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Fremdwährungskredite: Studie zeigt Lösungsansätze

Bregenz -   Die Position der Vorarlberger Finanzdienstleister wird laut Wirtschaftskammer durch eine wissenschaftliche Studie der Johannes Keppler Universität bestätigt. Die Professionalisierung des Risikomanagement soll den Konsumentenschutz erhöhen. Ein Verbot der Fremdwährungsfinanzierung wird abgelehnt.

Im Zuge der Finanzkrise wurde im Sommer 2009 die Neuvergabe von Fremdwährungskrediten (FWK) durch die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) bedeutend erschwert. Weitere Verschärfungen der Vergabekriterien werden derzeit von FMA und Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz ausgearbeitet. Um mögliche Folgen für die Fremdwährungskredit-Vergabe an Private und Lösungsansätze für die Zukunft aufzuzeigen, hat der Fachverband Finanzdienstleister der Wirtschaftskammer Österreich eine Studie an der Johannes Keppler Universität in Auftrag gegeben. Der Studienautor Prof. Teodoro D. Cecca spricht sich darin für eine strengere Regulierung und Kontrolle des Managements hinsichtlich des Währungs-, Zins-, und Tilgungsträgerrisikos und für eine Professionalisierung des Risikomanagement aus, erteilt jedoch einem Verbot eine deutliche Absage.

Die Studie zeigt die volkswirtschaftliche Dimension der Fremdwährungsfinanzierung. Trotz Beschränkung machten die privaten Fremdwährungskredite im 3. Quartal 2009 noch immer 35 Milliarden Euro bzw. fast 30 Prozent aller Privatkredite aus. Eine im Rahmen der Studie durchgeführte Befragung bei Finanzdienstleistern zeigt, dass 60 Prozent der Kreditkunden der Gewerblichen Vermögensberater über Fremdwährungskredite finanzieren  – Verwendungszweck ist zu 97 Prozent der Kauf von privaten Eigenheimen. Als wichtigstes Argument für den Verkauf von Fremdwährungskrediten wird das niedrige Zinsniveau der gewählten Währung angegeben, wobei mit Abstand die beliebteste Währung der Schweizer Franken mit einem Anteil von 94 Prozent ist.

Kreditverteuerung bei Abschaffung

Die restriktive Vergabe durch die Kreditinstitute trifft insbesondere Vorarlberger Kreditnehmer, da aufgrund der starken wirtschaftlichen Verflechtung mit der Schweiz und Liechtenstein der Schweizer Franken-Kredit seit langem eine beliebte Alternative zum Eurokredit darstellt. Die Vorarlberger Finanzdienstleister warnen deshalb vor einem Quasi-Verbot der FWK durch weitere Restriktionen. Die Nachteile für den Konsumenten liegen für Markus Salzgeber, Fachgruppenobmann der Finanzdienstleister in der Vorarlberger Wirtschaftskammer, auf der Hand: „Ohne die Option Fremdwährungskredit werden Kredite in Zukunft teurer, da die österreichischen Kreditinstitute ihre Zinsspannen erhöhen können.“ Salzberger plädiert deshalb dafür, mündige Konsumenten nicht zu bevormunden, sondern die Vergabe von Fremdwährungskrediten zum Schutz des Kreditnehmers an strenge Auflagen zu binden. Salzgeber: „Im Sinne eines umfassenden Konsumentenschutzes stehen wir gesetzlich verankerten Aufklärungspflichten über die Risiken in Zusammenhang mit Fremdwährungskrediten positiv gegenüber.“

Ständige Weiterbildung hat Priorität

Laut der Studie sehen 85 Prozent aller Finanzberater bei FWK einen höheren Beratungsaufwand als bei Euro-Krediten. Obwohl für den Gewerbezugang bereits eine umfassende Ausbildung notwendig ist, will die Fachgruppe die kontinuierliche Weiterbildung ihrer Mitglieder forcieren. Salzgeber: „Der Fremdwährungskredit ist ein beratungsintensives Instrument, das selbstverständlich nicht für jeden Kunden geeignet ist.“ Die Aufgabe des unabhängigen Finanzdienstleisters sei es, den Informations- und Kenntnisstand seines Kunden zu heben und mit ihm das für seine Lebenssituation geeignete Finanzierungsinstrument auszuwählen. Eine Evaluierung verpflichtender Weiterbildungsmöglichkeiten ist deshalb als nächster Schritt geplant.

Die Fachgruppe Finanzdienstleister der Wirtschaftskammer Vorarlberg vertritt die Interessen der unabhängigen Vermögensberater und sonstiger Finanzdienstleister. Derzeit hat die Fachgruppe 393 aktive Mitglieder.

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