G-8: Ohnmächtig gegenüber Nahost

Die G8-Staaten reagieren auf die Kriegsgefahr im Nahen Osten konzeptlos. Die Staats- und Regierungschefs suchten in St. Petersburg zunächst vergeblich eine gemeinsame Sprache.

Angesichts der Bilder der Zerstörung im Libanon und der Hisbollah-Raketenangriffe auf Ziele in Israel rückte das zentrale Gipfelthema Energiesicherheit in den Hintergrund. Nach Einschätzung von Konferenzteilnehmern ließ der russische Präsident und Gastgeber Wladimir Putin in der Hoffnung auf eine gemeinsame Position der G-8 seine Diplomaten pausenlos nach Kompromissen suchen.

Die von Frankreichs Staatschef Jacques Chirac und von Putin erhobene Forderung nach einer sofortigen Feuerpause lehnten die USA ab. Dies wäre ein falsches Signal an Hisbollah und Hamas, sagte US-Außenministerin Condoleezza Rice. Putin unterstellte Israel, über die Befreiung der Soldaten hinaus andere Ziele zu verfolgen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angel Merkel setzte auf die Kompromissfähigkeit der Gipfelrunde und hoffte auf eine gemeinsame G8-Position. Die Kriegsgefahr zeigt nach Einschätzung von EU-Kommissionspräsident José Manuel Durao Barroso deutlich, dass der Iran niemals in den Besitz von Atomwaffen kommen dürfe. Am Rande des G-8-Gipfels sagte Barroso dem ARD-Fernsehen, das sei eine gefährliche Situation. „Sie wäre noch schwieriger, wenn der Iran Atomwaffen hätte“. Deshalb müsse die internationale Gemeinschaft alles tun, damit die Führung in Teheran Atomenergie zu friedlichen Zwecke nutze.

Putin hatte Bushs Forderung abgelehnt, Russland möge sich der harten Haltung der USA anschließen. Zwar sei Russland gegen die Weiterverbreitung von Atomwaffen im Nahen Osten, sagte Putin, „wir werden uns aber nicht an einem Kreuzzug oder einer heiligen Allianz beteiligen“.

Risse in der G-8 waren schon vor dem Treffen deutlich sichtbar, da Bush und Putin ein Signal der Zerstrittenheit an den Gipfel sandten. So gingen sie während der gemeinsamen Pressekonferenz am Vortag in der Einschätzung der Nahost-Krise und anderer politischer Brennpunkte demonstrativ auf Distanz. Beobachter beschrieben die Atmosphäre als kühl. Russland führt zum ersten Mal den Vorsitz in der Gruppe der Acht, zu der außerdem die USA, Deutschland, Kanada, Japan, Frankreich, Großbritannien und Italien gehören.

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