GAK war chancenlos

Die Fußball-Champions League dürfte auch in der Saison 2004/05 ohne österreichische Beteiligung über die Bühne gehen.

ÖFB-Doublegewinner GAK verlor am Dienstag das Hinspiel der dritten Qualifikationsrunde gegen Englands Rekordmeister Liverpool FC mit 0:2 (0:1) und hat damit vor dem Rückspiel am 24. August an der Anfield Road nur noch rein theoretische Chancen, den Einzug in die Gruppenphase zu schaffen. Vor 15.400 Zuschauern im ausverkauften Arnold Schwarzenegger-Stadion erzielte Steven Gerrard in der 23. und 79. Minute beide Treffer.

Auch der dritte Versuch die europäische Elite-Liga zu erreichen, wird den „Rotjacken“ nicht das erhoffte Erfolgserlebnis zu bringen. Nach gescheiterten Anläufen gegen Lok Moskau und Ajax Amsterdam erwies sich diesmal das in Gelb angetretene Star-Ensemble der „Reds“ in Graz als Spitzen-Mannschaft, die dem rot-weiß-roten Dominator der Vorsaison die Grenzen aufzeigte. Die Mannschaft von Meistertrainer Walter Schachner war mit dem 0:2 noch gut bedient – zu eindeutig ließ der vierfache Europacupsieger der Meister (1977, 1978, 1981 und 1984) den eklatanten Klassenunterschied erkennen.

„Wer keine Träume und Ziele hat, der hat keine Zukunft“, hatte GAK-Präsident Rudi Roth im Vorfeld des Schlagers auf eine Sensation und den Griff nach den Champions League-Sternen gehofft. Doch schon in der Anfangsphase wurde deutlich, wie groß der Unterschied zwischen Traum und Wirklichkeit ist. Bei Möglichkeiten von Sami Hyypiä (3.) und EM-Torschützenkönig Milan Baros (14.) bewahrte Torhüter Andreas Schranz die Hausherren vor einem frühen Rückstand. Auf der Gegenseite fand Roland Kollmann in der 19. Minute die einzige GAK-Chance vor der Pause vor, setzte den Ball aber am kurzen Eck vorbei.

In der 23. Minute aber fiel der verdiente Führungstreffer für den Liverpool Football Club: Nach Vorarbeit von Harry Kewell und Dietmar Hamann knallte Englands Teamspieler Steven Gerrard den Ball mit rechts vorbei an Schranz ins kurze Kreuzeck zum 0:1. Danach kontrollierte das internationale Ensemble von Neo-Coach Rafael Benitez (kam neu von Spaniens Meister und UEFA-Cup-Sieger Valencia) weiter klar das Geschehen. Die Legionärstruppe (neun Mann der Grundformation stammten aus Polen, Spanien, Finnland, Norwegen, Irland, Deutschland, Australien, Tschechien und Frankreich) hatte durch Neuzugang Djibril Cisse (28.), Baros (32.) und Hamann (41.) die Gelegenheiten zum zweiten Treffer.

Auch nach der Pause fiel kaum auf, dass sich Liverpool den Luxus leisten konnte Stürmer-Star Michael Owen (damit verdichteten sich die Wechselgerüchte) auf der Bank zu lassen. Cisse (50.) und Hyypiä (60.) scheiterten, ehe Gerrard (67.) zum zweiten Mal traf. Da hatte der GAK aber noch Riesenglück, da der Schiedsrichterassistent auf Foul von Cisse an Pogatetz entschied und das Tor nicht zählte. In der 79. Minute aber war es soweit: Über Cisse und Kewell kam der Ball zum herausragenden Mittelfeldmotor, der mit Englands Team auch in der WM-Qualifikation am 4. September gegen das ÖFB-Team in Wien im Einsatz sein wird, und Gerrard traf genau ins lange Eck – 0:2.

Für die Hausherren standen lediglich ein Kollmann-Kopfball (57.) und ein Standfest-Schuss in die Wolken (77.) zu Buche. Am Ende sangen die mitgereisten Liverpool-Fans ihr berühmtes „You’ll never walk alone!“ – dieser legendäre Chor wird auch in der Champions League ertönen. Für den GAK bleibt die erste UEFA-Cup-Runde als Trostpflaster.

Walter Schachner (GAK-Trainer): „Wir haben alles versucht, aber für uns war heute einfach nicht mehr drin. Wir haben zwar leider nicht die angestrebte Bestform erreicht, doch der Gegner hat auch nicht mehr zugelassen. Man muss Realist bleiben. Liverpool ist um zumindest eine oder zwei Klassen stärker als der GAK und jede andere österreichische Mannschaft. Wenn man aus dem Spiel der Engländer einen Zusammenschnitt machen würde, könnte man den als Lehrfilm für ein perfektes 4-4-2 verwenden.“

Anton Ehmann (GAK-Kapitän): „Der Klasseunterschied war insofern klar erkennbar, dass wir kaum zu Torchancen gekommen sind. Wir sind zwar trotz allem hinten nicht schlecht gestanden und haben beide Tore aus Schüssen bekommen, doch in Summe war Liverpool einfach besser.“

Andreas Schranz (GAK-Torhüter): „Steven Gerrard – leider haben wir ihn drei Mal zum Schuss kommen lassen und zwei Treffer haben gezählt. Ich habe mein Bestmögliches gegeben. Es ist sehr schwer gegen solche Stars zu spielen. Da darf man schon einmal verlieren.“

Rafael Benitez: (Liverpool-Trainer): „Ich bin sehr glücklich, dass wir in unserem ersten Bewerbsspiel eine so gute Leistung erbracht haben. Wir waren in der Defensive sehr stark und ab und zu auch in der Offensive. Für uns war es enorm wichtig, die Partie von Beginn an zu kontrollieren.“

Dietmar Hamann (Liverpool-Spieler): „Der GAK hatte den Vorteil, dass sie schon vier oder fünf Wochen Punktspiele bestreiten. Für uns war es daher nicht so einfach, wie es vielleicht ausgesehen hat. Wir mussten uns 90 Minuten voll konzentrieren. Deshalb haben wir auch kaum Torchancen des GAK zugelassen.“

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