Gedämpfte Aussichten: Vorarlberger Industrie verteidigt TTIP und Freihandel

Die Vorarlberger Wirtschaft sei aufgrund der aktuellen Unsicherheiten ernüchtert, so das Fazit.
Die Vorarlberger Wirtschaft sei aufgrund der aktuellen Unsicherheiten ernüchtert, so das Fazit. ©VOL.AT/Rauch
Lustenau. Die Vorarlberger Industrie blickt zuversichtlich in die Zukunft - ist aber auch verunsichert aufgrund von Brexit, Terror und drohenden neuen Abgaben. Dies ergibt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung und der Wirtschaftskammer.

Die Erwartungen der Industrie an die nächsten Monate sind gedämpft. Schuld daran ist die Zunahme an Unsicherheiten, betont IV-Präsident Martin Ohneberg bei der gemeinsamen Präsentation mit der Wirtschaftskammer. So würde der Brexit, die Terrorgefahr, der Krieg im Nahen Osten, die Krise in Griechenland wie auch die gerade wieder verlängerten Russlandsanktionen die Stimmung drücken.

Stimmung durchschnittlich

Dennoch, unterm Strich ist die Stimmung positiv und bewegt sich auf dem Niveau der letzten fünf Jahre. Der Geschäftsklimaindex rutschte von 38,5 Punkten im ersten Quartal auf  25,6 Punkte drei Monate später. Der Index ist ein Mittelwert aus den Beurteilungen der aktuellen Geschäftslage und jener der nächsten sechs Monate. Diese gedämpfte Erwartungshaltung zur Anzahl der Beschäftigten und Neuanstellungen, Geschäftslage und Ertragssituation müsse man jedoch ernst nehmen, so die Industrievertreter.

Schwerindustrie optimistisch, Textilproduzenten eher verhalten

Optimistisch blickt man vor allem bei der Maschinen- und Metallindustrie in die nahe Zukunft. Dank voller Auftragsbücher erwarten die meisten Unternehmen eine gleichbleibend gute Situation, verhalten ist man jedoch bei der Zahl der Beschäftigten und Ertrag. Auch die Genuss- und Lebensmittelindustrie erwartet eine gleichbleibend gute Situation und verbesserte Erträge.

übersicht konjunktur
übersicht konjunktur

In der Elektroindustrie erwarte man sogar einen Anstieg bei der Zahl der Beschäftigten, auch wenn die Verkaufspreise weiter im Sinken begriffen sind. Verhalten bis negativ ist Stimmung in der Textilindustrie, auch wenn erwartet wird das diese sich in Zukunft bessert.

Industrie sieht sich unter Druck

Die Umfrage zeigt aus Sicht der Industriellenvereinigung, unter welchem Preis- und Effizienzdruck die exportorientierte Vorarlberger Industrie steht. 58 Prozent der hier produzierten Güter werden ins Ausland exportiert. Wenig verwunderlich kann man daher der diskutierten Wertschöpfungsabgabe, Maschinensteuer und einer verkürzten Arbeitswoche wenig abgewinnen. Vielmehr brauche es einen positiven Zugang zu mehr Automatisierung und Digitalisierung. “Forderungen nach einer 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich und einer zusätzlichen Woche Urlaub sind angesichts des hohen Preisdrucks reine Utopie”, erklärt Ohneberg.

indikatoren
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Industrie brauche Freihandel – und damit TTIP

Vor allem verteidigen Ohneberg und Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie der Vorarlberger Wirtschaftskammer, vor diesem Hintergrund die Verhandlungen rund um TTIP und CETA. Die anhaltende Kritik ist aus ihrer Sicht populistisch, sie fordern eine Versachlichung der Diskussion. Solange die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen sind, sei jede Kritik reiner Schall und Rauch. Ohneberg vermisst im Interview hier auch den Mut der Politik, Entscheidungen zu treffen und für diese auch einzustehen. Für ihn wählt man Politiker, um Entscheidungen für das Volk zu treffen – und nicht, um diese per Volksbefragung an selbiges abzuwälzen.

Konjunkturumfrage der Industrie

Die Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer wird quartalsmäßig erstellt. Für das zweite Quartal 2016 wurden 50 Vorarlberger Unternehmen mit insgesamt knapp 24.000 Beschäftigten befragt. Erhoben wird der aktuelle Stand und Erwartungen zur Auftragslage, Auslandsaufträge, Beschäftigung von Arbeitnehmern, Ertrag, Geschäftslage, Produktion und Verkaufspreise. Aus den Antwortmöglichkeiten “gut”, “durchschnittlich” und “schlecht” wird ein Saldo errechnet.

Die Detailauswertung der Konjunkturumfrage 2. Quartal

 

 

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