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"Funkstille" in Gefängnissen

Österreichische Justiz interessiert sich für "Handyblocker". Die Kosten für eine Anlage belaufen sich auf etwa 1 Million Euro.

260 Mobiltelefone sind 2009 in den österreichischen Gefängnissen sichergestellt worden. Dabei sind Handys in den Justizanstalten selbstverständlich verboten, zumal Häftlingen außerhalb der Besuchszeiten jegliche Kontakte und Absprachen mit der Außenwelt untersagt sind. Vor einigen Jahren hat es einen Modell-Versuch gegeben, eine ganze Justizanstalt mittels eines Störsenders lahmzulegen. “Das hat leider absolut nicht funktioniert”, erinnert sich Vollzugsdirektor Karl Drexler im Gespräch mit der APA. “Funkstille” im Strafvollzug könnte allerdings dann herrschen, sollte sich ein Handyblocker durchsetzen, der seit August 2009 in der deutschen Justizvollzugsanstalt (JVA) Offenburg erfolgreich getestet wurde.

Eine Millione Euro Kosten

Die neue, teilprivatisierte JVA Offenburg ist deutschlandweit das erste Gefängnis, auf dessen Gelände der Mobilfunkverkehr durch den Einsatz von Störsendern gänzlich unterdrückt wird. Installation und Inbetriebnahme der Anlage kosteten rund eine Million Euro. Der sogenannte Handyblocker zeigt offenbar Wirkung, wie sich nach Abschluss der sechsmonatigen Testphase herausstellte. “Erwartungsgemäß herrscht dort Funkstille, was die unerlaubte Nutzung von Handys anbelangt”, bilanzierte Baden-Württembergs Justizminister Ulrich Goll (FDP). Verbotene Absprachen unter Gefangenen, über Handys organisierte illegale Geschäfte oder Fluchtvorbereitungen wären kein Thema mehr.

Dauerhafte Frequenzstörung

Die moderne Technik ermöglicht eine sehr genau Empfangsstörung auf dem Anstaltsgelände. Eine dauerhafte Frequenzstörung erfolgt dabei nicht. Erst wenn Mobilfunksignale festgestellt werden, aktiviert sich der Blocker. Das geschieht dann in Computergeschwindigkeit, also schneller, als ein Mensch reagieren kann. Um den Mobilfunkverkehr aus den Vollzugsanstalten zu verbannen, sind die Störsender laut Goll am effektivsten. Bloße Handysuchgeräte schlagen nur an, wenn gerade in Echtzeit telefoniert wird. Ausgeschaltete Mobiltelefone können damit nicht aufgestöbert werden. Weitere Stör-Anlagen plant Goll unter anderem im Stuttgarter Hochsicherheitsgefängnis Stammheim.

Österreich verfolgt Entwicklungen mit Interesse

In Österreich werden diese Entwicklungen mit großem Interesse erfolgt. Die Vollzugsdirektion kann sich vorstellen, in Bälde die deutschen Handyblocker zu testen und einzuführen, sollte sich die ihnen zugeschriebene Effektivität nachweisen lassen. Damit gesamte Anstalten lahmzulegen, kommt für Vollzugsdirektor Drexler aber nicht infrage: “Es macht keinen Sinn, den Empfang in einem Freigängerhaus zu stören. Wir würden das eher auf bestimmte Bereiche wie Hochsicherheitstrakte beschränken.”

Gefährliche Häftlinge isolieren

Derzeit ist es bereits technisch möglich, einzelne Hafträume mit kleinen, lokal begrenzten Sendern zu stören und damit als gefährlich eingestufte Häftlinge zu isolieren. “Damit können allerdings maximal drei Zellen tot gelegt werden”, berichtete Drexler. Am Besten funktioniere noch immer “die klassische Methode, wenn Justizwachebeamte gezielt nach Handys suchen”.

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