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Freispruch für Strauss-Kahn im Zuhälterei-Prozess

Französisches Gericht entscheidet zugunsten von Ex-IWF-Chef
Französisches Gericht entscheidet zugunsten von Ex-IWF-Chef ©AP
Im aufsehenerregenden Prozess um Zuhälterei ist Dominique Strauss-Kahn freigesprochen worden. Der Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) habe sich durch seine Teilnahme an Sexpartys mit Prostituierten nicht strafbar gemacht, entschied ein Gericht im französischen Lille am Freitag.

Damit folgten die Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. In dem Prozess ging es um freizügige Partys zwischen 2008 und 2011. Neben Strauss-Kahn saßen noch 13 weitere Beteiligte auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft hatte für Strauss-Kahn und andere Angeklagte Freisprüche gefordert, in einigen Fällen auch Bewährungs- und Geldstrafen.

Der Vorsitzende Richter Bernard Lemaire wies in der Urteilsbegründung für Strauss-Kahn erneut darauf hin, es sei in dem Prozess nicht um Sexpraktiken gegangen. Auch aus Strauss-Kahns früherer Stellung als IWF-Chef sei kein Nachteil erwachsen. Der 66-Jährige habe die Prostituierten nicht bezahlt.

Strauss-Kahn will nichts gewusst haben

Zuhälterei wird in Frankreich deutlich weiter ausgelegt als in Deutschland und kann zum Beispiel auch Prostitution umfassen, die von Dritten bezahlt oder bei Sexpartys organisiert wird. Strauss-Kahn betonte allerdings stets, er habe nicht gewusst, dass die beteiligten Frauen Prostituierte waren.

Pikante Details über Sexleben von DSK

Der nach einem Luxushotel benannte “Carlton”-Prozess stand vor allem wegen der pikanten Details über das Sexleben des ehemaligen Ministers in den Schlagzeilen. Prostituierte berichteten teils unter Tränen von den Abenden.

Strauss-Kahn musste seine Ambitionen auf die französische Präsidentschaft aufgeben, nachdem er 2011 wegen einer Affäre um Vergewaltigungsvorwürfe von seinem Job als IWF-Chef zurückgetreten war.

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Der tiefe Fall des Dominique Strauss-Kahn

Einer der mächtigsten Männer der Welt stolperte über eine Sex-Affäre in New York: Der Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, sieht sich seit Jahren verschiedenen Vorwürfen ausgesetzt.

VERGEWALTIGUNG IN NEW YORK: Die Hotelangestellte Nafissatou Diallo Diallo warf Strauss-Kahn im Mai 2011 vor, sie in seinem New Yorker Hotelzimmer zum Oralsex gezwungen zu haben. Er wurde verhaftet und unter Hausarrest gestellt. Die Vorwürfe zwangen ihn zum Rücktritt als IWF-Chef. Auch die politische Karriere in Frankreich wurde gestoppt. Als Zweifel an Diallos Glaubwürdigkeit laut wurden, schlug die Staatsanwaltschaft die Anklage im Strafverfahren nieder. Das Zivilverfahren um Schadenersatz endete im Dezember 2012 mit einer außergerichtlichen Einigung. Nach einem Bericht der Zeitung “Journal du Dimanche” zahlte Strauß-Kahn der Frau 1,5 Millionen US-Dollar. Er selbst hatte Diallo wegen Rufschädigung auf eine Million Dollar verklagt. Auch dieses Verfahren ist mit der Einigung vom Tisch.

VERSUCHTE VERGEWALTIGUNG IN PARIS: Im Juli 2011 verklagte die französische Publizistin Tristane Banon in Paris Strauss-Kahn wegen versuchter Vergewaltigung. Zu der Tat sei es 2003 gekommen. Die Justiz stellte ihre Vorermittlungen im Oktober 2011 ein, weil die Beweise nicht ausreichten. Der Vorwurf der sexuellen Aggression wurde zwar anerkannt, doch war die Tat verjährt.

GRUPPENVERGEWALTIGUNG IN WASHINGTON: Ein Callgirl aus Belgien berichtete bei Vernehmungen zu einer illegalen Sex-Party im Dezember 2010 in Washington von Gewalt und nicht einvernehmlichem Geschlechtsverkehr. Die Staatsanwaltschaft in Lille begann Vorermittlungen. Später sagte die Zeugin, dass sie keine Anzeige erstatten wolle. Im Oktober 2012 stellte die Justiz ihre Ermittlungen wegen Vergewaltigung gegen Strauß-Kahn ein.

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