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Gaddafi schwer beleidigt

Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi ist beleidigt, weil sich Diplomaten über seinen Aufruf zum Heiligen Krieg gegen die Schweiz lustig machen. Vom US-Außenministerium fordert er nun eine Entschuldigung, weil sich Außenamts-Sprecher Philip Crowley ironisch über seine kämpferischen Reden geäußert hatte.

Das libysche Allgemeine Volkskomitee für auswärtige Beziehungen bestellte die Geschäftsträgerin der US-Botschaft in Tripolis ein, um gegen die Äußerung Crowleys zu protestieren.

Drohung an die USA

Sollte sich das Ministerium weigern, sich bei Gaddafi „offiziell zu entschuldigen“, werde dies negative Folgen für die Beziehungen zwischen den beiden Staaten haben, ­erklärten die Libyer. Gleichzeitig betonte das Volkskomitee, Oberst Gaddafi habe sich seinerseits stets respektvoll über US-Präsident Barack Obama geäußert. Crowley war von einem Journalisten gefragt worden, wie das US-Außenministerium Gaddafis Aufruf zum „Dschihad“ beurteilt. Daraufhin antwortete er, die jüngste Gaddafi-Rede habe ihn an dessen Auftritt vor den Vereinten Nationen im vergangenen September erinnert: „Viele Worte, viel Papier, das überall herumflog – nicht unbedingt viel Vernünftiges.“ Auch in der EU fand man Gaddafis Wutausbrüche zum Teil belustigend. Aus Regierungskreisen in Tripolis verlautete, Libyen werde seine Handelsbeziehungen zur Schweiz abbrechen. Unter anderem wurde beschlossen, künftig keine Medikamente mehr aus der Schweiz zu beziehen.

„Häuser Gottes zerstört“

Gaddafi hatte in einer Rede vor Präsidenten und Stammesführern aus islamischen Staaten erklärt, der Heilige Krieg („Dschihad“) gegen die Schweiz sei eine Pflicht für die Muslime, weil die Eidgenossen „die Häuser Gottes zerstören“. Damit bezog sich der libysche Revolutionsführer auf das per Volksabstimmung beschlossene Verbot für den Bau von Minaretten.

Familienehre verletzt

Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind seit fast zwei Jahren angespannt: Die Polizei in Genf hatte 2008 Hannibal al-Gaddafi, einen Sohn von Staatschef Muammar al-Gaddafi, wegen mutmaßlicher Misshandlung von Hausangestellten vorübergehend festgenommen. Daraufhin hatte Libyen die beiden Schweizer Geschäftsleute Max Göldi und Rachid Hamdani festgenommen. Hamdani konnte Ende Februar das Land verlassen, Göldi sitzt in einem Gefängnis bei Tripolis eine viermonatige Haftstrafe ab. Im Gegenzug setzte die Schweiz prominente Libyer auf die Liste unerwünschter Personen.

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