"Früh genug zur Vorsorge ist Um und Auf"

Wolfurt - Im Wolfurter Cubus referierten diesmal drei Primarii, um den Zuhörern das Thema Prostatakrebs mit neuen Diagnose- sowie Behandlungsmöglichkeiten näherzubringen.
Der Vortrag

Allen lag vor allem eines am Herzen: Männer sollten zwischen dem 45. und 75. Lebensjahr einmal jährlich ihren PSA-Wert untersuchen lasen, da so ein Prostata-Karzinom im Frühstadium erkannt – und erfolgreich behandelt werden kann.

Vorsorgemuffel

Primar Dr. Andreas Reisigl vom LKH Bregenz zum Problem: „Männer sind Vorsorgemuffel und gehen eher später zur Untersuchung. Sie fühlen sich besser als Frauen, sind dies gesundheitlich gesehen aber nicht.“ Der häufigste Krebs bei Männern (auch mehr als Brustkrebs bei Frauen) verursacht ernsthafte Komplikationen (Metas-tasen etc.) und zieht EU-weit 90.000 Tote pro Jahr nach sich! Der Vorsorge (gesunde Ernährung, Reduktion des Körpergewichts, körperliche Aktivitäten sowie Medikamente) kommt eine große Bedeutung zu. Ganz entscheidend ist aber die Frühentdeckung. Reisigl erklärte, was der PSA-Wert, und zwar besonders die Zunahme bzw. die Schwankungen aussagen. Im Bedarfsfall folgt eine Ultraschalluntersuchung mit Gewebeprobe-Entnahme, um alles genau abzuklären.

Primar Dr. Alfred Hobisch von der Urologie im LKH Feldkirch freut sich, dass sich die Experten in Vorarlberg inzwischen auf einheitliche Richtlinien für Gewebeuntersuchungen geeinigt haben: „Die Begutachtung der Proben durch den Pathologen ist ganz entscheidend für die weitere Therapie.“

Infos vom Pathologen

Der Pathologe liefert die Infos, ob der Tumor gut- oder bösartig ist, den Grad der Aggressivität, die Anzahl der tumorbefallenen Proben sowie das Ausmaß des Tumorbefalls in Prozent. Hobisch: „Wenn es ein organbegrenztes Karzinom ist, besteht durch eine Entfernung mit anschließender Strahlentherapie eine große Wahrscheinlichkeit auf Heilung. Für ein fortgeschrittenes Karzinom ist durch eine Strahlen-, Hormon- oder Chemotherapie – oft auch in Kombination – eine Heilung zwar möglich, aber die Rückkehr des Krebses wahrscheinlich.

„Die radikale Entfernung war bis vor ein paar Jahren noch einer der schwierigsten Eingriffe in der Urologie“, erklärte Hobisch, „durch die Frühentdeckung ist die Wahrscheinlichkeit einer gelungenen OP wesentlich höher.“ Durch das Screening mit modernster Diagnostik konnte das Entdecken der Karzinome in einem in Stadium, in dem sie noch heilbar waren, von unter 10 Prozent auf fast 80 Prozent gesteigert werden.

Primar Alexander de Vries von der Strahlentherapie-Abteilung erklärte, dass in Feldkirch zwei der modernsten Therapiegeräte stehen. „Wir kriegen genaue Bilder, und es ist kein Zufall mehr, den Tumor zu treffen.“ Vor der Therapie wird eine Magnetresonanz-Untersuchung gemacht, zusätzlich eine Computertomographie. In 55 Schnitten werden die Regionen markiert, um eine perfekte Trefferquote zu erzielen. So ist eine punktgenaue Behandlung möglich – die Dosis für jedes Organ kann bestimmt und angepasst werden, was weniger Nebenwirkungen mit sich bringt.

Keine Konkurrenz

Primar Hobisch erklärte schließlich noch die Brachytherapie, bei der kleine Strahlenträger in die Prostata eingebracht werden, um noch genauer treffen zu können. Anfang nächstes Jahr möchte man in Feldkirch mit den ersten Patienten starten. Hobisch dazu: „Das sind aber keine konkurrierenden Verfahren, sondern gleichwertige Möglichkeiten bei unterschiedlicher Indikation.“

Publikumsfragen in Wolfurt

Kann man diese Vorsorge-Untersuchung beim Hausarzt machen oder muss man zum Urologen?

Dr. Hobisch: Die Vorsorge an sich passiert beim Hausarzt. Wenn der PSA-Wert zu hoch ist oder der Hausarzt bzw. Internist sieht, dass er ansteigt, dann kommt der Urologe ins Spiel.

Wie viel Personen von 100 Operierten bleiben nachhaltig inkontinent oder impotent?

Dr. Hobisch: Nach drei Monaten ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie kontinent sind, bei fast 90 Prozent. Wenn das nicht der Fall ist, dann muss man sich besonders um den Patienten kümmern. Oft ist die Operation sehr gut gegangen, und trotzdem hat der Patient ein Problem mit dem Wasser halten. Eventuell muss man mit einer medikamentösen Therapie einschreiten, eine gute physikalische Therapie kann auch helfen. Nach einem halben Jahr Zuwarten gibt es die Möglichkeit, dass man ein Band um die Harnröhre legt. Diese Fälle sind sehr selten, die OP-Methode ist in Vorarlberg ziemlich ausgereift. Die Potenz ist eine ganz schwierige Thematik. Sie kann auch unabhängig von der OP über Monate zurückgehen, die Nerven können auch sonst beleidigt werden. Die Möglichkeit, dass die Potenz sich wieder erholt, dauert bis zu zwei Jahre. Anfänglich helfen wir den Patienten über die erste Situation hinüber mit sogenannten Potenzpillen, also Viagra, Levitra oder Cialis – das kann zusätzlich helfen.

Wo liegt eigentlich der Normalbereich des PSA-Werts?

Dr. Reisigl: Der Grenzwert wurde eigentlich relativ willkürlich bei 4,0 festgelegt. Er hängt aber sehr vom Alter des Patienten und dem Volumen der Prostata ab. Es gibt also keinen absoluten Wert für alle. Es gibt aber Referenzwerte für die verschiedenen Altersklassen, es darf aber auch da nicht stur danach vorgegangen werden. Da sind verschiedene Dinge, die man immer mitberücksichtigen muss.

Wenn nach der OP noch Tumorzellen im umliegenden Gewebe – wieso wird dann nicht nachoperiert?

Dr. Hobisch: Ganz einfach, weil wir das nicht können. Das ist extrem schwierig, wir würden dort nichts finden. Noch einmal Gewebe zu entfernen, wäre fast unmöglich – wir müssen das auch nicht, die Strahlentherapeuten wissen genau, wo sie bestrahlen müssen. Das geschieht sehr schonend.

De Vries: Es sind nur noch einzelne Tumorzellen da, es gibt keine Möglichkeit, diese zu sehen. Von der Strahlentherapie ist auch nur noch eine niedrigere Dosis nötig und daher eine schonendere Behandlung mit viel weniger Nebenwirkungen möglich. Diese Nachbestrahlung bringt sehr gute Ergebnisse.

Dr. Reisigl: Wir sind Gottseidank selten in so einer Situation. Vor der Entscheidung, welche Therapie wir wählen, sind wir schon sicher, dass der Krebs auf die Prostata beschränkt ist. Wir wissen schon, dass es keine große Tumor-Aussaat gibt. Es wäre nicht sehr sinnvoll, bei einem großen Tumor-Wachstum außerhalb der Prostata in so eine Operation zu gehen. Das sind mikroskopisch kleine Tumorzellen, die wir gar nicht erfassen können – da haben wir einen idealen Einsatz der Strahlentherapie mit einem sehr guten Effekt.

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