Joe Biden den Zorn des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu, als er erklärte die Türkei sei “so entschlossen”, Assad zu stürzen, dass das Land jeden fördere, der die Regierung in Damaskus bekämpfe – auch Jihadisten.

BETREIBT DIE TÜRKEI ÖLHANDEL MIT DEM IS?

Es waren die bisher schwersten Vorwürfe Putins gegen Ankara: Am Montag warf der russische Staatschef der türkischen Führung vor, den russischen Kampfjet abgeschossen zu haben, um Ölexporte aus vom IS kontrollierten Gebieten in Syrien in die Türkei zu sichern. Russland habe Informationen darüber, dass Öl aus Gebieten unter IS-Kontrolle in Syrien “in gewerblichem Maß in die Türkei transportiert wird”.

Putin bekräftigte am Donnerstag erneut den Vorwurf der Zusammenarbeit mit “Terroristen” und warf der türkischen Elite vor, “sich die Taschen zu füllen”, indem sie sich am illegalen Ölhandel der IS-Jihadisten beteilige.

Erdogan erklärte, er sei zum Rücktritt bereit, sollten sich Angaben über Ölgeschäfte der Türkei mit dem IS bewahrheiten. Am Donnerstag bezichtigte er seinerseits Russland, selbst in den Ölhandel mit dem IS verwickelt zu sein.

Fakt ist, dass der IS fast alle großen Ölfelder in Syrien kontrolliert. Aus westlichen Diplomatenkreisen heißt es: “Wir wissen nicht, in welchen Mengen oder über welche Firmen, aber es ist klar, dass der IS einen Teil seines Öls an die Türkei verkauft.”

Nihat Ali Özcan, Experte beim türkischen Politikinstitut Tepav, erklärte, es habe zeitweise eine Zunahme beim Ölschmuggel an der syrischen Grenze gegeben, es müsse sich aber nicht um Öl des IS gehandelt haben. Auch vor dem Erscheinen des IS habe dort ein Netzwerk syrischer und türkischer Schmuggler bestanden. Mit der zunehmenden Sicherung der türkischen Grenze nehme der Schmuggel derzeit ab.

LÄSST DIE TÜRKEI JIHADISTEN NACH SYRIEN?

Von den westlichen Verbündeten wurde die Türkei lange dafür kritisiert, das Überqueren von IS-Aktivisten über die syrische Grenze nicht zu verhindern. Seit den Anschlägen auf türkischem Boden und den Anschlägen von Paris beteiligt sich die Türkei aber stärker an der Bekämpfung des IS. Razzien gegen mutmaßliche Jihadisten in Städten wie Istanbul haben zugenommen, fast täglich werden Festnahmen an der Grenze gemeldet.

Überdies baut die Türkei eine Mauer entlang der Grenze. US-Außenminister John Kerry sagte am Mittwoch, es gebe noch einen 98 Kilometer langen Abschnitt, der nicht geschlossen sei, Erdogan habe eine Schließung aber zugesichert.

(APA)

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