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Franziskus mit Aachener Karlspreis ausgezeichnet: An die Ideale der Gründerväter erinnern

Papast Franziskus wurde heute in Rom mit dem internationalen Karlspreis der Stadt Aachen ausgezeichnet.
Papast Franziskus wurde heute in Rom mit dem internationalen Karlspreis der Stadt Aachen ausgezeichnet. ©AFP/Vincenzo Pinto
Papst Franziskus ist am Freitag für seine besonderen Verdienste um Europa mit dem Aachener Karlspreis ausgezeichnet worden. An der Zeremonie in der prächtigen Sala Regia des Apostolischen Palastes nahmen unter anderem die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der spanische König Felipe VI. teil.

Franziskus erhält die renommierte Auszeichnung für seine ermutigenden Worte und seine Verdienste um den Kontinent. Der Argentinier ist der erste Papst, der den regulären Karlspreis erhält. Johannes Paul II. war 2004 ein außerordentlicher Karlspreis verliehen worden.

Viel beachtete Rede vor dem Europaparlament

Der in Buenos Aires geborene Franziskus hatte im November 2014 eine viel beachtete Rede vor dem Europaparlament gehalten und darin für ein gemeinsames Europa geworben, das sich nicht nur um die Wirtschaft dreht, sondern vor allem solidarisch mit Armen und Alten ist. Zudem forderte er eine gemeinsame Politik zur Rettung der Flüchtlinge im Mittelmeer.

Erst im April hatte Franziskus die griechische Insel Lesbos besucht und die internationale Gemeinschaft eindringlich dazu aufgerufen, mit Menschlichkeit auf die Flüchtlingskrise zu reagieren. Dies gelte besonders für die Europäer, mahnte er.

Europa muss sich an die Ideale der Gründerväter erinnern

In einer eindringlichen Rede während der Verantaltung forderte Papst Franziskus Europa dazu auf, sich an seine Gründerväter und deren Ideale zu erinnern. “Sie hatten die Kühnheit, nicht nur von der Idee Europa zu träumen, sondern wagten, die Modelle, die bloß Gewalt und Zerstörung hervorbrachten, radikal zu verändern”, sagte das Kirchenoberhaupt am Freitag nach der Verleihung des Karlspreises im Apostolischen Palast.

“Die Pläne der Gründerväter, jener Herolde des Friedens und Propheten der Zukunft, sind nicht überholt: Heute mehr denn je regen sie an, Brücken zu bauen und Mauern einzureißen”, betonte Franziskus. Die Gründerväter hätten sich nicht “mit kosmetischen Überarbeitungen oder gewundenen Kompromissen zur Verbesserung mancher Verträge” zufriedengegeben, sondern mutig neue, tief verwurzelte Fundamente gelegt, so der Papst.

Franziskus ist “Stimme des Gewissens”

Das Karlspreis-Direktorium hatte im Dezember bekanntgegeben, dass der Pontifex die renommierte Auszeichnung erhält. Franziskus sende eine Botschaft der Hoffnung aus und gebe den Europäern Orientierung, hieß es damals zur Begründung. Der Papst sei “eine Stimme des Gewissens, die uns mahnt, bei all unserem Tun den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen”.

Der Internationale Karlspreis zu Aachen wird seit 1950 für besondere Verdienste um Europa und die europäische Einigung verliehen. 1995 wurde der damalige Bundeskanzler Franz Vranitzky mit dem Preis ausgezeichnet.

Er geht auf eine Initiative Aachener Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kirche, Hochschule und Stadtverwaltung zurück. Die Auszeichnung ist nach Karl dem Großen (747/748-814) benannt, der auch in Aachen residierte. Der Herrscher wird oft als erster Vordenker des geeinten Europas gesehen. Er führte in seinem Reich, das sich über einen Großteil Westeuropas erstreckte, einheitliche Gesetze und eine einheitliche Währung ein. Der Karlspreis wird traditionell zu Christi Himmelfahrt übergeben, in diesem Jahr einen Tag später und nicht in Aachen, sondern im Vatikan.

(APA/dpa)

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