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GB: Terrorfahndung läuft auf Hochtouren

Glasgow - Die britische Polizei fahndet nach dem gescheiterten Anschlag auf den Flughafen Glasgow und der Entdeckung von zwei Autobomben in London mit Hochdruck nach Attentätern und Hintermännern.

Fünf Verdächtige wurden festgenommen, es gab Razzien in mehreren Ortschaften in Schottland und England. Die Regierung vermutet Terroristen mit Verbindungen zur Al-Kaida als Urheber. Vor dem Krankenhaus in Glasgow, in dem einer der fünf Festgenommenen behandelt wurde, löste die Polizei an einem Fahrzeug eine kontrollierte Explosion aus. Sprengstoff wurde nicht gefunden.

In Großbritannien herrscht die höchste Terroralarmstufe. Premierminister Gordon Brown warnte vor einer länger anhaltenden Bedrohung. Die Briten würden sich nicht einschüchtern lassen, versicherte Innenministerin Jacqui Smith, die am Sonntag eine Sitzung des Krisenausschusses der Regierung leitete.

Die Antiterrorfahnder nahmen zunächst insgesamt fünf Verdächtige fest. Darunter waren auch die beiden mutmaßlichen Attentäter, die am Samstag mit einem Geländewagen in den Flughafen von Glasgow gerast waren. In der Nähe des Flughafens wurden am Sonntag mehrere Häuser durchsucht. Auf einer Autobahn in Nordengland wurden dann am Sonntagmorgen zwei Verdächtige verhaftet. Später wurden Wohnungen in Newcastle-Under-Lyme durchsucht, das zwischen Manchester und Birmingham liegt. Ein 25-jähriger Mann wurde in Liverpool festgenommen, auch dort wurden zwei Wohnungen durchsucht.

Der unter Polizeibewachung in einem Krankenhaus liegende Verdächtige erlitt Brandverletzungen, als der Geländewagen am Samstagnachmittag in die Abfertigungshalle des Flughafens Glasgow raste und in Flammen aufging. Das grüne Auto zerbrach die Glastore des Terminals und kam nur wenige Meter vor einer Warteschlange von Fluggästen zum Stehen. „Wäre er durchgekommen, hätte er Hunderte getötet“, sagte ein Reisender.

Die beiden Insassen des Fahrzeugs wurden von Polizisten überwältigt. Fünf Passanten wurden wegen Verletzungen behandelt, einer musste mit einer Beinverletzung ins Krankenhaus gebracht werden. Von der sofortigen Räumung des Flughafens waren rund 2.500 Passagiere betroffen. Erst am Sonntag wurde der Flughafen wieder geöffnet.

Die Polizei geht von einem klaren Zusammenhang zwischen der Tat in Glasgow und den beiden Anschlagsversuchen in London aus. In allen drei Fahrzeugen hätten sich große Mengen entzündlicher Materialien befunden, erklärten die Behörden. Aus britischen Sicherheitskreisen verlautete, es gebe Hinweise darauf, dass der Angriff in Glasgow als Selbstmordanschlag geplant worden sei.

Am Samstagabend setzten die Behörden ihre Sicherheitswarnung auf die Einstufung „kritisch“ herauf. Dies bedeutet, dass mit der Möglichkeit von unmittelbar bevorstehenden Anschlägen gerechnet wird. Zuletzt bestand diese Sicherheitswarnung im August 2006 nach der Aufdeckung von Plänen für Anschläge auf mehrere Transatlantikflüge. Ein Jahr zuvor wurden bei den Anschlägen auf den Londoner Nahverkehr 52 Menschen getötet.

Die terroristische Bedrohung stellt den neuen Premierminister Brown nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt am Mittwoch vor eine gewaltige Herausforderung. „Ich weiß, dass das britische Volk entschlossen und stark zusammenstehen wird“, sagte Brown am Samstagabend. Am Sonntag versicherte er in einem BBC-Fernsehinterview: „Wir werden nicht nachgeben, wir lassen uns nicht einschüchtern und wir werden niemand erlauben, unseren britischen Lebensstil zu untergraben.“

Der Flughafen Glasgow nahm am Sonntag wieder den Betrieb auf. In den ersten Stunden gab es chaotische Szenen, weil der Flugverkehr und die Abfertigung nur schleppend wieder in gang kamen. Störungen wurden auch von anderen britischen Airports berichtet. Überall wurden nach der Erhöhung der Terrorwarnstufe die Sicherheitskontrollen verschärft. Aus Furcht vor Anschlägen wurden die Straßen vor den jeweiligen Terminalgebäuden gesperrt.

Die Polizei in London stand unter besonderem Druck, da am Sonntag unter anderem ein Gedenkkonzert für Prinzessin Diana im Wembley- Stadium anstand, bei dem bis zu 70.000 Menschen erwartet wurden. Mehr als 450 Polizisten sicherten das Stadion.

Die US-Behörden weiten ihre Sicherheitsvorkehrungen über die Flughäfen hinaus auch auf Massentransportmittel wie Busse und Bahnen aus. Das kündigte Heimatschutzminister Michael Chertoff am Sonntag im US-Fernsehsender Fox News an. Darüber hinaus würden auf Flügen nach Großbritannien und verschiedenen anderen europäischen Flughäfen mehr Air-Mashalls eingesetzt.

Die Behörden in New York evakuierten Medienberichten zufolge am Sonntag vorübergehend einen Terminal des Flughafens John F. Kennedy. Es sei ein verdächtiges Paket gefunden worden, das untersucht werde, hieß es. Das Terminal wurde aber wieder freigegeben. Zu Flug-Verzögerungen kam es nicht.

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