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Für andere geht er durchs Feuer

Lukas Beck ist seit 15 Jahren für die Ortsfeuerwehr Schruns im Einsatz.
Lukas Beck ist seit 15 Jahren für die Ortsfeuerwehr Schruns im Einsatz. ©VOL.at/Klaus Hartinger
Auf bis zu 45 Einsätze pro Jahr bringt es die Ortsfeuerwehr Schruns. Jugendbetreuer und Atemschutz-Gerätewart Lukas Beck (27) erzählt, worauf es im Ernstfall ankommt.

Lukas Beck ist seit 15 Jahren Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr in Schruns. Begeistert für die gute Sache hat den damals 12-Jährigen der beste Freund seines Vaters, mittlerweile ist Beck Gruppenkommandant, Atemschutzgerätwart und Jugendbetreuer.

Was Beck, der im Brotberuf Versicherungskaufmann ist, an der ehrenamtlichen Tätigkeit reizt? „Mir gefällt, dass ich so anderen Menschen helfen kann, und das auch noch unentgeltlich.“

Der Freiwilligen Feuerwehr beitreten kann übrigens jeder und jede – wobei körperliche Fitness nicht unbedingt ein Kriterium ist, wie Beck bestätigt. „Für den Einsatz mit dem Atemschutzgerät muss man natürlich fit sein, aber helfen kann prinzipiell jeder“, betont Beck. Wichtig sei, dass die Jugend begeistert wird, denn Späteinsteiger gebe es eigentlich wenige.

Trainiert wird einmal die Woche, „richtig“ zum Einsatz kommt man ab einem Alter von 16 Jahren. „Wir haben etwa 40-45 Einsätze pro Jahr. Man muss also damit rechnen, dass es ein wenig dauert, bis man zum Ernstfall gerufen wird und den ersten Brand sieht.“ Bei Beck etwa dauerte es über zwei Jahre.

„An meinen ersten richtigen Einsatz kann ich mich noch gut erinnern. Es war halb elf Uhr nachts und ich weiß noch, dass ich mich zuerst sehr gefreut habe, endlich in ein brennendes Haus gehen zu dürfen“, erzählt Beck.

Körperliche Höchstleistung

Auch wie so ein Löscheinsatz vonstatten geht, erläutert der Montafoner: Während früher noch viel von außen gelöscht wurde, und es so natürlich immer wieder zu Wasserschäden kam, löscht man heutzutage mehr von innen. Dazu werden Trupps zu je drei Mann – aneinandergehängt und mit Atemschutzgeräten ausgerüstet – ins brennende Objekt geschickt, um dem Brand von innen zu Leibe zu rücken.

Und obwohl die Feuerwehrmänner zum Zeitpunkt ihres ersten Einsatzes bereits jahrelanges Training hinter sich haben, ist der Ernstfall dann doch etwas anderes. Wenn niemand vermisst wird, kann man schon einmal ein Kreuz machen und ganz anders in den Brand ­hineingehen“, bestätigt Beck. Und das „Hineingehen“ findet mitunter auch noch auf den Knien statt, da innerhalb eines brennenden Objekts die Temperaturunterschiede extrem sind: Gase und Hitze steigen an die Decke, während es in Bodennähe ein paar 100 Grad weniger hat. „Dreißig Minuten reicht der Sauerstoff in der Flasche eigentlich, dann ist Schluss. Aber am Anfang schafft man es maximal 20 Minuten und dann ist man noch verdammt froh, wenn man endlich raus kommt“, meint Beck.

Alleingänge unerwünscht

„Es ist“, gibt Beck zu, „schon brutal streng. Viel strenger als man es sich ausgemalt hat, wenn man da mit mindestens 20 Kilo am Buckel reingeht und sich komplett auf die Kameraden verlassen muss. Schließlich hängt das eigene Leben von den zwei anderen ab“, beschreibt es Beck und ergänzt: „Allein- oder Draufgänger sind bei uns fehl am Platz. Agiert wird immer als Gruppe. Und wenn ein Trupp nach dreißig Minuten fertig ist, steht das nächste Team bereits parat.
Ist ein Brand gelöscht, ist für die Freiwillige Feuerwehr noch lange nicht Schluss. Ein Umstand, den Beck aber nicht unbedingt als schlecht erachtet, denn: „Es geht einem nach so einem Löscheinsatz schon viel im Kopf herum. Man ist innerlich noch in Hochspannung und muss erst einmal runterkommen.“ Das gelingt vielen schon während des Aufrüstens nach dem Brand, was heißt, dass Gerätschaft und Flotte wieder einsatzbereit gemacht werden. Außerdem wird im Anschluss noch zusammengesessen um den Einsatz Revue passieren zu lassen. „Die Kameradschaft ist wichtig. Klar kann man nicht mit allen 79 Leuten perfekt auskommen, aber da muss man darüberstehen. Generell sind wir eine super Truppe“, versichert Beck.

Neben Kameradschaft ist Beck auch das Thema Ausbildung und Ausrüstung sehr wichtig. „Man muss sagen, dass sowohl die Ausbildung als auch die Ausrüstung sich in den letzten Jahren stark verbessert hat“, meint er. Vor 13 Jahren etwa sei man noch in Gummihose und Lodenjacke eingerückt, mittlerweile verhelfe auch die Schutzkleidung zu mehr Mut beim Löscheinsatz. Zur verbesserten Ausbildung trage nicht zuletzt auch die 2009 eröffnete Brandsimulationsanlage in Feldkirch bei. „Die Anlage ist super, um den Nachwuchs an den Ernstfall – Stress, Hitze und Rauch zu gewöhnen. Jede Feuerwehrtruppe kann sich dort Termine ausmachen, mit den eigenen Fahrzeugen anrücken und wird dort vom Trainer erwartet. Simuliert werden können unterschiedliche Szenarien – vom „Flashover“ bis zur Personensuche“, erzählt der Florianijünger. Der „Flashover“ übrigens, das sei hier kurz erklärt, ist der Schrecken eines jeden Atemschutzgerätlers, bei dem es zu einer Durchzündung der Gase kommt. „Da kann man nur noch schauen, dass man Land gewinnt. Passieren kann es jedem – vom Anfänger bis zum Routinier, weil kein Brand ist wie der andere“, unter­streicht Beck.

Kameradschaft

Apropos Anfänger: Welche Eigenschaften sollte man laut Beck als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr mitbringen? „Kameradschaft und Nächstenliebe sollten ausgeprägt sein, und man braucht Zeit und den Spaß an der Sache. Familie und Arbeitsplatz müssen schon teilweise zurückstehen“, gesteht Beck. Außerdem gebe es für den Einsatz nicht immer Dank. „Man hört von Zeit zu Zeit schon ein „Warum kommt ihr erst so spät?“, oder Beschwerden über Wasserschäden, aber man kann es eben nicht allen immer Recht machen“, weiß Beck. Was sich der 27-Jährige für die Zukunft wünscht? „Eine neue Garage mit mehr Einfahrtshöhe oder gleich ein neues Gerätehaus. Unseres ist seit 1957 allzeit bereit und einfach schon ziemlich in die Jahre gekommen.“

Sicheres Heizen

  • Elektrische Heizgeräte niemals in die Nähe von brennbaren Materialien stellen. Keinesfalls Kleidungsstücke auf Heizlüftern oder Heizstrahlern ablegen.
  • Elektrische Heizdecken niemals geknickt oder gefaltet, sondern nur im ausgebreiteten Zustand verwenden.
  • Den Heizraum, die Umgebung der Rauchfänge sowie den Öllagerraum von abgestellten, brennbaren Lagergütern entrümpeln.
  • Sicherheitsabstände von Feuerstätten und deren Verbindungsstücken gegenüber brennbaren Bauteilen kontrollieren.
  • Asche stets in unbrennbaren Behältern mit Deckeln aufbewahren und keinesfalls auf Holzstiegen oder brennbaren Fußböden abstellen.
  • Niemals Spiritus oder Benzin zum Anzünden benutzen.
  • Beim Befüllen der Ethanol-Öfen die Bedienungsanleitung beachten und die Brennflüssigkeit für Kinder unzugänglich aufbewahren.

(Quelle: Kurt Giselbrecht, Direktor der Brandverhütungsstelle Vorarlberg)

(NEUE am Sonntag/Simin Judith Rinner)

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