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Frankreich: Rege Beteiligung an der Wahl

Wer wird Chiracs Nachfolger werden? Bei strahlendem Frühlingswetter fand in Frankreich am Sonntag die mit Spannung erwartete erste Runde der Präsidentenwahl statt.

Insgesamt 44,5 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, unter zwölf Bewerbern einen Nachfolger für das scheidende Staatsoberhaupt Jacques Chirac zu wählen. Als Favoriten galten in allen Umfragen der konservative Ex-Innenminister Nicolas Sarkozy und die Sozialistin Segolene Royal.

Bis 12.00 Uhr gaben nach Angaben des Innenministeriums bei herrlichem Frühlingswetter 31,2 Prozent der Wähler ihre Stimme ab. Der Andrang an den Wahlurnen war damit bis zur Mittagszeit deutlich größer als bei den vier vorangegangenen Präsidentenwahlen. 2002 waren zu diesem Zeitpunkt nur 21,4 Prozent zu den Wahllokalen geströmt. Die erste Runde endete damals mit einem Rekord von 28,4 Prozent Nichtwählern.

Die 64.000 Wahllokale schließen um 18.00 Uhr, in den Großstädten um 20.00 Uhr. Direkt im Anschluss werden die ersten Hochrechnungen veröffentlicht. Die beiden Bestplazierten der insgesamt zwölf Kandidaten bestreiten am 6. Mai die Stichwahl. Neben Sarkozy und Royal wurden auch dem Zentrumspolitiker Francois Bayrou und dem rechtsextremen Jean-Marie Le Pen Außenseiterchancen gegeben, die Stichwahl zu erreichen.

Der Wahlkampf, dem ein zentrales Thema gefehlt hatte, war am Freitag um Mitternacht zu Ende gegangen. Letzte Umfragen sahen Sarkozy, den Vorsitzenden der konservativen Regierungspartei UMP, weiter auf dem ersten Platz. Während er beim Institut CSA-Cisco aber nur knapp vor Royal lag (26,5 Prozent gegenüber 25,5 Prozent), wies eine Ipsos-Erhebung für ihn einen klaren Vorsprung von sechs Punkten aus. Auf die dritte Position schob sich laut CSA Le Pen mit 16,5 Prozent vor Bayrou von der Zentrumspartei UDF (16 Prozent). Ipsos sah dagegen weiter Bayrou als Nummer drei. Jeder dritte Wähler hatte sich allerdings bis zuletzt unentschlossen gezeigt, für wen er stimmen sollte. Vor fünf Jahren hatte Le Pen überraschend den sozialistischen Premierminister Lionel Jospin aus dem Rennen geworfen, was Chirac die Wiederwahl in der Stichwahl erleichterte.

Größere Zwischenfälle wurden vorerst nicht gemeldet. Nur auf Korsika hatten korsische Nationalisten in der Nacht nahe einem Steueramt zwei Sprengsätze gezündet und einen Passanten verletzt. Außerdem verursachten die Explosionen in der Stadt Bastia nach Angaben der Gendarmerie beträchtlichen Sachschaden. In Marseille konnten einige Wahllokale erst mit Verspätung öffnen, weil Unbekannte die Türen mit Klebstoff und Nägeln verschlossen hatten.

Eine außergewöhnlich starke Wahlbeteiligung wurde aus jenen Überseegebieten gemeldet, in denen bereits am Samstag gewählt wurde. Nach Radioberichten war die Beteiligung etwa in Französisch-Guayana um sieben Prozentpunkte höher als vor fünf Jahren. Die erste Runde der Präsidentenwahl hatte in Frankreich 2002 den Rekord von 28,4 Prozent Nichtwählern gebracht.

Chirac wurde beim Urnengang zur Wahl seines Nachfolgers mit Hochrufen empfangen. Vor dem Rathaus von Sarran in Zentralfrankreich bejubelten zahlreiche Menschen am Sonntag den 74-Jährigen und seine Frau Bernadette. Nach zwölf Jahren an der Staatsspitze trat Chirac nicht mehr an.

Als erster der vier aussichtsreichsten Kandidaten gab Sarkozy am Vormittag im Pariser Vorort Neuilly seine Stimme ab. Der Umfrage-Favorit ging mit seiner Frau Cecilia und deren beiden Töchtern zur Stimmabgabe. Le Pen wählte in Saint-Cloud bei Paris, Royal im westfranzösischen Melle und Bayrou in Pau im Südwesten des Landes.

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