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Frauenpornos: "Rollen sind anders!"

Petra Joy produziert Pornofilme für Frauen – jenseits der Klischees von weiblicher Sexualität, die es in kommerziellen Pornos zu sehen gibt.
Petra Joy produziert Pornofilme für Frauen – jenseits der Klischees von weiblicher Sexualität, die es in kommerziellen Pornos zu sehen gibt.
Die deutsche Filmemacherin Petra Joy produziert Pornos, die explizit für Frauen sind. Erfüllt der "female-friendly"-Porn die Wünsche der Frauen?


Petra Joy wurde mehrfach für ihre feministischen Pornofilme ausgezeichnet. Einst war sie Mitglied der Anti-Porno-Bewegung der 80er-Jahre. Heute produziert sie sie selbst, dezidiert für ein weibliches Publikum. Über ihre “Mission” sagt die 50-Jährige: “Ich möchte die Frauen, die in meinen Filmen auftreten oder die meine Filme sehen, ermutigen, ihre eigenen Fantasien auszuleben – jenseits der Klischees von weiblicher Sexualität, die es in kommerziellen Pornos zu sehen gibt.”

Klischees von gestern

Joy zeigt in ihren Filmen keine sexuellen Akte, bei denen Frauen degradiert werden. Auf erzwungene Fellatio oder Gewalt wird komplett verzichtet. “Die sogenannten Female Porns sind nicht romantischer als andere Pornofilme”, weiß Michaela Moosmann, Sexualpädagogin beim Mädchenzentrum Amazone: “Die Bilder, Handlungen und Frauenrollen sind aber andere. Weg von überspitzten Stereotypen wie dem vollbusigen, zu allem bereiten, geilen Luder mit aufgespritzten Lippen und dem mega-bestückten allzeit potenten Macker hin zu einer gleichwertigen, lustvollen Begegnung, in der die Führung fließend ist. Und das mit realitätsnahen Bildern in angenehmem Ambiente mit normalen, nicht-überretuschierten Menschen Menschen, in der die Sinnlichkeit viel mehr herausgearbeitet wird.” Generell verweist die Sexualpädagogin darauf, dass Pornokonsum nicht an der Geschlechterlinie festgemacht werden könne. “Es gab eine Veränderung des Sexuellen in den letzten Jahren, in der Frauen endlich auch eine selbstbestimmte, lustvolle Sexualität zugesprochen wurde und sie an Selbstbewusstsein in ihrer Sexualität dazugewonnen haben”, erklärt sie.

Erotik oder Pornografie?

Zur Frage, was nun als Erotikfilm durchgeht und wann es zu Pornografie wird, gibt es unterschiedliche Meinungen. Natürlich gebe es welche, diese Grenze sei aber sehr individuell. “Was von wem als erotisch oder bereits als pornografisch empfunden wird, wird durch die eigene Persönlichkeit, die Ursprungsfamilie, die eigene Religion und die Gesellschaft stark beeinflusst”, so die Expertin.

“Teil der heutigen Jugendrealität”

Michaela Moosmann, Sexualpädagogin, Mädchenzentrum Amazone: “Die meisten Jugendlichen, egal ob Jungs oder Mädchen, schauen sich Pornos an, weil sie etwas zu den Themen Sexualität, Körper und Körperfunktionen sehen und lernen wollen. Oft aber ist die Diskrepanz zwischen dem Gesehenen und dem selbst Erlebten gewaltig und kann verunsichern oder verängstigen. Den meisten ist jedoch klar, dass Pornografie nichts mit ihrer eigenen erlebten Sexualität zu tun hat und nur Fantasie ist. Unabhängig davon, ob wir Pornografie gut oder schlecht heißen – sie ist Teil der heutigen Jugendrealität!”

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