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Fukushima - Risikoforscher: "Nicht wirklich beherrschbar"

Das Außmaß der Kernschmelze ist viel dramatischer als jemals zuvor.
Das Außmaß der Kernschmelze ist viel dramatischer als jemals zuvor. ©AP
Auch zweieinhalb nach der Katastrophe in Japan gibt es fast täglich neue alarmierende Nachrichten aus dem havarierten japanischen AKW Fukushima. So haben die Strahlenwerte einen neuen Höchststand von 2.200 Millisievert erreicht, teilte die japanische Atombehörde am Mittwoch mit.

“Es schaut so aus, als wenn das nicht wirklich beherrschbar wäre”, sagte Risikoforscher Wolfgang Kromp im Gespräch mit der APA. Der Wiener Atomexperte Helmut Rauch forderte, dass das radioaktiv verseuchte Wasser aufgearbeitet wird.

Kapazität bald am Ende

Die extrem hohen Strahlenwerte wurden bei Tanks, in denen radioaktiv verseuchtes Kühlwasser gelagert wird, gemessen. Damit sich die Kernschmelze in Grenzen hält und teilweise erstarrt, wird versucht, mit Wasser zu kühlen, erläuterte Kromp. Damit sei man jedoch “bald am Ende der Kapazität”, große Mengen von Tanks häufen sich an, die bereits fast voll sind.

Keine wirkliche Gefährdung der Bevölkerung

Für Rauch ergeben sich die hohen Strahlenwerte lokal, “meist dadurch, wenn Behälter leck sind und das Wasser aussickert und in den Boden eindringt”. “Das ist relativ leicht beherrschbar”, sagte Rauch. Und zwar indem man “das betroffene Erdreich wegnimmt und speziell lagert” oder beispielsweise die Behälter in eine Wanne setzt, wodurch das Wasser aufgefangen wird. “Ich kann mir nicht vorstellen, dass davon eine wirkliche Gefährdung der umgebenden Bevölkerung ausgeht”, sagte Rauch.

Wasser ist nur “Nebenschauplatz”

“Was man fordern muss, ist, dass das radioaktiv verseuchte Kühlwasser aufgearbeitet wird”, erklärte der Experte. Das Wasser einfach in Behälter aufzufangen, sei nämlich kein “fachgerechter Umgang”. Das Wasser sei jedoch nur ein “Nebenschauplatz” und nicht das Hauptproblem, sondern “die nach wie vor zerstörten Reaktoren”, sagte Rauch.

Zustand im Inneren unbekannt

“Zum Teil weiß man nicht genau, wie der Zustand im Inneren ist”, sagte der Experte. Die Reaktorblöcke werden zwar gekühlt, aber bei einem weiteren Störfall, wie beispielsweise einem Ausfall der Kühlung oder einem Erdbeben, könnten riesige Mengen an Radioaktivität in die Atmosphäre gelangen und die Bevölkerung gefährden. “Was man beim ganzen Fukushima-Unfall nicht vergessen darf, ist, dass es bisher keinen einzigen Strahlentoten gegeben hat”, sagte Rauch.

“Es wird immer ärger”

Das Ausmaß der Kernschmelze sei in Fukushima wesentlich dramatischer als jemals zuvor, sagte Kromp. “Damit hat man zu wenig Erfahrung”. Zudem “ist die Lokalisierung der Kernschmelze schwierig, weil sie tief unten in den Strukturen stattfindet und nicht zugänglich ist”, erläuterte Kromp. Darauf habe man sich nicht vorbereitet. “Fukushima wird uns noch lange beschäftigen, es wird immer ärger”, gab sich der Risikoforscher überzeugt. Denn alleine das Kühlwasser “lässt sich nicht festhalten”, in Form von Dampf und auch als Flüssigkeit wird es verbreitet, gelangt ins Meer und wird von Strömungen vertragen.

150 AKWs in Europa

“Die Hoffnung, dass es sich dort verdünnt, wird zum Teil zunichtegemacht”, sagte Kromp. Ein derartiger Gau kann laut dem Risikoforscher “jederzeit wieder passieren, allein in Europa gibt es 150 AKWs”. “Es müssen wahrscheinlich noch zwei bis drei solche Unfälle in dicht besiedelten Gebiet passieren, bevor sich die Leute wirklich aufraffen, um das abzustellen”, befürchtete der Experte. (APA)

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