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Frankreich und Russland schmieden Allianz im Kampf gegen Islamisten

Frankreich und Russland schmieden Allianz im Kampf gegen Islamisten.
Frankreich und Russland schmieden Allianz im Kampf gegen Islamisten. ©EPA
Vor dem Hintergrund der Anschläge in Paris und des Absturzes eines russischen Flugzeugs über dem Sinai schmieden Frankreich und Russland eine Allianz gegen den islamistischen Extremismus. Wie der Kreml am Dienstag mitteilte, vereinbarten Präsident Wladimir Putin und sein französischer Kollege François Hollande, in Syrien militärisch und geheimdienstlich enger zusammenzuarbeiten. Moskau stufte den Sinai-Absturz als "Terroranschlag" ein und flog ebenso wie Frankreich neue Angriffe auf die Jihadistenmiliz IS in Syrien.
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Was heute passiert ist

  • Sieben Verdächtige wurden in Alsdorf bei Aachen (D) festgenommen
  • Der weiterhin gesuchte 26-jährige Salah Abdeslam hielt sich vor rund zwei Monaten in Österreich auf
  • Frankreich und Russland schmieden Allianz im Kampf gegen IS
  • Erneut französische Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien
  • Frankreich bittet EU um Hilfe im Kampf gegen den IS
  • US-Außenminister Kerry traf Hollande in Paris
  • Pariser Eiffelturm wurde am Dienstag erneut geschlossen

 

Auch Treffen mit Obama geplant

Der Kreml äußerte sich nach einem Telefonat zwischen Putin und Hollande. Beide hätten einen “engeren Kontakt” und eine “engere Koordinierung” bei Einsätzen gegen “terroristische Gruppen” in Syrien vereinbart. Der Elysee-Palast bestätigte die Angaben. Hollandes Büro erklärte zudem, der Präsident werde in der kommenden Woche am Dienstag US-Präsident Barack Obama und am Donnerstag Putin treffen, um das internationale Vorgehen gegen die Jihadistengruppe Islamischer Staat (IS/Daesh) abzustimmen.

Sinai-Absturz als “Terroranschlag” eingestuft

Der IS hatte sich zu den Attentaten in Paris mit mindestens 129 Toten bekannt. Der ägyptische Ableger der Jihadisten bekannte sich dazu, die russische Maschine zum Absturz gebracht zu haben, dabei waren Ende Oktober alle 224 Insassen getötet worden. Nachdem Russland der These eines Anschlags anders als die USA und Großbritannien zunächst nicht gefolgt war, schwenkte der Geheimdienst FSB nun um.

Geheimdienstchef Alexander Bortnikow habe Präsident Putin darüber informiert, dass es sich bei dem Unglück über der ägyptischen Sinai-Halbinsel “eindeutig um einen Terroranschlag gehandelt” habe, teilte der Kreml mit. Während des Fluges sei eine selbstgebastelte Bombe mit im Ausland gefertigtem Sprengstoff detoniert, der die Sprengkraft von einem Kilogramm TNT gehabt habe, sagte Bortnikow. Als Folge sei das Flugzeug in der Luft auseinandergebrochen, deswegen seien die Trümmer so breit verstreut gewesen.

Putin kündigt Vergeltung an: “Wir werden sie suchen”

Fast alle Opfer waren Russen. Der Absturz war der verheerendste in der russischen Luftfahrt und der schwerste Anschlag auf das Land seit zehn Jahren. Putin kündigte am Dienstag Vergeltung für den Anschlag auf das Flugzeug an. Die Hintermänner würden bestraft, sagte er. “Wir werden sie suchen, egal wo sie sich verstecken.” Der FSB kündigte außerdem an, Hinweise zur Ergreifung der “Terroristen” mit 50 Millionen Dollar (47 Millionen Euro) zu belohnen.

Schon wenige Stunden später erklärte Moskau, die russische Luftwaffe habe IS-Stellungen in Syrien angegriffen – und zwar erstmals mit Langstreckenbombern. Strategische Bomber vom Typ Tupolew hätten Ziele in der IS-Hochburg Raqqa sowie in den Provinzen Deir al-Zor (Deir Ezzor), Aleppo und Idlib bombardiert, erklärte Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

Russische Marine in Kontakt mit französischem Flugzeugträger

Putin wies die Marine seines Landes zudem an, im Mittelmeer “in direkten Kontakt” mit dem französischen Flugzeugträger “Charles de Gaulle” zu treten. Dieser läuft am Donnerstag mit 26 Kampfjets an Bord ins östliche Mittelmeer aus. Beide Seiten sollten als “Verbündete” zusammenarbeiten, sagte er.

Frankreich flog erneut Luftangriffe gegen IS

Auch die französische Luftwaffe flog in der Nacht zum Dienstag erneut Luftangriffe in Syrien. Dem Verteidigungsministerium zufolge wurden dabei ein Kommandoposten und ein Trainingszentrum in der Jihadisten-Hochburg Raqqa zerstört.

Bitte um Beistand der EU-Mitgliedsstaaten

Als erster EU-Staat überhaupt bat Frankreich offiziell auch um Beistand der übrigen Mitgliedstaaten. Gefragt ist dabei militärische Unterstützung, um den Kampf gegen die IS in Syrien und im Irak zu verstärken, wie Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian in Brüssel sagte. Denkbar sei eine Entlastung französischer Streitkräfte in anderen Krisenregionen, etwa in Afrika. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte, die EU habe dazu “einstimmig ihre Bereitschaft erklärt”. Hollande hatte auch angekündigt, den UN-Sicherheitsrat anzurufen.

Klug: “Gegenüber Terrorismus kann es keine Neutralität geben”

Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) sieht in der österreichischen Neutralität kein Hindernis für einen militärischen Beistand an Frankreich. “Gegenüber Terrorismus kann es keine Neutralität geben”, sagte Klug am Dienstag in Brüssel, er wollte dies aber als “persönliche Meinung” verstanden wissen.

Sieben Festnahmen in Deutschland

Die Spur des Terrors von Paris führt nun auch nach Deutschland. Im Zusammenhang mit den Anschlägen vom Freitagabend nahm die Polizei bei Aachen sieben Verdächtige fest. Sie wurden am Dienstag von Spezialeinsatzkräften in Alsdorf gefasst. Zudem wurde bekannt, dass der gesuchte 26-jährige Salah Abdeslam, Bruder eines der Selbstmordattentäter, vor rund zwei Monaten in Deutschland und Österreich war. Mehr lesen…

(APA)


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