Gedanken zum Landesstadion

Eine umsetzbare Vision nennt Landtagsabgeordneter Johannes Rauch seine Gedanken zum Landesstadion. Im Interview mit den "Vorarlberger Nachrichten" sprach er über die Machbarkeit dieses Projektes.

VN: Selbst für den Landeshauptmann ist das Landesstadion kein Tabuthema mehr. Sie sprechen gar von einer umsetzbaren Vision.

Johannes Rauch: Auf politischer Ebene wird über Gemeindekooperationen diskutiert. Damit beschäftige ich mich seit Jahren. Das Kirchturmdenken muss ein Ende haben, unterm Strich kostet es uns viel Geld. Großzügige Lösungen sollten angedacht werden, egal ob bei der Altersbetreuung oder im Fußball. Als Matchbesucher habe ich mich einfach auch mit dem Thema Fußballstadion auseinander gesetzt.

VN: Können Sie Ihre Überlegungen konkretisieren?

Rauch: In der Vergangenheit wurden Landesgelder in die Stadien in Bregenz, Lustenau und Altach investiert, einen zufriedenstellenden Istzustand haben wir nicht erreicht. Konkrete Zahlen kenne ich nicht, unterm Strich dürften aber mehr als zehn Millionen Euro zusammenkommen. Jetzt haben wir mit Altach, Austria Lustenau und FC Lustenau drei Profimannschaften. Keiner weiß, was in drei Jahren ist. Klar ist aber, dass ein gemeinsames Stadion für alle nur Vorteile bringen würde.

VN: Haben Sie deshalb Ihre Gedanken auf Papier gebracht?

Rauch: Für mich ist die Zeit reif, konkret darüber nachzudenken. Dies ist aber keine Parteiaktion. Ich möchte, dass das Land dahintersteht, deshalb wird es parlamentarisch von uns auch keinen Druck geben. Der Sportlandesrat hat die Kompetenz, er muss die Sache gemeinsam mit dem Landeshauptmann angehen.

VN: Wie könnte die Vorgangsweise Ihrer Ansicht nach aussehen?

Rauch: Ein Grundsatzbeschluss muss gefasst werden. Dazu braucht es die Vertreter des Landes, die Bürgermeister und die Fußball-Präsidenten. Dabei muss geklärt werden: Wollen wir ein Stadion oder wollen wir es nicht? Aus meiner Sicht müsste ein massives Interesse des Landes und der Gemeinden da sein. Und die Vereine müssen sich klar darüber sein, dass sie auch eine gewisse Abhängigkeit von den Geldgebern haben. Es kann doch nicht sein, dass wie in der Vergangenheit sinnlos husch, husch viel Geld in Stadionumbauten investiert wird und Steuergelder im Gießkannenprinzip verteilt werden. Gerade im Fußball mit Auf- und Abstieg sind Planungen schwer, in einem Landesstadion aber könnten jeweils die besten Klubs spielen.

VN: Doch die Vereine fürchten den Verlust ihrer Identität.

Rauch: Mir ist schon klar, mit wie viel Herzblut viele Ehrenamtliche in den Vereinen arbeiten, ohne die ein Klub nicht existieren könnte. Für mich nachvollziehbar, dass die auch an ihrem Stadion hängen, das darf man nicht außer Acht lassen, muss man schätzen. Dennoch bin ich von der Umsetzbarkeit eines Landesstadions überzeugt.

VN: Bleibt noch die Frage des Standorts.

Rauch: Diese Frage darf nicht vordergründig sein, ansonsten ist das Projekt zum Tode verurteilt. Erst wenn es ein Ja zu einem Stadion gibt, sollten auch verschiedene Varianten geprüft werden. Das Dreieck Altach, Dornbirn, Lustenau bietet sich an. Das darf kein Problem sein. Unsere Lebensräume verändern sich, das Rheintal ist ein Ballungsraum geworden. Leute wohnen in Rankweil, arbeiten in Bregenz und kaufen in Dornbirn ein. Also darf der Standort nicht das Problem sein.

VN: Wie soll ein Stadion betrieben werden?

Rauch: Das Land, der Gemeindeverband und auch die Vereine müssen in einer Betriebsgesellschaft zusammenarbeiten.

VN: Die Vereine haben jedoch verschiedene Sponsoren, etwa die Brauereien.

Rauch: An der Bierfrage darf es nicht scheitern. Auch in Gemeindesälen werden solche Probleme schnell gelöst. Einfach andere Fässer anhängen und schon geht es.

KOMMENTAR VON CHRISTIAN ADAM: Nägel mit Köpfen

Vor Jahren noch als Illusion abgestempelt, inzwischen ist das Landesstadion auch für die Politik kein Tabuthema mehr. Millionenbeträge sind in den letzen 15 Jahren in verschiedene Stadien geflossen, getreu dem Motto: In jeder Gemeinde ein gepflegter Fußballplatz. Längst aber hat der Fußballsport die Landesgrenzen überschritten, sind die Anforderungen gestiegen. Im Eilverfahren wurden Mindestanforderungen finanziert, zumeist blieb es bei Provisorien. Denken wir an das Glashaus im Reichshofstadion, das seit Jahren ein erbärmliches Dasein fristet. Denken wir an die Stahlgerüste im Schnabelholz, die zwar den Bundesligafußball garantieren, aber niemanden befriedigen. Oder denken wir an das Casinostadion, in dem die Zuschauer weit weg vom Geschehen sitzen.

Erstmals wird offen über ein Landesstadion diskutiert. Es darf nicht bei der Diskussion bleiben, die Profiklubs müssen über ihren Schatten springen. Professioneller Sport benötigt ein professionelles Umfeld. Die Vorteile liegen auf der Hand, wären sowohl wirtschaftlicher, touristischer als auch sportlicher Natur. Die Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen, ist gekommen. Diese Chance darf Vorarlberg einfach nicht mehr nicht verpassen, zumal auch die EURO 2008 vor der Tür steht.

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