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Franzosen und Griechen lehren Finanzmarkt das Fürchten

Hollande will Frankreich “dienen”
Hollande will Frankreich “dienen” ©AP
Die Wahlen in Frankreich und Griechenland haben die Furcht vor der Schuldenkrise an den Finanzmärkten neu entfacht. Weltweit gingen die Aktienkurse am Montag in den Keller, nachdem in Frankreich der Sozialist Francois Hollande die Präsidentschaftswahl gegen den konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy gewonnen hat und die griechischen Wähler am Sonntag in Scharen zu den Parteien überliefen, die den Sparkurs ablehnen.
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Hollande hatte angekündigt, er wolle die vor allem von Deutschland verfochtene Sparpolitik in Europa nicht unverändert weiterführen, sondern setze mehr auf Wirtschaftswachstum. Unter starken Druck gerieten in Folge der Wahlergebnisse auch der Euro und die Anleihen Frankreichs und Griechenlands. Auf ihrer Suche nach Sicherheit griffen Geldanleger erneut zu deutschen Bundesanleihen.

Belastung für die Eurozone

 “Die ersten Marktreaktionen zeigen, dass die Investoren offenbar mit weniger starken Anti-Euro-Ergebnissen gerechnet haben”, sagte Marktstratege Roger Peeters vom Bankhaus Close Brothers Seydler. “Ohne Zweifel wird der Wahlausgang in Griechenland für die Eurozone eine Belastung. Jetzt werden Extremszenarien, wie etwa, dass die Griechen die Eurozone verlassen könnten oder pleitegehen könnten, wahrscheinlicher.”

Analyst Riccardo Designori von Brown Editore bezeichnet den Wahlausgang als “Anti-Merkel-Votum”. “Die Menschen in Europa haben genug von den harten Sparauflagen, die ihnen von den deutschen Politikern aufgebürdet wurden. Dies könnte eine Trendwende bedeuten.” Ähnlich urteilte Steen Jakobsen, Chef-Ökonom der Saxo Bank. “Die Kluft zwischen den Politikern und den Wählern vergrößert sich. Das sehen wir in Griechenland und Frankreich. Die Wähler senden eine klare Botschaft: ‘Wir sind zu diesen Reformen nicht bereit’. Dies ist besorgniserregend. Wir stehen vor einer großen Krise in Europa, wirtschaftlich und sozial.”

Aktienkurse im Keller

Der Dax rutschte um bis zu 2,3 Prozent ab auf ein Dreieinhalb-Monats-Tief von 6.410,03 Punkten. Der EuroStoxx50 markierte mit 2.204,73 den niedrigsten Stand seit Ende Dezember. Der französische CAC40 gab 1,5 Prozent nach, der griechische Leitindex brach um acht Prozent ein. Die Aktienbörsen Italiens und Spaniens gaben jeweils knapp zwei Prozent nach. Zuvor hatten bereits die asiatischen Börsen teilweise knapp drei Prozent verloren. Der heimische ATX büßte bis zum späten Vormittag rund 1,2 Prozent ein.

Der Euro, der in der Nacht zeitweise auf ein Vier-Monats-Tief von 1,2955 Dollar gefallen war, übersprang zwar am Vormittag wieder die psychologisch wichtige Marke von 1,30 Dollar. Damit lag er aber immer noch einen knappen US-Cent unter dem Niveau vom New Yorker Freitagsschluss. Am Rohstoffmarkt gerieten auch die Preise für Rohöl und Kupfer unter Druck.

Bankenindex als großer Verlierer

Daneben trennten sich Investoren von französischen, griechischen, spanischen und italienischen Anleihen. Viele schichteten ihr Kapital in deutsche Papiere um und verhalfen damit dem Bund-Future zu einem neuen Rekordhoch von 142,44 Punkten.

Zu den größten Verlierern zählten die Finanzwerte, die besonders sensibel auf Nachrichten zum Thema Schuldenkrise reagieren. Der europäische Bankenindex fiel um ein Prozent. Sein Pendant für den griechischen Finanzsektor brach in den Spitze sogar um knapp 20 Prozent ein. Dies ist der zweitgrößte Tagesverlust seiner Geschichte.

Auf europäischer Ebene gehörte das griechische Geldhaus NBG mit einem Minus von 16 Prozent zu den schwächsten Werten der Branche. Die Titel der französischen Credit Agricole und der spanischen Bankia fielen zeitweise auf Rekordtiefs von 3,40 beziehungsweise 2,35 Euro. Deutsche Bank und Commerzbank büßten jeweils etwa zwei Prozent ein.

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