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Gastkommentar: "Eisenmänner"

©Die "Eisenmänner" von Antony Gormley bewegen die Vorarlberger.
Johannes Rauch, Landesparteiobmann der Vorarlberger Grünen, befasst sich in seinem Gastkommentar mit Antony Gormley's Kunst-Projekt "Horizon Field". Sollen die Eisenmänner stehenbleiben oder wie geplant abgebaut werden?

Die Ausgangslage ist bekannt: Horizon Field, bestehend aus einhundert Abgüssen eines menschlichen Körpers aus massivem Gusseisen, ist ein Projekt von Antony Gormly, umgesetzt mit dem Kunsthaus Bregenz. Die „Eisenmänner“ (in manchen Leserbriefen und Internetforen auch „Zipfelmännle“) stehen in einem Gebiet von 150 Quadratkilometern verteilt und bilden auf 2.039 Metern eine horizontale Linie.
„Es ist die bis heute größte künstlerische und landschaftliche Intervention in Österreich. Mit dem im Bregenzerwald und im Arlberggebiet, in den Gemeinden Mellau, Schoppernau, Schröcken, Warth, Mittelberg, Lech, Klösterle und Dalaas angesiedeltem Horizon Field ist erstmals ein derartiges Kunstprojekt im Gebirge, noch dazu in großer Höhe, umgesetzt worden,“ heißt es dazu auf der Website des Kunsthauses. Die Vorgeschichte ist denkbar komplex mit all den notwendigen Genehmigungen, Verhandlungen mit Grundeigentümern, Transport, Montage und allen sonstigen Widrigkeiten, die einem Projekt dieser Größenordnung widerfahren. Das Projekt war von Haus aus befristet bis Frühjahr 2012, somit sollten die Figuren heuer wieder abgebaut werden. Bereits Ende des letzten Jahres wurden vereinzelt Stimmen laut, die sich dafür aussprachen, die Figuren stehen zu lassen. Dauerhaft. Letztlich fiel die Entscheidung zwischen Kunsthaus und Landhaus aber anders: abbauen und Ende war die Devise. Jetzt hat sich der Freundesverein des Kunsthauses zu Wort gemeldet und vorgeschlagen, eine zweijährige Verlängerung zu genehmigen, mit dem Ziel, bis dahin die Voraussetzungen für ein dauerhaftes Verbleiben der Eisenmänner im alpinen Landschaftsraum zu schaffen. Damit ist die Debatte neu entfacht worden…

Abbauen?

Abbauen sollte man die Figuren dann, wenn sie als bloße Touristenattraktion ohne jeden Bezug zum Ursprungsprojekt, ohne jede kunstvermittelnde Begleitung, ohne jeden Kontext zum Davor und Danach in der Landschaft herumstehen, den einen ein Ärgernis, den anderen vermarktbares Fotomotiv. Das Feld räumen wird Horizon Field auch dann müssen, wenn es nicht gelingt, eine Einigung mit dem Künstler, dem Kunsthaus, den Grundbesitzern, Behörden und Naturschutz zustande zu bringen. Geklärt werden muss folgerichtig auch die Finanzierung und die Trägerschaft – dauerhaft.
Sind diese Voraussetzungen aber gegeben, dann sage ich:

Stehenlassen!

Ein einzigartiges Projekt könnte eine einzigartige Transformation erfahren: Vom zeitlich begrenzten land-art-Projekt zum dauerhaften Kunstobjekt in einem sich ständig verändernden Raum. Die Eisenmänner könnten Beobachter und Kommunikatoren dieser Veränderung alpiner Landschaften werden und zur Auseinandersetzung mit diesen Veränderungen herausfordern: mit dem fortschreitenden Klimawandel und den damit nach oben wandernden Baumgrenzen, der Veränderung der Baumarten ebenso wie den sich ändernden Niederschlagshäufigkeiten und Intensitäten; mit der fortschreitenden (wie weit noch?…) Erschließung mit Seilbahnen, Pisten und Liften; mit der Intensivierung selbst der Alp-Landwirtschaft samt Kühen, die bald mehr Lebendgewicht auf die Waage bringen wie jede der Eisenfiguren; mit klammheimlich ausufernden Zweit- und Ferienwohnsitzen von „Auswärtigen“ auf der einen und verschwindenden Hauptwohnsitzen der „Einheimischen“ in kleinen Berggemeinden auf der anderen Seite. Oder auch nur mit Dauerhaftigkeit, Veränderung und Vergänglichkeit, Wetter und Verwitterung. Natürlich will dieser Diskurs vorbereitet, betrieben und begleitet sein. Dem Land würde er nicht schaden. Schon die absehbare heftige Kontroverse über pro und contra dauerhafter Belassung der Figuren brächte eine kulturpolitischer Auseinandersetzung und Standortbestimmung, wie man sie sich nur wünschen kann , in Zeiten der Um- und Aufbrüche. Wie breit die Resonanz jetzt schon ist, beweist die Zeitung der Vorarlberger Jägerschaft, wo sich unter dem Titel „Der rostige Gesell“ Landeswildbiologe Schatz Gedanken über die Auswirkungen der Eisenmänner auf die Wildpopulation im Gebirge macht (mit dem erstaunlichen Fazit: die Gams gewöhnt sich schneller an die Fremden als das Reh…).
Gelänge diese Transformation von Horizon Field – sie kann auch scheitern, gewiss – dann bliebe dauerhaft bestehen, was uns weiterbringt: Auseinandersetzung mit dem Eigenen, dem Fremden und der Veränderung.

Johannes Rauch

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