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Ganz Italien gesperrt, doch Pandemie wächst weiter

Der Alltag in Zeiten der Quarantäne zwingt die Bürger zur radikalen Änderung ihres Alltags
Der Alltag in Zeiten der Quarantäne zwingt die Bürger zur radikalen Änderung ihres Alltags ©APA
Für Italien hat ein Tag unter Quarantäne begonnen. Nach dem Beschluss von Premier Giuseppe Conte, den Handel mit Ausnahme von Supermärkten, Apotheken und Zeitungskiosken abzuriegeln, startet für die Italiener eine Zeit der harten Isolierung, die bis zum 25. März dauern wird.
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Diese könnte aber auch verlängert werden, sollte die Zahl der Infektionen nicht zurückgehen.

Unternehmen arbeiten weiter, allerdings mit besonderen Sicherheitsprotokollen zum Schutz der Mitarbeiter. Firmen müssen alle Abteilungen schließen, die nicht für die Produktion notwendig sind. Die Sperre gilt ebenso für Dienstleister wie Friseur- und Kosmetiksalons sowie Bars und Restaurants. Außer-Haus-Lieferungen sind erlaubt. Beamte müssen auf Teleoffice-Modus setzen. Nur die wesentlichsten öffentlichen Ämter bleiben offen. Bahnen, Flüge und öffentliche Verkehrsmittel sind weiterhin garantiert, allerdings werden viele Verbindungen angesichts des Reiseverbots aufs Minimum stark eingeschränkt.

"Keine Alternative"

"Die Vernunft hat gesiegt. Angesichts der wachsenden Infektionszahlen gibt es keine Alternative zur totalen Abschottung", kommentierte der lombardische Präsident Attilio Fontana die Regierungsmaßnahmen. Fontana hatte von Premier Conte noch rigorosere Schritte gefordert und zwar einen kompletten Stopp des produktiven Systems und der Transporte. Der Präsident Venetiens Luca Zaia verspricht rigorose Kontrollen, damit die Vorschriften eingehalten werden.

Über 800 Tote in Italien

Italiens komplette Abschottung ist laut Premier Conte notwendig geworden, nachdem die Infektionszahlen am Mittwoch weiterhin stark gestiegen sind. 10.590 Personen sind infiziert, über die Hälfte in der Lombardei. 1.028 liegen auf den Intensivstationen und belasten das von Ausgabenkürzungen der vergangenen Jahre geschwächte Gesundheitssystem. Die Zahl der Todesopfer kletterte an einem Tag um 196 auf 827, davon 617 allein in der Lombardei. Die genesenen Patienten - circa 10 Prozent aller Infizierten - sind 1.045 Personen.

"Wir sind noch weit vom Höhepunkt der Epidemie entfernt. Die nächsten zwei Wochen sind entscheidend, um die Entwicklung der Infektion zu begreifen. Die Auswirkungen der rigorosen Regierungsmaßnahmen werden wir nicht binnen weniger Tage sehen. Diese Woche rechne ich mit einem weiteren Zuwachs bei der Zahl der Infizierten", sagte Giovanni Rezza, Direktor der Abteilung für Infektionskrankheiten von Italiens Oberstem Gesundheitssystem ISS.

"Zeit des Kollapses ist nicht weit"

Diese Ansicht teilt auch Premier Conte. "Wir haben erst seit kurzem begonnen, unseren Lebensstil zu ändern. Die positiven Resultate werden wir erst in einigen Wochen zu spüren bekommen. Niemand darf denken, dass man schon in den nächsten Tagen die Auswirkungen sehen wird. Wenn in den nächsten Tagen die Zahl der Infektionen weiterhin wächst, bedeutet das nicht, dass unsere Maßnahmen nicht wirken", erklärte Conte.

Der Premier ergriff die Notstandsmaßnahmen unter dem Druck der Lombardei, die einen Zusammenbruch ihres Gesundheitssystems befürchtet. "Die Zeit des Kollapses ist nicht weit. Unsere Krankenhäuser können nicht ewig diesem Druck Stand halten", sagte der lombardische Gesundheitsbeauftragte Giulio Gallera.

Italien protestiert gegen Österreich

Italien protestierte indessen gegen Österreichs Grenzkontrollen, die zu Kilometer langen Staus an der Brenner-Grenze geführt haben. "Am Brenner ist es wegen der Gesundheitskontrollen zu Engpässen gekommen, an denen wir arbeiten. Man kann den Brenner-Korridor nicht schließen, der für Italiens Logistik und Industrie von wesentlicher Bedeutung ist", so Europaminister Vincenzo Amendola.

"Mit den österreichischen Kollegen haben wir klare Worte gesprochen: Die Aussetzung des Schengen-Abkommens ist nicht annehmbar. Die Grenzen dürfen für den Warentransport nicht geschlossen werden", sagte Amendola dem italienischen Radiosender "Radio Capital" am Donnerstag. Amendola kündigte eine Videokonferenz der EU-Verkehrsminister an, um die Probleme wegen der Grenzschließung infolge der Coronavirus-Pandemie zu diskutieren.

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(APA)

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