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GB: Ehrenrettung für die letzte Hexe

Gut 50 Jahre nach dem Tod der letzten rechtskräftig verurteilten Hexe des britischen Königreichs und ganz Europas kämpft Mary Martin um die Rehabilitierung ihrer Großmutter.

Die Stimmen der Kinder verfolgen sie bis heute: „Teufelsbrut, hau ab!“, schrien ihre Mitschüler mit hassverzerrten Gesichtern. „Deine Oma ist eine Hexe!“ Gut 50 Jahre nach dem Tod der letzten rechtskräftig verurteilten Hexe des britischen Königreichs und zugleich ganz Europas kämpft Mary Martin immer noch um die Rehabilitierung ihrer Großmutter. Nun beschäftigt der Fall sogar die Regierung von Tony Blair.

Diese Geschichte ist so bizarr, dass viele Inselbewohner sich fragen, wie weit es wirklich her ist mit dem viel gepriesenen gesunden Menschenverstand der Briten. Die Frage hatte sich schon Winston Churchill gestellt, als die schottische Wahrsagerin und Geisterbeschwörerin Helen Duncan 1944 tatsächlich nach einem Gesetz gegen Hexerei aus dem Jahr 1735 wegen „schwarzer Magie“ zu neun Monaten Gefängnis verurteilt wurde.

„Das ging wie ein Aufschrei durch alle Zeitungen“, erzählt Duncans Enkelin. „Sofort kamen all die Sachen mit dem tödlichen bösen Blick und dem Krankheitsfluch hoch.“ Duncans Familie in Edinburghs Arbeitervorort Craigmillar war gebrandmarkt, als die 46-Jährige Hausfrau und Mutter von sechs Kindern ihre Strafe im Londoner Frauengefängnis Holloway antrat.

Kriegspremier Churchill, der einst ebenso wie König Georg VI. bei der Seherin Rat gesucht hatte, nannte das Urteil eine „Albernheit“. Er besuchte Duncan im Gefängnis, aber ihre Freilassung konnte er nicht bewirken. Hinter dem Urteil stand der Militärgeheimdienst. Intensiv wurde damals der „D-Day“ vorbreitet und damit die entscheidende Offensive gegen die deutsche Wehrmacht im Westen.

In dieser Zeit lösten Berichte über die Wahrsagerin bei der Spionageabwehr Alarm aus: Duncan hatte in einer Seance den Geist eines Matrosen des Kriegsschiffes „HMS Barham“ aus dem Totenreich heraufbeschworen. Damit war klar, dass sein Schiff gesunken war. Die Marineführung hatte das aber mit Blick auf die Moral der Truppe vor dem D-Day noch geheim halten wollen.

Duncan galt plötzlich als Gefahr für die nationale Sicherheit. Um sie mundtot zu machen, griff man zum Anti-Hexen-Gesetz von 1735. Churchill setzte erst 1951, in seiner zweiten Amtszeit, die Abschaffung des Hexengesetzes durch. Doch das 1944 gefällte Urteil gegen Duncan, die 1956 verbittert starb, blieb rechtskräftig.

Jahrzehnte später trug eine andere Schottin dazu bei, dass die Beschäftigung mit Hexerei und Zauberei in einer nunmehr allgemein freundlichen Grundstimmung enorm populär wurde: Joanne K. Rowling. Ihr Harry Potter ist eigentlich nichts anderes als ein „Wicca“, wie einst auf angelsächsisch Hexer bezeichnet wurden. Die weibliche Form „Wicce“ wurde zum englischen „Witch“ (Hexe).

Längst erfreuen sich der heidnische Wicca-Glaube und seine magischen Rituale in Großbritannien wie in anderen Ländern wachsender Beliebtheit. Seine Anhänger gehören zu jenen, die weltweit Unterschriften für eine Petition an die britische Regierung sammeln, um die Rehabilitierung von Helen Duncan zu erreichen.

„Ihre Bestrafung war genau so eine Ungerechtigkeit wie die Schandurteile gegen Hexen im 16. und 17. Jahrhundert“, sagt Baron Gordon von Prestoungrange. In seinem gleichnamigen schottischen Dorf hat er bei einem Kunstfestival aus Anlass des 50. Todestages von Helen Duncan am 6. Dezember 2006 die Petition für ihre posthume Ehrenrettung gestartet.

Mehr als 80 Hexen und Hexer, die vor Jahrhunderten in seiner Gegend hingerichtet worden waren, hat der Baron als Amtsvorsteher bereits für rehabilitiert erklärt. Helen Duncan kann er diesen Dienst nicht erweisen. Weil sie seinerzeit vom Obersten Strafgericht in London verurteilt wurde, könnte ihre Ehrenrettung nur auf offizielle Empfehlung der Regierung durch die Königin erfolgen.

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