Frühe Sperrstunde: Bauernopfer für den Wintertourismus

Im Gasthaus Sternen wird Hausmannskost serviert.
Im Gasthaus Sternen wird Hausmannskost serviert. ©NEUE/Hartinger
Die heimische Gastronomie hat schon bessere Zeiten gesehen. Die neuerliche Sperrstundenverkürzung stößt den Wirten sauer auf. Viele fühlen sich im Stich gelassen und bezweifeln den Sinn dieser Maßnahme.

Von Georg Widerin (NEUE)

Die Sperrstundenverkürzung auf 22 Uhr ist am Freitag in Kraft getreten. Die NEUE am Sonntag hat sich in der Bludenzer Gastronomie-Szene umgehört, was das bedeutet.

Michaela Tschanun-Spescha ist Wirtin im Bludenzer Gasthaus Riedmiller. Das Riedmiller ist eine Bludenzer Institution. Seit 160 Jahren gibt es dieses Wirtshaus. Die Familie Spescha führt das Gasthaus in sechster Generation. „Für uns als traditionelles Gasthaus mit Abendbetrieb ist das eine massive Einschränkung. Das sind jetzt drei Stunden weniger als davor. Für uns ist das vor allem deshalb schwierig, weil wir Vereine haben, ohne Vereinslokal. Die kommen dann nach den Veranstaltungen zu uns. Und das meistens erst um halb zehn, zehn. Das wird alles wegfallen.“ Auch Geburtstagsfeiern und solche Dinge werden kaum mehr stattfinden. „Wir haben dann öfters geschlossene Veranstaltungen. Die wird es jetzt nicht mehr geben. Zumindest solange die Sperrstunde um 22 Uhr ist.“ Zudem wird im Riedmiller traditionell viel gejasst. Das werde sich nun auch einschränken oder in den privaten Bereich verlagern. „Aber wir haben einige, die so solidarisch sind, dass sie früher kommen und bis 22 Uhr fertig sind. Auf unsere Stammgäste ist halt Verlass.“ Die Tatsache, dass man damit den Wintertourismus retten will, ist für die Riedmiller-Wirtin klar ersichtlich: „Ich hoffe, dass es sinnvoll ist. In drei Wochen werden wir dann sehen, wie es mit den Fallzahlen aussieht. Und vielleicht dürfen wir dann wieder länger offen haben.“
Dass sich durch die frühe Sperrstunde vieles in den privaten Bereich verlagern könnte und die Menschen gleich gar nicht ins Wirtshaus gehen und gleich daheimbleiben, ist für Tschanun-Spescha als Wirtin natürlich ein Drohszenario.

Der Sommer war durchwegs positiv. „Die Gäste waren froh, wieder unter Menschen zu sein. Das Soziale und Gesellige ist allen abgegangen. Am Anfang war die Sperrstunde ja um 23 Uhr. Das war auch schon früh, ist aber gegangen. Aber 22 Uhr ist echt sehr früh. Das hat etwas Willkürliches, das man nicht nachvollziehen kann.“
An die Maske hat sich die Wirtin schon gewöhnt. Da gebe es ja genug Auswahl und Modelle, um etwas Passendes für sich zu finden. „Die größte Angst habe ich vor einem zweiten Lockdown. Zudem kommen jetzt der Herbst und der Winter, wo alles nur drinnen stattfinden kann.“ Wie es weitergehen wird, kann und will die Riedmiller-Wirtin nicht prognostizieren.

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(NEUE)

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