Gaza: Neuer Luftangriff Israels

Israel hat nach eigenen Angaben einen Luftangriff auf Häuser im Gaza-Streifen geflogen, in denen Munition hergestellt wird. Augenzeugen und Ärzte berichteten, ein Hubschrauber habe Raketen auf die Stadt Chan Junis abgeworfen.

Bei dem Schlag gegen radikale Palästinenser seien zwei Zivilisten verletzt worden. Wenige Minuten vor dem Luftangriff hatte das Sicherheitskabinett bei einem Dringlichkeitstreffen nach Angaben von Teilnehmern beschlossen, wieder gezielte Tötungen von radikalen Palästinensern aufzunehmen. Die Entscheidung sei Teil einer abgestimmten Reaktion auf das neuerliche Aufflammen der Gewalt im Gaza-Streifen, hieß es.

Nach Angaben von Ärzten schlugen zwei Raketen auf einem Acker ein, wobei zwei Menschen verletzt worden seien. Ein drittes Geschoss landete im Hof eines nahe gelegenen Hauses. Augenzeugen sagten, der Angriff sei gegen eine Gruppe radikaler Palästinenser der Al-Aksa-Brigaden gerichtet gewesen. Die Gruppe ist Teil der Fatah-Bewegung von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas. Von den radikalen Palästinensern sei niemand verletzt worden. Ein beschossenes Haus gehöre einem führenden radikalen Palästinenser, Maher al-Fara, der auf einer Liste Israels gesuchter Extremisten stehe.

Die israelische Armee teilte mit, seit Freitag hätten Palästinenser etwa 40 Raketen nach Israel abgefeuert. In Gaza hieß es von Seiten radikaler Palästinenser, der Raketenbeschuss sei Vergeltung für eine Explosion im Gaza-Streifen am Freitag, bei der 15 Menschen getötet wurden. Israel hatte jede Verantwortung für den Vorfall zurückgewiesen. Die palästinensische Autonomiebehörde hatte mitgeteilt, es habe sich dabei wohl um einen Unfall gehandelt. Vermutlich sei von Hamas-Mitgliedern versehentlich Sprengstoff gezündet worden.

Bereits zuvor am Samstag hatte Israel mehrere Luftangriffe auf Ziele im Gaza-Streifen geflogen, nachdem palästinensische Extremisten Raketen von dort nach Israel geschossen hatten. Mindestens zwei Mitglieder der militanten Hamas-Bewegung wurden beim Beschuss ihrer Autos getötet, wie Augenzeugen berichteten. Andere Angriffsziele seien Waffenschmieden in Gaza-Stadt und ein Raketenabschussgelände im Norden des Küstenstreifens gewesen, teilte die Armee mit. Das Militär zog zudem Soldaten an der Grenze zum Gaza-Streifen zusammen.

Israel will mit einer großangelegten Militäraktion die jüngsten Raketenangriffe militanter Extremisten vom Gazastreifen aus beantworten. Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, schließt dies notfalls auch einen Einmarsch mit Bodentruppen in den Gazastreifen ein, aus dem sich Israel erst vor zwei Wochen zurückgezogen hat. Die abgestuften Maßnahmen seien am Samstagabend vom Sicherheitskabinett beschlossen worden. Das Gesamtkabinett müsse aber noch zustimmen.

Der Einmarsch in den Gazastreifen werde in den nächsten Tagen erfolgen, falls die palästinensische Autonomiebehörde nicht konkrete Schritte unternehme, um die Raketenangriffe der extremistischen Hamas-Bewegung zu stoppen, teilten die Gewährsleute mit. Der Militäreinsatz werde am (morgigen) Sonntag mit Artilleriebeschuss seitens der Truppen beginnen, die an der Grenze zum Gazastreifen zusammengezogen wurden. Der Beschuss werde bis zur eventuellen Invasion in den nächsten Tagen gesteigert. Geplant sind den Angaben zufolge ferner gezielte Angriffe auf Gebiete, von denen aus Raketen auf Israel abgeschossen werden, sowie gezielte Tötungen von Personen, die daran beteiligt sind.

Ein Sprecher des palästinensischen Innenministeriums bezeichnete die Pläne als schlimme Eskalation, die in eine neue Ära der Gewalt führe.

Verteidigungsminister Shaul Mofaz sagte bei Beratungen mit der Militärführung: „Wir müssen den Palästinensern deutlich machen, dass Israel die jüngsten Ereignisse nicht ohne Reaktion hinnehmen wird.“ Und er fuhr fort: „Die Antwort muss vernichtend sein.“ Der Boden des Gazastreifens solle erzittern.

Der stellvertretende palästinensische Ministerpräsident Nabil Shaath verurteilte zuvor den israelischen Luftangriff vom Samstag als „einen Akt krimineller Aggression“. Israel wolle den im Februar vereinbarten Waffenstillstand aufkündigen. Die Hamas kündigte Vergeltung an. Die in Syrien ansässige Volksfront für die Befreiung Palästinas – Generalkommando (PFLP-GC) erklärte den Waffenstillstand mit Israel für beendet.

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