Gasexplosion in Viareggio: Tausende pilgerten zu Aufbahrungskammer

In der toskanischen Ortschaft Viareggio pilgerten am Montag Tausende von Menschen zur Aufbahrungskammer, in der sich die Leichen der Opfer des Bahnunglücks des vergangenen Dienstags befinden.

Schon vor Eröffnung der Aufbahrungskammer bildeten sich Schlangen von Menschen vor der Sporthalle, in dem die Särge von 15 der 22 Opfer aufgebahrt sind. Die Leichen von sieben marokkanischen Opfer wurden bereits in ihre Heimat überführt.

Das Staatsbegräbnis für die Opfer ist am Dienstag im Stadion der toskanischen Badeortschaft geplant. In ganz Italien wird morgen (Dienstag) ein Trauertag sein. Am Staatsbegräbnis werden 30.000 Personen erwartet, darunter auch der italienische Präsident Giorgio Napolitano, sowie der EU-Verkehrminister Antonio Tajani. Napolitano wird die Verletzten im Krankenhaus besuchen.

Beim Unglück kamen vier Mitglieder einer fünfköpfigen Familie marokkanischer Migranten ums Leben. Weitere drei Marokkaner, die unweit des Bahnhofs wohnten, erlagen den schweren Brandwunden. Zu den Opfer zählen auch eine Rumänin und ecuadoriansiche Migrantin. Blumen und Spielsachen wurden vor den weißen Särgen zweier Brüder im Alter von zwei und fünf Jahren, Luca und Lorenzo Piacentini, die bei der Explosion mit ihrer Mutter Stefania Maccioni ums Leben gekommen sind.

Inzwischen bessert sich der Zustand der 22 Verletzten, die sich noch in Krankenhäusern der Gegend befinden. “Die Tage vergehen und wir hoffen, dass sich alle retten werden”, sagte der Bürgermeister von Viareggio, Luca Lunardini, am Montag. 136 Personen, die in Wohnungen um den Bahnhof wohnten, sind nach der Explosion obdachlos. Sie wurden bei Angehörigen und in Hotels der Badeortschaft untergebracht. Mehrere von der Explosion beschädigte Gebäude müssen abgerissen werden.

Inzwischen laufen die Ermittlungen rund um die Ursachen des Bahnunglücks auf Hochtouren. Der Präsident der italienischen Staatsbahnen (FS), Innocenzo Cipolletta, bekräftigte, dass die Bahnen keine Verantwortung am Unglück haben. “Wir arbeiten mit der Staatsanwaltschaft und den Untersuchungskommissionen zur Klärung des Unglücks zusammen. Die Staatsbahnen haben alle Vorschriften berücksichtigt”, meinte Cipolletta.

Im Bahnhof des westtoskanischen Urlaubsortes war in der Nacht auf Dienstag aus noch unbekannter Ursache ein mit Flüssiggas betankter Kesselwaggon der in Wien ansässigen Firma Gatx Rail Europa explodiert. Durch die Wucht der Explosion wurden zahlreiche Häuser in der Umgebung zerstört. Experten vermuten, dass ein Achsbruch an dem Tankwaggon das Inferno ausgelöst hat.

Nach dem Unglück hatten die italienischen Staatsbahnen beschlossen, dass Tankwaggons von Gatx Rail Europe vorübergehend nicht mehr in Italien fahren dürfen. Diese Maßnahmen wird so lange in Kraft bleiben, bis Gatx bisher nicht dokumentierte Informationen über die Komponenten der Kesselwagen liefert. Auch SBB Cargo Italia, die im Güterverkehr spezialisierte italienische Tochter der Schweizer Bahnen, beschloss, den Warentransport mit Waggons der Firma Gatx auszusetzen.

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