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Frauenhandel: Freisprüche führen in Argentinien zu Protesten

Bei den Protesten gegen das Urteil gab es Ausschreitungen und Verletzte.
Bei den Protesten gegen das Urteil gab es Ausschreitungen und Verletzte. ©EPA
Dreizehn Freisprüche in einem Prozess wegen Frauenhandel entwickeln sich zu einem Skandal. Am Mittwoch kam es bei Protesten zu gewalttätigen Zusammenstößen mit der Polizei.

Den dreizehn Angeklagten wurde eine Verbindung mit dem Verschwinden von Marita Veron, der Tochter von Susana Trimarco, unterstellt. Diese bekannten sich jedoch für unschuldig, sahen in der Anklage eine politische Verschwörung. Über 150 Zeugen sagten vor Gericht gegen die Angeklagten aus. Dienstagabend wurden die Freisprüche verkündet. Die sieben Männer und sechs Frauen seien keine Menschenhändler, so der vorsitzende Richter Alberto Piedrabuena gegenüber der BBC. Ein Urteil, das in der Bevölkerung für Entsetzen sorgt.

Auf die Freisprüche folgten am Mittwoch gewalttätige Proteste gegen das Urteil. Aus Buenos Aires wurden mehrere Verletzte und Festnahmen berichtet. Auch Präsidentin Cristina Fernandez telefonierte mit der Mutter der Verschwunden, um ihr Mitgefühl auszudrücken: “Ich dachte ich würde sie am Boden zerstört vorfinden, aber sie war noch entschlossener weiter zu kämpfen als je zuvor”, so Sky News.

1300 Mädchen befreit

Marita Veron, geborene Maria de los Angeles, verschwand 2002 auf dem Weg zum Arzt, laut Zeugen sei sie in ein rotes Auto gedrängt worden. Die damals 23-Jährige lebte mit ihrer dreijährigen Tochter bei ihrer Mutter Susana Trimarco. Als Marita nicht nachhause kam, begann Susana nach ihr zu suchen. Wie 20min berichtet, blieb die Polizei untätig, glaubte nicht an eine Entführung. Nach drei Tagen fand eine Streife Marita, sie behauptete von einer ihr aufgezwungenen Sex-Party geflüchtet zu sein. Die Polizisten setzten sie in einen Bus, sie kam nie zuhause an.

Susana gab nicht auf, nach ihrer Tochter zu suchen. Sie begann als Prostituierte zu arbeiten, versuchte so ihre Tochter zu finden. Durch ihre Arbeit kam sie dem Frauenhändlerring auf die Spur. Von der Polizei und den lokalen Behörden im Stich gelassen, gelang es ihr die Aufmerksamkeit des damaligen Präsidenten Nestor Kirchner durch einen Brief zu wecken, ihm verdankt sie die erforderliche Unterstützung der Polizei.

Für Nobelpreis nominiert

Seitdem Inzwischen gelang es ihr und ihrer Stiftung “Maria de los Angeles” über 1300 Frauen zu befreien. Nur von Marita fehlt jede Spur. Susanas Kampf blieb nicht ungewürdigt. 2011 wurde sie für den Friedensnobelpreis nominiert. Und erst am Sonntag vor der Urteilsverkündung empfing sie von der Präsidentin einen Menschenrechts-Award für ihr unermüdliches Engagement. (VOL.AT)

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